Jan Josef Liefers: "Zu helfen ist meine Pflicht"

Jan Josef Liefers über soziales Engagement, seine Bewunderung für Sean Penn und Bono - und den bevorstehenden Weltuntergang

Dieser Mann gehört ins Bett

– mit Wadenwickeln und einer großen Tasse Ingwer-Tee. Doch Schniefnase hin, glasiger Blick her; Jan Josef Liefers lässt es sich trotz dicker Erkältung nicht nehmen, mit "Gala" über seinen neuen TV-Thriller zu sprechen. In "Das Kindermädchen" (ZDF, 9. Januar, 20.15 Uhr) spielt er einen Anwalt, der im braunen Sumpf der Vergangenheit recherchiert. Schnell wird im Interview klar: Jan Josef Liefers ist ein Mensch, der sich lautstark einmischt – und der klare Positionen bezieht.

Der Thriller "Das Kindermädchen" zeigt noch einmal deutlich, wieviel Unglück der Nationalsozialismus über die Welt gebracht hat. Trotzdem sind Rechtsradikale weiterhin auch in Deutschland aktiv und ziehen sogar mordend durchs Land. Was geht da in Ihnen vor?

Ich finde das furchtbar – genau wie die Tatsache, dass nationalsozialistische Parteien - legitim gewählt - in deutschen Landtagen sitzen. Man möchte den Verfassungsschutz anrufen, aber die geheimdienstlich arbeitende Behörde findet es offenbar völlig in Ordnung, Straftaten nicht nur zu beobachten, statt zu verhindern, sondern sie auch noch selber mitzufinanzieren.

Ruby O. Fee & Matthias Schweighöfer

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Matthias Schweighöfer und Ruby O. Fee
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©Gala

Sollte man Parteien wie die NPD generell verbieten?

Mein Instinkt sagt mir, dass durch ein Verbot das Problem nicht gelöst wäre. Vielleicht verschärft man es sogar noch. Speziell auf junge Menschen wirken Verbote magisch und anziehend. Vielmehr gehört das Thema an die große Glocke, geistig unabhängige, kluge Menschen müssen frei von Ideologie und Parteigelaber erklären, dass es wunderbar ist, sein Heimatland und seine Kultur zu lieben, aber auch, wo die Unterschiede zu miesem Nationalismus liegen und warum der nichts als Hass und Gewalt erzeugt.

Mitte Dezember wurden Sie für Ihr soziales Engagement – Sie sammeln zum Beispiel Spenden für das Kinderhospiz "Sonnenhof" in Berlin – mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Was treibt Sie an?

Es ist mir nicht egal, was links und rechts von mir passiert. Wer auf die Sonnenseite des Lebens gestolpert ist, hat die Pflicht, sich in das Unglück – egal wo auf der Welt – helfend einzumischen. Ich sammle zum Beispiel Geld, um die materielle Basis für die Arbeit jener zu schaffen, die dann die wahren Heldentaten vollbringen. Ohne die Menschen, die weit mehr als nur Dienst nach Vorschrift machen, würde unsere Gesellschaft nicht mehr funktionieren. Hier in Deutschland sind das vor allem zwei Stiftungen, die man leicht im Internet findet. Die Björn-Schulz-Stiftung in Berlin und die NCL-Stiftung in Hamburg.

Auch Ihr US-Kollege Sean Penn engagiert sich stark. Haben Sie ihn mal getroffen?

Wir haben ihn und sein JP HRO-Hilfsprojekt in Haiti besucht und waren schwer beeindruckt – von ihm und seinem Team. Sean Penn ist ein großes Vorbild und zählt zu den glaubwürdigsten Menschen, die mir begegnet sind. Er redet nicht nur, er packt wirklich selbst mit an und erreicht mit seinen Leuten oft mehr, als einige alteingesessene, hochprofessionelle Hilfsorganisationen vor Ort. Er kooperiert mit allen, lässt sich auf keine internen Konkurrenzkämpfe ein, geht unkonventionelle Wege und ist sehr effizient. Penn folgt nur den Gesetzen des gesunden Menschenverstandes und verfolgt keine politischen oder Machtinteressen, sondern hilft den Obdachlosen in seinem Camp, schützt sie gegen Cholera und will, dass sie schnell wieder in richtige Häuser ziehen können. Ein toller Kerl, wir helfen ihm sehr gern!

Fehlt es Charity-Projekten zuweilen an Glaubwürdigkeit?

Glaubwürdigkeit ist im Zusammenhang mit Charity die gefragteste Währung. Aber ich begegne auch Prominenten, bei denen sich die Frage aufdrängt: Engagierst du dich jetzt, weil dir die Sache wichtig ist – oder geht es dir nur um das Foto neben George Clooney? Gleichzeitig finde ich es ärgerlich, wenn Menschen wie Bono oder Bob Geldof unterstellt wird, sie würden ihr Engagement vor allem für Eigen-PR nutzen oder sich zu einer Art Messias aufspielen. Ich kenne beide schon lange und weiß, was sie alles in Gang gesetzt haben; wo sie es sich doch eigentlich in der Hängematte unter Palmen gemütlich machen könnten.

Jan Josef Liefers mit Bob Geldof und Sean Penn bei einer "Cinema for Peace"-Pressekonferenz in Berlin. Anfang 2011 hatten Liefers und seine Frau Anna Loos als Botschafter auch das Hilfscamp von Sean Penn besucht.

Welche Werte möchten Sie Ihren Kindern mitgeben?

Ich wünsche mir, dass sie selbstbewusst, aber nicht egoistisch werden, nachdenklich, aber auch gefühlvoll, dass sie Schwächeren helfen, aber auch sich selbst zu helfen wissen. Dass sie ein starkes Gefühl für Recht und Unrecht bekommen. Dass sie gewieft sind und trotzdem naiv bleiben. Ich wünsche mir, dass sie auf eine verrückte Art vernünftig sind. Dass sie lieben und geliebt werden – und vor allem später über die Grummeligkeiten ihrer zahnlosen Eltern herzhaft lachen können.

Und wie stellen Sie das an?

Ich habe als Vater vor allem eine Erfahrung gemacht: Es gibt nichts, was so nachwirkt, wie das eigene gelebte Beispiel. Du kannst deinen Kindern tausendmal sagen, dass man tolerant, respektvoll oder hilfsbereit sein muss – wenn du es selbst nicht bist, wird die Lektion an ihnen vorbei gehen.

Jan Josef Liefers wurde beim Tag des Ehrenamts Mitte Dezember für sein soziales Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Diskutieren Sie zuweilen mit Ihren Kindern über die Ungerechtigkeiten der Welt?

Natürlich – meine älteste Tochter Paulina meinte kürzlich, wie wir eigentlich zu der unhaltbaren Behauptung kommen, dass wir Menschen die Krönung der Schöpfung sind. Worin besteht denn eigentlich der große kulturelle Fortschritt im Zusammenleben der Menschheit durch die Jahrtausende?

Was meinen Sie genau?

Es waren Gedankenspiele in einer leidenschaftlichen Diskussion. Schauen sie sich doch einmal an, wie sich die sogenannte Elite auf der politischen oder wirtschaftlichen Weltbühne aufspielt. Die Männer in den Maßanzügen, die wissen, wie man sich benimmt und wie man Damen bei Tisch den Stuhl unter den Popo schiebt. Diese Herren wirken so unglaublich kultiviert und benehmen sich nicht anders als moderne Neandertaler, sobald es um die Durchsetzung ihrer Interessen geht. Den Schwächeren dieser Welt, die nicht so parieren, wie sie sollen, wird die Keule über den Kopf gezogen. Der Vertreter der Hochkultur trommelt sich auf die Brust, wendet sich wieder seiner Tischdame zu und redet mit ihr über Mozart … So in dieser Art lief unser nächtliches Gespräch am Lagerfeuer.

Was bringt Sie auf die Palme?

Zum Beispiel gerade, dass die deutsche Justiz so arrogant ist, die Meinungsmache zum Thema Recht und Gerechtigkeit nahezu kampflos den Medien und den Internetplattformen zu überlassen. Ich habe den Eindruck, die halten sich da in ihren ehrwürdigen Gebäuden für die Elite, die es nicht nötig hat, sich auf das Niveau des unwissenden Volkes herab zu lassen. Ich beobachte eine wachsende Kluft zwischen Richtersprüchen und dem gesellschaftlichen Gefühl für Gerechtigkeit.

Zum Beispiel?

17-Jährige können einen Menschen in der U-Bahn tot treten und mit einer höchst milden Strafe rechnen. Jemand, der unter Drogen mit seinem Auto in eine Menschengruppe rast, ist nicht schuldfähig. Wer eine Frau vergewaltigt oder einem Kind sexuelle Gewalt antut, braucht sich keine grauen Harre wachsen zu lassen, er hat gute Aussicht auf eine Bewährungsstrafe, ein Kindermörder kann auf Staatskosten im Knast sein Jurastudium beenden und bekommt eine Entschädigung, weil jemand ihm damals Schmerzen angedroht hat, um das Kind vielleicht noch zu retten. Aber wehe, wenn Du ein paar Steuern hinterziehst und dabei leider nicht zu den ganz Großen gehörst... Das sind alles nur so ein paar platte Beispiele, die Zeitungen sind voll davon. Rechtsprechung ist in meinen Augen mehr als nur die blanke Erfüllung des Gesetzestextes – Rechtssprechung hat auch eine emotionale Ebene und soll sozialen Frieden herstellen. Wenn man sich ohne allgemein verständliche Erklärungen dauerhaft über das Gerechtigkeitsgefühl einer Gesellschaft hinweg setzt, kann das Böse enden

Derzeit jagt eine globale Krise die nächste. Gibt es Tage, an denen Sie die Zukunftsangst packt?

Ja, aber zum Glück nicht oft. Denn ich glaube weniger an politische Systeme als an die Kraft der menschlichen Gemeinschaft. Meine Großmutter hat mir immer wieder vom Bombardement Dresdens im Jahr 1945 erzählt, das sie mit meiner damals einjährigen Mutter im Stadtzentrum überlebt hat. Und sie erzählte mir von der Zeit danach, dieser unglaublichen Kraft, die nur aus der blanken Solidarität von Menschen entsteht, die in großer Not sind und deshalb zusammenhalten. Daran glaube ich: an einen Rest Vernunft und einen Pragmatismus, der aus purem Überlebenswillen geboren wird.

Charity

Helfende Hände aus Hollywood

Was für ein Tag im Disneyland! Die "Avengers" Paul Rudd, Scarlett Johansson, Robert Downey Jr., Brie Larson, Chris Hemsworth und Jeremy Renner feiern zusammen mit Disney-Chef Bob Iger die gemeinnützige Initiave "Avengers Universe Unites".
Großfirmen wie Lego, Amazon und Co. haben Geld und Spielzeug im Wert von über 5 Millionen Dollar gespendet, das kritisch kranken Kindern auf der ganzen Welt zugute kommt. Brie Larson erfreut damit schon mal die jungen Besucher.
Das Tollste für die Kids ist aber sicherlich, ihren Superhelden Captain Marvel , Thor und Co. auch mal die Hand schütteln zu können.
Amanda Seyfrieds flauschiges Accessoire für das Charity-Event von Best Friends Animal Society könnte passender nicht sein: Die Schauspielerin sowie viele andere Promis spenden an dem Abend für den US-amerikanischen Tierschutzverein, der sich gegen das Töten von Katzen und Hunden in US-amerikanischen Tierheimen einsetzt. 

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Was sagen Sie zu dem Weltuntergangsszenario, das für 2012 beschworen wird?

Neulich traf ich einen alten Freund wieder, einen Franzosen, der viele Sprachen spricht. Er erzählte mir, dass er inzwischen Schamane in einem Dschungeldorf in Mexiko sei. Er hat mich und meine Familie eingeladen, den 21. Dezember gemeinsam mit ihm zu verbringen – den Tag, an dem laut Maya-Kalender die Welt untergehen wird. Er sagte, dass sich genau in seinem Dorf eines dieser wichtigen Heiligtümer befände, in deren Nähe man besser aufgehoben wäre, wenn das letzte Stündlein käme.

Werden Sie seine Einladung annehmen?

Das wäre eine spektakuläre Reise! Den Kids würde es gefallen. Aber wenn jeder dorthin fährt? Dann hat der Weltuntergang wegen Überfüllung geschlossen! (lächelt) Mal im Ernst: Bis dato haben wir jeden der bislang prophezeiten Weltuntergänge gut überstanden. Alexander Nebe

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