Wim Wenders: "Ich wollte Maler werden"

Bilder wie Gemälde, magische, menschenleere Orte: Der Filmregisseur Wim Wenders zeigt zum ersten Mal in Deutschland eine Sammlung seiner Fotografien

Wim Wenders

Wer Wim Wenders bei der Oscar-Verleihung beobachtet hat, weiß:

Der Deutsche ist in Hollywood ein Star, wird von Kollegen wie George Clooney, Martin Scorsese und Woody Allen hofiert. Schön war es auch zu sehen, wie lässig er es hingenommen hat, dass sein Dokumentarfilm "Pina" keinen Preis bekam. Mit derselben Nonchalance steht Wenders zwei Monate später in der Hamburger Sammlung Falckenberg, um seine Ausstellung großformatiger Fotografien zu eröffnen. Bilder, deren Stimmung an Filme wie "Paris, Texas" und "The Million Dollar Hotel" erinnern.

Berühmt sind Sie für Filme, also bewegte Bilder, als Fotograf aber halten Sie die Bilder fest. Ein entscheidender Unterschied, oder?

Filmregisseur und Fotograf sind zwar verwandte Berufe, aber die Tätigkeiten sind so verschieden, dass ich die beiden Seelen in meiner Brust inzwischen voneinander fernhalte: Wenn ich einen Film mache, schieße ich dabei keine Fotos, und wenn ich auf eine Fotoreise gehe, habe ich keinen Film im Hinterkopf. Außerdem eröffnet mir meine Fotografie eine fantastische Freiheit: Ich kann alles allein machen, da ist nie ein Assistent oder ein Team im Hintergrund, ich reise frei wie ein Vogel.

Warum sieht man auf Ihren Fotos keine Menschen?

Kaum steht da jemand im Bild, und sei es auch noch so fern, richtet sich die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters auf diese Person. Erst in einem menschenleeren Bild kann die Landschaft frei heraus erzählen. Ich verstehe mich bei meiner Arbeit als eine Art Interpret oder Dolmetscher - zwischen dem Ort und dem späteren Betrachter des Bildes.

"PLACES, STRANGE AND QUIET": Wim Wenders' Ausstellung in der Hamburger Sammlung Falckenberg läuft bis zum 5. August (nur nach Voranmeldung unter: www.sammlung-falckenberg.de)

Sind Sie als Fotograf sehr spontan?

Ich arbeite mit Geduld und Spucke. Manchmal ergibt sich ein Foto rasch, manchmal brauche ich Stunden, manchmal muss ich am nächsten Tag wiederkommen. Orte können launisch sein, auch stur, manchmal scheu, manchmal redselig. Da sind sie wie Menschen, wenn man ein Porträt machen will. Da kommt man auch nicht immer sofort an jemanden ran.

Viele Ihrer Fotografien erinnern an Gemälde, etwa an die des amerikanischen Malers Edward Hopper. Finden Sie Inspiration in der Malerei?

Ich wollte eigentlich immer Maler werden und habe das auch eine Weile studiert. Dann ist das Kino dazwischengekommen. Im Grunde habe ich viel mehr von der Malerei gelernt als von der Geschichte des Films oder der Fotografie. Edward Hopper ist in der Tat einer meiner großen Helden. Kaum einer hat unsere Großstädte und die Einsamkeit der Menschen darin so gemalt wie er.

Sammeln Sie Kunst?

Ich sammle Fotografie, vor allem alte Fotos, die ich in irgendwelchen vergessenen Kästen oder auf Flohmärkten finde. Ich besitze auch eine Sammlung von Gemälden der australischen Ureinwohner, der Aborigines. Vor allem aber sammle ich Steine. Was ich alles aus der ganzen Welt an Steinen in meinem Rucksack mit nach Hause geschleppt habe, das glaubt mir keiner. Stefanie Richter

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