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Jan Delay + Heino Streit um "Nazi"-Äußerung

Hip-Hop gegen Schlager: Jan Delay beschimpfte Heino in einem Interview als "Nazi" - jetzt kassierte er eine Anzeige von dem erbosten Volksmusiker

Hip-Hopper Jan Delay nimmt kein Blatt vor den Mund: In einem Interview mit "diepresse.com" legte er sich mit Schlagerstar Heino an und bezeichnete ihn als "Nazi", wofür er jetzt büßen muss. Nachdem Heino davon Wind bekam, kündigte er am Donnerstag (24. April) gegenüber der "Bild"-Zeitung an, dass der Vorwurf rechtliche Folgen nach sich ziehen werde.

"Ich habe meinen Rechtsanwalt beauftragt, mit allen rechtlichen Mitteln gegen Herrn Delay vorzugehen", wird der Volksmusiker von "bild.de" zitiert. Sein Rechtsanwalt bestätigte demnach, dass eine Strafanzeige gestellt wurde. Zudem müsse der Hip Hopper mit einer Unterlassungserklärung und mit einer finanziellen Forderung rechnen.

Als Jan Delay im Gespräch mit "diepresse.com" auf Heinos neue Interpretation bekannter deutscher Popsongs - darunter auch "Liebes Lied" von Delays ehemaliger Band "Absolute Beginner" - angesprochen worden war, hatte er geäußert, was ihm offenbar schon seit Längerem auf der Seele gebrannt hatte: "Das war wirklich schlimm. Wir haben extra nichts gesagt, weil wir ihm kein Forum geben wollten. Alle sagten plötzlich: Ist doch lustig, ist doch Heino. Nee, das ist ein Nazi", sagte der 37-Jährige. Bereits vor zwei Wochen hatte sich der Rapper im Gespräch mit "tagesspiegel.de" darüber geärgert, wie Heino in seinem Cover von "Liebes Lied" das "R" rolle - nur beim Song "Sonne" der Band "Rammstein", den Heino ebenfalls in ein Schlager-Cover verwandelte und zusammen mit der Rockband auf der Bühne sang, sei das angebracht. Jan Delay zufolge hat es Heino aber mit einer anderen Aktion noch an die Spitze getrieben: "Der Typ hat in Südafrika während der Apartheid im Sun City gesungen. Und sein Repertoire: 'Schwarzbraun ist die Haselnuß', Soldatenlieder...", wird der Hamburger von "diepresse.com" zitiert.

Heino zeigte sich gegenüber "Bild" empört von Delays Aussagen: "Ich bin in meinem Leben ja schon viel beschimpft und beleidigt worden, aber was sich dieser Herr herausnimmt, ist eine Unverschämtheit", schimpfte er. Der 75-Jährige hatte in der Vergangenheit schon des Öfteren Kritik für seine Musik einstecken müssen. So ließ sich Dero Goi, der Sänger der Band "Oomph!", gegenüber der "Bild"-Zeitung über Heinos "völkisch-verherrlichende Lieder in seinem Repertoire" aus. Die Gerüchte um Heinos nationalsozialistische Ideale verschärften sich im vergangenen Jahr, als der Schlagersänger sich im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" als "hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, flink wie ein Windhund" bezeichnete - eine Formulierung, die ursprünglich Adolf Hitler in einer seiner Reden verwendete.

Vom Angeklagten und seinem Management wurde zu Heinos Reaktion bisher noch kein Statement abgegeben, das frisch gebackene Familienglück des Hip-Hoppers - im Januar 2014 kam seine Tochter zur Welt - dürfte durch den Konflikt getrübt sein. Ob auch der musikalische Erfolg der beiden Streithähne unter der Auseinandersetzung leiden wird, muss sich zeigen. Mit seinem ersten Rockalbum "Hammer & Michel" schaffte es Jan Delay in dieser Woche an die Spitze der Charts, im Jahr 2013 erlebte Heino mit seinem Album "Mit freundlichen Grüßen" denselben Triumph.

ija Gala


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