Yuka Oishi: "Die ersten Monate waren hart"

Ballett-Star Yuka Oishi spricht im Interview mit Gala.de über ihre Anfänge in Hamburg, das tägliche harte Training und das Heimweh nach ihrem Heimatland Japan

Yuka Oishi

Nachwuchs-Star Yuka Oishi

stammt aus Japan und erhielt ihren ersten Ballettunterricht in ihrer Heimatstadt Osaka. Mit 15 Jahren kam sie an die Ballettschule des "Hamburg Ballett" und wurde 2002 in das Ensemble aufgenommen. Inzwischen begeistert sie als Solistin und präsentiert ihre Arbeit als Choreografin am 9. und 10. April im Hamburger Schauspielhaus.

Erfolgreiche Solotänzerin und Choreografin: Yuka Oishi ist mit 15 Jahren aus Japan nach Hamburg gekommen.

Der Beruf der Primaballerina ist eigentlich ein Mädchentraum, aber wie wird man es wirklich?

Von sechs bis 15 Jahren besuchte ich das "Masako Ohya Ballet Institute" in Tokio. Um 17 Uhr ging nach der Schule das Ballett-Training los. So etwa mit 14 Jahren hatte ich dann jeden Tag Ballettunterricht. Dadurch hatte ich nicht viel Zeit für meine Freunde. Aber tanzen war ja das, was ich machen wollte, weswegen ich mich darüber kaum beklagen kann. Eine Ausbildung im Ausland war mein größter Wunsch. Als ich John Neumeiers Choreografien zum ersten Mal sah, hat das mein Bild vom Ballett komplett verändert. Es war auf eine Art schockierend - ich wollte unbedingt mit diesen Tänzern auf der Bühne stehen.

Hatten Sie Heimweh als Sie mit 15 Jahren zur Ballettschule des Hamburg Ballett kamen?

Als ich hier ankam, konnte ich weder Deutsch noch Englisch. Das war während der ersten drei Monate natürlich ziemlich hart und ich kam mir recht verloren vor. Wenn Leute mir etwas mitteilen wollten, habe ich sie einfach nicht verstanden. Auf der anderen Seite kamen ja alle Schüler von woanders her und wir brauchten jemanden zum Reden. Wir haben uns gegenseitig sehr geholfen und viel Zeit miteinander verbracht - auch ohne Worte. Das ist wohl auch ein Grund, warum ich nicht so starkes Heimweh hatte: Es war immer jemand da.

Kultregisseur Darren Aronofsky hat "Schwanensee" als Ballett-Thriller erzählt und damit Einblicke in die eher verschlossene Welt des Profiballetts mit Oscar-Star Natalie Portman gegeben. Eine gelungene Darstellung des Tanz-Genres?

Da muss ich leider passen, denn ich habe nur die ersten zehn Minuten des Films gesehen. Natürlich möchte ich den Film schon noch sehen, schließlich redet jeder davon. Ich habe soviel Kritiken gehört, entweder die Leute lieben ihn oder sie mögen ihn gar nicht. Ich bin gespannt!

Balletttraining der jungen Profitänzer Yuka Oishi und Edvin Revazov.

Yuka Oishi und Thiago Bordin von den "Jungen Choreografen" des Hamburg Ballett - John Neumeier.

Gibt es etwas, was sie wahnsinnig gerne einmal machen möchten, was sich aber mit dem Tanzberuf nicht verbinden lässt?

Ich fahre wahnsinnig gerne Ski. Leider verbietet mein Vertrag mir das - zu gefährlich. Dieses Jahr möchte ich außerdem unbedingt meinen Führerschein machen. Irgendwie habe ich ja schon Angst davor, ein Auto zu steuern und weiß eigentlich auch, dass ich eine Fahrerlaubnis in Hamburg nicht wirklich brauche. Aber als ich 18 war, hatte ich das Geld nicht und jetzt bin ich erwachsen und ist es einfach an der Zeit!

Gerade haben Sie einen Preis der Hamburgischen Staatsoper erhalten. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Irgendwie fühlt es sich gerade so an, als ob ich Choreografin werden müsste. Meinen Kopf kreativ zu nutzen erfüllt mich und macht mir Spaß. Nicht nur im Tanz - ich male auch gerne oder kreiere anderweitig. Manchmal mache ich wirklich komische Sachen und mein Freund guckt mich befremdet an, wenn er nach Hause kommt und mich in einem Stapel Zeitungen vorfindet.

Wie konnten Sie mit den Folgen des Erdbeben und Tsunami in Ihrer Heimat umgehen?

Ich spreche sehr viel mit meinen Verwandten. In den ersten beiden Wochen habe ich jeden Tag Nachrichten geschaut. Irgendwann habe ich damit aufgehört, es hat mich einfach zu traurig gemacht. Ich habe Japan noch nie in einem solchen Zustand gesehen. Als das Unglück passierte, begann ich gerade an meiner Choreografie zu arbeiten, die am 9. und 10. April im Schauspielhaus in Hamburg zu sehen ist. Ich habe meinen Weg gefunden, die Choreografie zu beenden und es ist für mich wie ein Gebet. Das ist es, was ich von hier aus tun kann: mein Talent und diese Gelegenheit nutzen, um für mein Volk zu beten. Am Ende meiner Kreation werde ich am Samstag und Sonntag die gesamte Compagnie auf die Bühne bitten, wo eine Kerze steht, um welche wir uns versammeln werden.

Aus der Gala.de-Redaktion:<br> Stefanie Behrens (behrens.stefanie@gala.de)

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