Jacob Karl Pabst über Karl Lagerfeld: "Karl war sehr großzügig"

Jacob Karl Pabst stand Karl Lagerfeld so nah wie nur wenige Menschen. In GALA spricht der Patensohn des Designers nun über anrührende Geschenke, nächtliche Küchen-Talks – und die letzten Treffen

Von Büchern konnte Karl Lagerfeld nie genug bekommen. Rund 300.000 sammelte er im Laufe seines Lebens an, stapelte sie in den Bibliotheken seiner Wohnsitze, um sie immer um sich zu haben. Lebendige Wesen dagegen ließ der Modezar selten so nah an sich heran. Birma-Katze Choupette war eine Ausnahme. Und eine Handvoll Menschen. Einer von ihnen: Lagerfelds Patensohn Jacob Karl Pabst, 46, Sohn der Hamburger Modejournalistin Florentine Pabst und des einflussreichen Galeristen Hans Neuendorf. Lagerfeld selbst meinte einmal, dass ihm von seinen insgesamt sieben Patenkindern nur zwei wirklich am Herzen liegen würden: Kindermodel Hudson Kroenig, 12, und eben Jacob. Ob er im Testament des im Februar verstorbenen Designers bedacht wurde – das Vermögen wird auf 400 Millionen Euro geschätzt –, will Pabst nicht verraten. Was dagegen in unserem Interview deutlich wird, ist die tiefe Freundschaft dieser beiden Männer. GALA traf den Wahl-New-Yorker bei einem Heimatbesuch in Hamburg.

Karl Lagerfeld (†)

Sein Leben in Bildern

1954 gewinnt Karl Lagerfeld einen Modewettbewerb in Paris und wird daraufhin als Assistent von Pierre Balmain eingestellt. Das Model auf dem Bild trägt seine Kreation. Während seiner Zeit bei Balmain absolviert Lagerfeld eine Schneiderlehre.
1984 wird der gebürtige Hamburger Chefdesigner von Chanel Haute Couture. Nach der Vorstellung seiner Herbst/Winter-Kollektion 1984/85 erntet er viel Beifall.
Mit Prinzessin Caroline von Monaco (hier 1985 mit deren früheren Ehemann Stefano Casiraghi, der 1990 ums Leben kommt) verbindet den deutschen Designer eine jahrzehntelange Freundschaft.
Das französische Model Inès de la Fressange wird Lagerfelds erste Muse.

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Ein gemeinsames Essen führte zur Patenschaft

Herr Pabst, wie kam es dazu, dass Karl Lagerfeld Ihr Patenonkel wurde?

Jacob Karl Pabst: Meine Mutter hat ihn vor etwa 50 Jahren kennengelernt. Sie waren zu einem Essen bei einer gemeinsamen Freundin eingeladen. Obwohl es ein großer Kreis war, haben sie sich den ganzen Abend nur zu zweit unterhalten. Seitdem waren die beiden ständig in Kontakt.

Sie heißen mit zweitem Vornamen Karl …

Jacob Karl Pabst: Ich wurde nach ihm benannt. Karl hat mich immer Karl genannt, Karl Jacob. Bei allen anderen bin ich Jacob.

Wie war er als Patenonkel?

Jacob Karl Pabst: Schon als kleines Kind durfte ich zu seinen Modenschauen. Karl hat immer versucht herauszufinden, wofür ich mich gerade interessiere. Er war sehr großzügig. Geschenke hat er feinfühlig ausgesucht, immer altersgemäß und sehr bedacht.

Was hat er Ihnen denn geschenkt?

Jacob Karl Pabst: Sehr viele Bücher. Und Zeichenutensilien. Er wusste, dass ich gerne male, und hat mir immer die besten Blöcke und Stifte geschickt. Ich habe ihm dann viele meiner Bilder geschenkt. Zu einem Geburtstag in den Achtzigerjahren bekam ich von ihm einen Discman und zehn CDs, darunter welche von Talk Talk und den Simple Minds. Die habe ich dann von morgens bis abends gehört. Oft habe ich auch Kleidung gekriegt, zum Beispiel Hemden.

Hat er Ihre Zeichnungen aufgehängt?

Jacob Karl Pabst: Kurzfristig vielleicht. (lacht) Ich habe sie jedenfalls bei ihm zu Hause nicht gesehen. Aber er hat sich mit langen, liebevollen Briefen bedankt.

Modezar Karl Lagerfeld

Seine 10 besten Sprüche

"Sehe ich aus wie jemand, der kochen kann? Ich kann eine Dose Cola Light aufmachen und damit hat sich das."
Über Heidi Klum: "Die kenne ich nicht, die war nie in Paris."
"Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren."
"Man muss das Geld zum Fenster rauswerfen, damit es zur Tür wieder reinkommt."

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Jacob Karl Pabst: Geprägt vom Modezar

Hatte er Humor, hat er auch mal Witze gemacht?

Jacob Karl Pabst: Ständig! Karl hatte einen besonderen, sehr intelligenten Humor und war extrem schlagfertig.

War er für Sie ein Vorbild?

Jacob Karl Pabst: Karl war einzigartig, und es wird nicht noch mal jemanden wie ihn geben. Er hat mich schon in jungen Jahren inspiriert. Ich habe sehr bewundert, dass er immer genau wusste, was er wollte. Er ist ja schon mit 16 oder 17 alleine nach Paris – er ist seiner Leidenschaft nachgegangen. Das habe ich mir abgeschaut. Mich haben zunächst sehr viele Dinge interessiert. Nach dem Abitur habe ich in Berlin Medizin studiert. Dann merkte ich, dass ich gerne selbst ein Unternehmen aufbauen und führen möchte und habe zur Betriebswirtschaft gewechselt. Ich fing an, im Unternehmen meines Vaters mitzuhelfen. Er war nach dem Krieg einer der ersten Galeristen in Deutschland und hat 1989 artnet gegründet, die heute weltweit führende Online-Plattform für den Kunstmarkt. 2012 wurde ich CEO. Zu unseren Kunden gehören Kunstsammler sowie alle großen Auktionshäuser und Galerien wie Sotheby’s, Christie’s und Gagosian.

War es für Sie eine Herausforderung, mit dem eigenen Vater zusammenzuarbeiten?

Jacob Karl Pabst: Mein Vater war schon immer ein Pionier. Er hat als einer der ersten die Bedeutung von Pop-Art erkannt und in den Siebzigerjahren in Hamburg Künstler wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein ausgestellt. Die Leute haben damals noch gelacht, als sie die ersten Warhol-Werke gesehen haben. Heute bieten wir als einziges Unternehmen unter anderem reine Online-Auktionen für Kunst an, ein weiteres Beispiel für den Pioniergeist meines Vaters. Ich hatte lange niemanden sonst, mit dem ich mich auf diesem Level beraten konnte. Wir sind dadurch noch enger zusammengewachsen.

Ihre Angestellten beschreiben Sie als einen ausnehmend höflichen und unvoreingenommenen Menschen.

Jacob Karl Pabst: Echt? Aber das ist doch normal. (lacht)

Seit 2005 arbeiten Sie im Headquarter in New York. Wie sieht Ihr Leben in der Metropole aus?

Jacob Karl Pabst: Mit meiner Freundin wohne ich in Manhattan. Sie kommt ursprünglich aus Taiwan, deshalb lerne ich Chinesisch. Und ich spiele sehr gerne Fußball. Ansonsten arbeite ich von morgens bis abends. Ich wache früh auf, checke meine Mails, gehe dann laufen. Nach dem Büro arbeite ich oft noch zu Hause weiter.

Jacob Karl Pabst: "Da wusste ich, dass etwas passiert ist."

Auch mit Karl Lagerfeld haben Sie zusammengearbeitet.

Jacob Karl Pabst: Ja, wir haben in Paris eine gemeinsame Kampagne gemacht für den Launch des E-Commerce-Shops seiner Firma Karl Lagerfeld. Als wir uns vor zwei Jahren in seinem Büro getroffen haben, war das ganze Team da. Zwischendurch hat er die Models auch selbst fotografiert. Irgendwann fragte er, ob ich kurz mit in die Küche kommen kann. Dort stand überall Essen, sein Koch war da. Wir haben anderthalb Stunden gegessen und gesprochen. Dann musste er weiter fotografieren, es war bereits ein Uhr nachts. Karl hat immer bis spät abends gearbeitet.

Haben Sie auch mal gestritten?

Jacob Karl Pabst: Nie.

Wie haben Sie von seinem Tod am 19. Februar erfahren?

Jacob Karl Pabst: Ich sah beim Aufwachen um 5.30 Uhr, dass ich mehrere Anrufe von meiner Familie hatte. Da wusste ich, dass etwas passiert ist.

Karl Lagerfeld

Eine Zeitreise zu Ehren des Modezars

Karl Lagerfeld

Wussten Sie, wie es gesundheitlich um ihn stand?

Jacob Karl Pabst: Ich habe bei den letzten Treffen bemerkt, dass er sehr viel schwächer und gebrechlicher war. Es hat mir sehr wehgetan, das zu sehen.

Gibt es eine besondere Begegnung, die Sie in Erinnerung behalten werden?

Jacob Karl Pabst: Wir waren mal gemeinsam in der ZDF-Fernsehshow "Das ist Ihr Leben" mit Carlheinz Hollmann. Karl gab ein Interview. Irgendwann wurde ich auf die Bühne gerufen, und er hob mich auf seinen Schoß. Im Publikum haben plötzlich alle gelacht – alle glaubten, ich hätte ihn am Zopf gezogen. Auch meine Mutter meinte später, sie habe es genau gesehen. Ich sage bis heute: Das stimmt nicht, so etwas hätte ich nie gemacht! (lacht) Eine andere besondere Erinnerung ist mein 13. Geburtstag. Er hat mich bei einem Restaurantbesuch überrascht. Das Licht ging aus, eine Torte wurde hereingetragen, und das ganze Restaurant sang. Er hatte das alles organisiert und freute sich fast noch mehr als ich.

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Karl Lagerfeld (†): Der Modezar ist verstorben

Karl Lagerfeld (†)
Karl Lagerfeld (†) ist einer der größten Modedesigner unserer Zeit. Sein Tod mit 85 Jahren reißt nicht nur eine Lücke in die Welt rund um das Fashionlabel Chanel, sondern auch in das Herz der Modewelt.
©Gala
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