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Jane Fonda Leise? Niemals! Auch im Alter kämpft sie für ihre Überzeugungen

Jane Fonda
© Getty Images
Jane Fonda ist 82 Jahre alt. Doch wenn es darum geht, mutig für seine Überzeugungen einzutreten, können selbst junge Menschen noch etwas von ihr lernen.

Sie lacht, reckt die Arme in die Luft, ihre Hände sind mit Plastikschnüren zusammengebunden. In ihrem knallroten Mantel ist Jane Fonda, 82, nicht zu übersehen. Wenig später wird sie von uniformierten Beamten abgeführt. Die Festnahme der Hollywood-Ikone ist so etwas wie der Höhepunkt der friedlichen Klima-Demonstrationen in Washington im Herbst 2019, und sie wiederholt sich von Woche zu Woche. Eine Nacht verbringt Fonda sogar im Gefängnis. "Ich gehe nicht auf Demos, um verhaftet zu werden. Sondern es geht mir darum, Aufmerksamkeit auf die Klimakatastrophe lenken", betont sie. 

"Jane Fonda trägt ihr nachhaltiges Bewusstsein nach außen"

Man könnte einwenden: Ist so viel Aktionismus nicht ein bisschen unpassend für eine Frau von 82 Jahren? Darüber kann die Tochter von Schauspiel-Legende Henry Fonda ("Die zwölf Geschworenen") nur lachen. Für seine politischen Überzeugungen einzutreten, auch wenn das sehr viel persönlichen Mut erfordert, war für sie schon immer selbstverständlich. Dabei kämpfte sie nicht nur für den Umweltschutz, sondern auch für die Friedensbewegung, den Feminismus, die Bürgerrechte und gegen die Atomenergie. Das macht die zweifache Oscar-Preisträgerin zu einem echten Vorbild, auch für die junge Generation. Die deutsche Fridays-For-Future-Aktivistin Luisa Neubauer, 24, schwärmt in GALA über die aufrechte Kämpferin: "Jane Fonda trägt ihr nachhaltiges Bewusstsein nach außen, indem sie ihre Kleider mehrfach trägt, indem sie sich verhaften lässt und zivilen Ungehorsam vorlebt." 

Ihr Kampf gegen den Klimawandel

Über ihren Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel hat Jane Fonda gerade sogar ein Buch geschrieben. In "What Can I Do? My Path From Climate Despair To Action" (Deutsch: "Was kann ich tun? Mein Weg von der Klima-Verzweiflung zum Handeln") erzählt Fonda, warum sie mit mehr als 80 Jahren noch mal alles gibt: "Ich bin mir absolut bewusst, dass ich in der letzten Generation von Menschen lebe, die darüber entscheiden kann, ob es für die Menschheit noch eine Zukunft gibt oder nicht." Nach dem Motto: "Was Greta Thunberg kann, kann ich auch!" Und so gründete sie im Sommer 2019 die Protestbewegung "Fire Drill Fridays", zog nach Washington und begann, jeden Freitag friedlich vor dem Weißen Haus zu demonstrieren. Immer mehr Menschen machten mit und solidarisierten sich, sobald sie verhaftet wurde. Präsident Donald Trump reagierte mit Spott: "Ich erinnere mich, wie Jane Fonda vor 30 oder 40 Jahren festgenommen wurde. Oh Mann, es hat sich nichts geändert", twitterte er.

Jane Fonda bei einer Veranstaltung ihrer Protestbewegung "Fire Drill Fridays".
Jane Fonda bei einer Veranstaltung ihrer Protestbewegung "Fire Drill Fridays".
© Getty Images

Jane Fonda: Ihr politischer Kampf beginnt während des Vietnamkriegs

Genau genommen sind es 50 Jahre: Jane Fondas politisches Bewusstsein erwacht Ende der Sechzigerjahre während des Vietnamkriegs. Da ist sie bereits eine erfolgreiche Schauspielerin, verheiratet mit dem französischen Regisseur Roger Vadim und Mutter einer kleinen Tochter. Erschüttert über die Grausamkeiten dieses aussichtslosen Krieges, schließt sich Fonda der Protestbewegung an, spricht vor Studenten, in TV-Talkshows und wo immer sich ihr eine Bühne bietet. Eine Provokation für US-Präsident Nixon. Und er schlägt zurück. Als die Schauspielerin in Vietnam lachend mit einheimischen Soldaten posiert, wirft die Nixon-Regierung ihr mangelnden Patriotismus vor. Sie wird als "Hanoi-Jane" beschimpft, vom FBI überwacht und bedroht. 1970 nimmt man Fonda sogar fest, wegen angeblichen Drogenbesitzes. Dabei hatte sie bloß Vitaminpillen in der Tasche.

Mit Fotokamera und Mikrofon reist Jane Fonda 1972 nach Vietnam, um die Gräuel des Krieges zu dokumentieren. Da sie auch mit der vietnamesischen Seite spricht, wird sie von der Nixon-Regierung als "Hanoi-Jane" verunglimpft und vom FBI bespitzelt.
Mit Fotokamera und Mikrofon reist Jane Fonda 1972 nach Vietnam, um die Gräuel des Krieges zu dokumentieren. Da sie auch mit der vietnamesischen Seite spricht, wird sie von der Nixon-Regierung als "Hanoi-Jane" verunglimpft und vom FBI bespitzelt.
© Getty Images

Jane Fondas Verhaftung

Ihr Polizeifoto mit Kurzhaarschnitt erlangt Kultstatus bei ihren Anhängern. Jane Fonda lässt sich nicht den Mund verbieten, allen Widerständen zum Trotz. Der Vorwurf allerdings, sie sei eine Vaterlandsverräterin, trifft sie hart – auch wenn sie später versteht, dass jenes Foto, das sie lächelnd in einer nordvietnamesischen Geschützstellung zeigt, wirkt, als sei sie auf der Seite der Gegner der US-Soldaten. Sie habe immer nur die menschenverachtende Politik der Regierung anprangern wollen und es als ihre Pflicht empfunden, ihre Landsleute über die Schrecken des Krieges aufzuklären.

Jane Fonda: Sie hat die Zeichen der Zeit früh erkannt

Rehabilitiert wird der Hollywood-Star, als sich Mitte der Siebzigerjahre der politische Wind dreht. 1978 erscheint der von ihr produzierte Film "Coming Home", der sich einfühlsam mit dem Schicksal von Vietnam-Veteranen befasst. Er bekommt drei Oscars, unter anderem für Fonda als beste Hauptdarstellerin. Seitdem zählt ihre Stimme im Land ganz besonders. Ob in der Friedensbewegung, gegen Atomkraft, Rassismus oder für Frauenrechte. Wenn heute Menschen im Rahmen von #MeToo auf die Straße gehen oder – so wie diese Woche – für den Klimaschutz, kann sich Fonda bestätigt fühlen. Sie hat die Zeichen der Zeit immer schon früh erkannt. 

Gala

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