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Ivanka Trump Ihr Spiel mit der Macht

Ivanka Trump
© Reuters
Ivanka Trump präsentierte sich in Berlin als Unterstützerin ihres Vaters. Doch so selbstlos ist die Präsidenten-Tochter gar nicht

Man muss zweimal hinschauen. Und glaubt es doch immer noch nicht. Läuft da tatsächlich gerade Angela Merkel, 62, Hand in Hand mit Ivanka Trump, 35, durch das Berliner "Hotel Intercontinental"? Lachend, die Köpfe zusammengesteckt, als würden zwei Freundinnen zum Shoppingbummel über den benachbarten Ku’damm aufbrechen. Abends, beim Dinner in der Deutschen Bank, ein ähnliches Bild: Wie abgesprochen tragen beide Weiß, umschmeicheln einander bei Saltimbocca vom Kalbsrücken und Tiramisu von grünem Tee mit Komplimenten.

"Frau Merkel ist ein tolles Beispiel für Frauen auf höchster politischer Ebene", flötet Trump, die an diesem Abend das deutsche Label Escada trägt. Merkel erwidert: "Ich freue mich sehr, dass Sie die Reise nach Deutschland gewagt haben. Ich hoffe, wir sind ein gutes Publikum und Sie können mit neuen Ideen zurückreisen."

Um zehn Uhr abends wollte Angela Merkel trotz Drängen ihres Mitarbeiters immer noch nicht gehen – so gut unterhielt sie sich mit Ivanka Trump
Um zehn Uhr abends wollte Angela Merkel trotz Drängen ihres Mitarbeiters immer noch nicht gehen – so gut unterhielt sie sich mit Ivanka Trump
© Reuters

Erfolgreicher Auftritt

Das konnte der Gast aus Amerika bestimmt: Mit zahlreichen positiven Tweets verabschiedete Ivanka sich aus Berlin. Und garantiert auch mit einem richtig guten Gefühl. War der erste große Auftritt der vor wenigen Wochen offiziell ernannten Beraterin des US-Präsidenten auf dem "Women20Summit" doch ein Erfolg auf ganzer Linie. Für alle Beteiligten.

Sie möchte Einfluss nehmen

Dass Merkel mit der First Daughter künftig keine Modetipps austauschen will, sondern sie bei aller Sympathie ganz pragmatisch als Vermittlerin zu Dad Donald sieht, liegt auf der Hand. Dass aber auch Ivanka nicht nur als charmante PR-Lady für ihren sperrigen Vater unterwegs ist, wird erst bei näherer Betrachtung deutlich. 

Ivanka möchte Einfluss nehmen und die Wichtigkeit von Themen wie Frauenrechte oder Klimawandel auch ihrem Vater näherbringen

sagt Daniel Lippmann von der politischen Online-Plattform Politico. Auch die Teilnehmerinnen der Berliner Konferenz, die als Vorbereitung für den G20-Gipfel vom 6. bis 8. Juli in Hamburg gilt, kapierten schnell: Die Amerikanerin wirft alle Klischees über den Haufen und lässt sich nicht ohne Gegenwehr in die Schubladen "Modepüppchen" oder "Daddy's Little Girl" einsortieren.

Ivanka Trump ist äußerst ehrgeizig

Ein Wirtschaftsstudium an der renommierten Wharton School der Universität von Pennsylvania sowie ihre Karriere als Modeunternehmerin und Immobilienentwicklerin geben ihr Selbstbewusstsein – und zeigen, wie ehrgeizig sie ist. Auf ein Vermögen von 740 Millionen Dollar bringt sie es gemeinsam mit ihrem Mann Jared Kushner, 36 – einem weiteren wichtigen Berater des Präsidenten.

Ein Power-Couple mit großer Zukunft?

Keiner hat so viel Einfluss auf Präsident Donald Trump wie Tochter Ivanka
Keiner hat so viel Einfluss auf Präsident Donald Trump wie Tochter Ivanka
© Getty Images

Offen mag noch niemand über Ivankas Ambitionen sprechen, hinter vorgehaltener Hand aber spekulierten die Gäste in Berlin, ob die taffe Blondine nicht selbst politische Macht anstrebe. Oder sich gar als künftige Präsidentin sehe. "Sie hat ihre Sache sehr gut und sympathisch gemacht", urteilt Miriam Meckel gegenüber GALA. Die Herausgeberin der "Wirtschaftswoche" hatte zuvor die Podiumsdiskussion moderiert, für die Ivanka Trump angereist war. Dass sie auf Empfehlung der Kanzlerin überhaupt eingeladen worden war, hatte hinter den Kulissen für kontroverse Diskussionen gesorgt.

Wie passt sie in diese Runde?

Was qualifiziere sie für einen so hochkarätigen Zirkel, in dem Amts-und Würdenträgerinnen wie Hollands Königin Máxima, 45, IWF-Chefin Christine Lagarde, 61, und die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland, 49, über Frauenrechte diskutieren, so die Zweiflerinnen. 

Wir waren heilfroh, als dann wenige Tage später bekannt wurde, dass sie einen offiziellen Beraterposten im Weißen Haus hat

erzählt Gastgeberin Mona Küppers, Präsidentin des Deutschen Frauenrates. Was für eine Fügung, dass Ivanka sich genau dieses Thema schon vor Jahren als Steckenpferd ausgewählt, einen Blog über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verfasst hat und diese Woche ihr Buch "Women Who Work" erscheint. Gern inszeniert sie sich auf Fotos als berufstätige Mutter, das Jüngste auf dem Arm, das Handy am Ohr.

Loblied auf Donald Trump

Nun, in Berlin, sitzt sie kerzengerade auf ihrem Stuhl, spricht mit überraschend dunkler, warmer Stimme über einen Fonds, den sie zusammen mit Merkel plant und aus dem Kredite für Unternehmerinnen in Entwicklungsländern finanziert werden sollen. Die Lobhudelei über ihren Vater, der gar so familien- und frauenfreundlich sei, ist vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen und sorgt für Unruhe im Publikum, ansonsten aber setzt sie auf Bescheidenheit und Demut. "Ich höre zu und lerne, versuche herauszufinden, wie ich zu positiven Veränderungen beitragen kann."

Sorge um ihren Ruf

Amerikanische Bilderbuch-Familie: Ivanka Trump und Jared Kushner mit Theodore James, 1, Joseph Frederick, 3, und Arabella Rose, 5
Amerikanische Bilderbuch-Familie: Ivanka Trump und Jared Kushner mit Theodore James, 1, Joseph Frederick, 3, und Arabella Rose, 5
© Getty Images

Die Rednerin weiß: Jedes ihrer Worte wird auf die Goldwaage gelegt, jede Geste analysiert. Gerade jetzt, wo bekannt wurde, dass ihre Lizenznehmer, etwa die Apparel Group, massiv gegen internationale Arbeitsstandards verstoßen, muss sie um ihren Ruf als Unternehmerin fürchten. Dass sie immer wieder, auch in Berlin, Schmuck aus ihrer eigenen Kollektion trägt und die Umsätze sich um über 300 Prozent gesteigert haben, nährt die Vorwürfe der Vorteilsnahme, genau wie die Tatsache, dass ihrer Firma just an dem Tag in China Markenrechte übertragen wurden, an dem sie mit Präsident Xi Jinping beim Dinner im Trump'schen Familienanwesen Mara-Lago saß. Was den asiatischen Staatschef wohl mehr überzeugt hat – Ivankas Charme oder das Ständchen ihrer beiden älteren Kinder, vorgetragen im nordchinesischen Dialekt Mandarin? Beides, davon darf man ausgehen, gehört zum Kalkül.

Sie gibt sich bodenständig

Es ist auch kein Zufall, dass Ivanka per Linie nach Berlin flog, ihren Trolley nach der Ankunft von United Airlines Flug 962 routiniert selbst hinter sich herzog und sich nur von einer kleinen Entourage begleiten ließ. Sie gibt bewusst den bodenständigen Gegenentwurf zum lauten, impulsiven, verschwenderischen Vater. "Hosenanzug oder Blümchenkleid?", fragte sie die Make-up-Artistin Annett Esser, von der sie sich vor der Diskussion in ihrer Suite im "Hotel Adlon" schminken ließ. Esser zu GALA: "Sie wirkte entspannt, war höflich und zuvorkommend." Ivanka habe von ihren Kindern erzählt und zwischendrin mit ihnen telefoniert. Später entschied sie sich übrigens für das feminine Outfit von Michael Kors. Sicher nicht ohne Hintergedanken.

Mitarbeit: Andreas Renner Gala

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