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Vince Vaughn "Sein Kind zu lieben ist einfach großartig"


In Vince Vaughns neuer Komödie "Der Lieferheld" spielt er einen Samenspender, der plötzlich mit 142 seiner Sprösslinge konfrontiert wird. "Gala" sprach mit ihm über Vaterschaft und Jugendsünden

Hollywoodstar Vince Vaughn spielt in seinem neuen Film "Der Lieferheld" den liebenswerten Loser "David". Dieser hat Schulden bei der Mafia und seine schwangere Freundin will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Und dann holt ihn auch noch die Vergangenheit ein: Vor 20 Jahren bestritt er seinen Lebensunterhalt als potenter Samenspender. Jetzt wollen 142 seiner insgesamt 533 Kinder ihren biologischen Vater kennenlernen ...

Am 5. Dezember kommt die Komödie mit Vaughn und "How I Met Your Mother"-Star Cobie Smulders in den Hauptrollen in die deutschen Kinos. Privat ist Vince Vaughn im August gerade selbst zum zweiten Mal Vater geworden. Sein Frau Kyla brachte einen Sohn zur Welt, die beiden haben bereits Tochter Locklyn, fast drei. Gala sprach mit dem Schauspieler über Jugendsünden, Vaterschaft und seine notorische Technik-Aversion.

Sie haben einmal gesagt, wenn man Comedy richtig macht, dann bringt sie die Leute zusammen und versöhnt. Fällt dieser Film auch in diese Kategorie?

Dieser Film hat definitiv etwas, was dazu führt, dass sich die Leute mehr verbunden fühlen. Aber das ist immer so, wenn man in der Lage ist über Dinge zu lachen. Wenn Sachen zu wichtig werden, um über sie lachen zu können, dann macht das schlechte Gefühle. Egal, was die Situation ist - mit ein bisschen Gelächter wird alles einfacher.

Sie spielen den Samenspender "David" so liebenswert, dass man ihm regelrecht verzeihen muss und die Daumen drückt für ein Happy End.

Ich glaube nicht, dass man ihn hassen sollte. Er ist ein aufrichtiger Typ. Er versucht nur, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Es ist eine interessante Periode in seinem Leben, wo er sich "Erwachsenen"-Sachen stellen muss.

Es ist also ok, im Leben Mist zu bauen?

Ab dem 5. Dezember im Kino: Vince Vaughn und Cobie Smulders in "Der Lieferheld".
Ab dem 5. Dezember im Kino: Vince Vaughn und Cobie Smulders in "Der Lieferheld".
© 2013 Constantin Film Verleih GmbH

Das hoffe ich doch. So ist das Leben nun mal - und manchmal, wenn Dinge schief gehen und immer nur schlimmer werden, dann lernt man doch am meisten. So lernt doch jeder wie man beim nächsten Mal alles besser machen kann.

Was ist der beste dumme Fehler den Sie selbst in Ihrem eigenen Leben gemacht haben?

Ich weiß nicht. Ich bin der Meinung, dass man aus allem lernt. Egal ob es Beziehungen sind oder Arbeit oder Entscheidungen, die man trifft. Das wichtige ist: Wenn man sich in solchen Situationen sein eigenes Verhalten anschaut, dann kann man bessere Entscheidungen in der Zukunft treffen. Manchmal scheint es am einfachsten, anderen die Schuld zu geben. Aber in Wirklichkeit ist das einzige, worüber man Kontrolle hat, das eigene Verhalten.

Aber manchmal ist es im Leben so, dass wenn man das Richtige tun will ...

... macht es keinen Spaß!

Oder es verlangt eine Menge Mut.

Ja das ist richtig. Aber manchmal kann man keinen Schritt vorwärts machen, wenn man mit sich selbst zu streng ist. Manchmal muss man einfach mit Optimismus nach vorne schreiten. Es ist sehr hilfreich, im Leben Humor zu haben. Man darf sich nicht alles so schwer machen.

Warum spielen Sie eigentlich so gerne den schludrigen liebenswerten Typen?

Vielleicht liegt es daran, dass ich meine Karriere mit "Swingers" angefangen habe. Vielleicht habe ich danach einfach zu oft versucht das Gegenteil zu verkörpern. Was ich in meinen jungen Jahren gedreht habe, war definitiv cooler und wie es im Buche steht. Aber man geht einfach durch bestimmte Themen, die einen interessieren. Ich analysiere das nicht zu sehr.

Was ist der ungewöhnlichste Job, den Sie selbst je gemacht haben, um sich als angehender Schauspieler über Wasser zu halten?

Ich habe viele komische Jobs gemacht, aber niemals Samen gespendet. Ich war Bademeister. Ich habe in einem Box-Studio gearbeitet, war Verkäufer. Nichts davon habe ich lange durchgehalten, weil es mir immer wichtiger war meine Schauspielkarriere voranzutreiben. Meine Chefin im Schwimmbad hat mich gefeuert, weil ich zu oft zu spät gekommen war.

David will ein besserer Mann werden, als er erfährt, dass er Vater wird. Können Sie das nachvollziehen?

Dadurch fängt er an, sich selbst zu akzeptieren. Sich selbst zu mögen. Er sagt: Das ist mein Leben. Es mag ein wenig komisch sein und ein wenig zu groß, aber das ist wer ich bin.

Hat das Vater sein auch Sie zu einem anderen Mann gemacht?

Meine Prioritäten haben sich verändert. Aber es war wirklich etwas, was ich mir gewünscht habe. Ich war begeistert, Vater zu werden. Die Interessen im Leben ändern sich, wenn man älter wird. Ich bin dankbar, dass ich meine jungen Jahre gehabt habe. Die Zeit, in der ich Single war und eine Menge Spaß hatte. Das war eine tolle Erfahrung. Ich bin immer noch die gleiche Person, aber ich verbringen meine Zeit auf andere Art und Weise. Eine erfüllendere. Heute bin ich genau da wo ich sein will. Und ich genieße das wirklich sehr.

Was genießen Sie selbst am meisten daran, Vater zu sein?

Die größte Sache ist, jemanden zu haben den man lieben kann. Ein Kind lieben zu können ist einfach großartig.

Unterscheidet sich die Liebe für Ihre Kinder von der Liebe zu ihrer Frau?

Natürlich. Es ist alles Liebe, aber es ist auch sehr verschieden. Ich liebe meine Eltern sehr, meine Schwestern. Aber mit allen es ist eine einzigartige Beziehung.

Warum tweeten Sie eigentlich nicht?

Twitter ist eine tolle Sache, um Information an den Mann zu bringen und Leute wissen zu lassen, was abgeht. Aber ich betrachte mich als Schauspieler und wollte niemals diese Art von Beziehung mit dem Publikum. Für mich ist es so: Ich gehe los und spiele eine Rolle. Es ist toll, anschliessend drüber zu sprechen. Aber ich will keine Marketingabteilung sein.

Sie sind sehr Technik-aversiv. Haben sie sich inzwischen ein Mobiltelefon angeschafft?

Ich habe jetzt eines, nachdem ich mich lange Zeit dagegen gewehrt habe. Ich bin keine Technik-Person.

Ist es ein Smartphone?

Nein, es ist nur ein Apple. Meine Frau hat es mir zum Vatertag geschenkt.

Sie meinen ein iPhone? Das ist ein Smartphone!

Oh, wirklich? Dann habe ich heute etwas gelernt.

Anna-Barbara Tietz

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