Viktoria Tolstoy: Mode und Meer

Die schwedische Jazzsängerin Viktoria Tolstoy setzt sich beim Modeshooting auf dem neuen Luxusliner "Europa 2" spektakulär in Szene

Viktoria Tolstoy

Diesen Novembermorgen werden die Werftarbeiter im westfranzösischen Saint-Nazaire nie vergessen.

Nicht weil es so herrlich sonnig ist, sondern weil plötzlich eine atemberaubende Blondine im Designerkleid und mit zehnköpfiger Entourage auf dem Oberdeck der "Europa 2" auftaucht. Zwischen Stahlpfeilern, Eisengerüsten und Wasserpfützen posiert die schwedische Jazzsängerin Viktoria Tolstoy beim exklusiven "Gala"-Modeshooting auf der Baustelle des neuen Kreuzfahrtschiffs von Hapag-Lloyd. "Ich war die Einzige, die keinen Bauhelm tragen musste. Der hätte ja meine Friseur ruiniert", sagt die 38Jährige später über den "aufregendsten Fototermin" ihrer zwanzigjährigen Karriere. 2014, ein Jahr nach der Schiffstaufe, wird Viktoria Tolstoy mit der "Europa 2" in See stechen. In der Jazzlounge soll sie zwei Wochen lang die Passagiere unterhalten. Ein Glück also, dass ihr ein bisschen Wellengang nichts ausmacht, wie sie im "Gala"-Gespräch verrät.

Viktoria trägt ein perlgraues Abendkleid mit Fledermausärmeln, von Viktor & Rolf. Lurexparka mit Frackelementen, von Jean Paul Gaultier. Ledercollier mit bunten Steinen, von Chaingang. Strasskette von Gabriele Frantzen.

Frau Tolstoy, sind Sie eigentlich seefest?

Ja, zum Glück. Mir macht das Schaukeln nichts aus. Im Gegenteil, es hat etwas Beruhigendes und entspannt mich. Daher mache ich mir wegen meines Engagements auf der "Europa 2" überhaupt keine Sorgen.

Haben Sie schon mal Konzerte auf einem Schiff gegeben?

Nicht in dieser Größenordnung. Ich hatte auf kleineren Schiffen Auftritte, während wir für ein paar Tage durch Skandinavien schipperten. Aber mit der "Europa 2" zu touren, das ist schon etwas anderes. Zwar steht die Route noch nicht fest, aber wir werden wohl zwei Wochen unterwegs sein, und ich habe drei bis vier Auftritte pro Woche. Ich nehme meine Familie mit und wir werden die Gelegenheit nutzen und gleich Urlaub machen.

Ihr Mann ist ja praktischerweise auch Ihr Schlagzeuger ...

Ja, das ist wirklich von Vorteil. (lacht) Wir haben einen vierjährigen Sohn zusammen, und mein Mann bringt noch seine beiden anderen Kinder mit. Außerdem ist ja meine Band dabei, mit der ich auf Tour immer sehr viel Spaß habe. Es wird sicher eine tolle Reise.

Abendrobe von Rochas, bronzefarbener Lurex-Trenchcoat von Jean Paul Gaultier.Ohrhänger von Chaingang, Armband von Juicy Couture, über www.stylebop.com.

Auf unseren Bildern tragen Sie opulente Abendroben. Ein Vorgeschmack auf Ihre Bühnenoutfits?

Oh nein. Ich bin überhaupt nicht so ein Typ, der sich für seine Auftritte auffällig kleidet. Die Kleider sind wunderschön und sehr exklusiv, aber im normalen Leben könnte ich sie niemals tragen, weil sie für mich leider zu unpraktisch sind. Ich bewege mich viel auf der Bühne auch tanze auch gern, daher würde ich wahrscheinlich ständig über den Rocksaum stolpern. Und mit den hohen Schuhen könnte ich mich keinen Millimeter vom Mikrofon entfernen, weil ich sonst umkippen würde. Ganz abgesehen davon, hat man mit solchen Kleidern ganz schön viel Reisegepäck.

Mit wie viel Gepäck sind Sie denn in der Regel unterwegs?

Ich trage auf der Bühne gern kurze Kleidchen und die passen in den kleinsten Koffer. Ein schlichtes schwarzes Kleid, kombiniert mit einem schönen Schmuckstück, einem großen Armband oder einer langen Kette - mehr brauche ich nicht. Auch privat ziehe ich mich eher schlicht an. Jeans, T-Shirt oder Pulli, ganz relaxed.

Viktoria Tolstoy für Gala

Viktoria Tolstoy für Gala

Links: Leo Tolstoi - Viktorias Ururgroßvater (1928 - 1910) schrieb unter anderem "Krieg und Frieden" und "Anna Karenina", zwei Klassiker der Weltliteratur. Rechts: Seit gut 20 Jahren ist Viktoria Tolstoy als Jazzmusikerin erfolgreich. Auf ihrem aktuellen Album "Letters To Herbie" interpretiert sie Songs ihres Idols Herbie Hancock.

Sie heißen mit bürgerlichem Nachnamen Kjellberg. Warum nennen Sie sich Viktoria Tolstoy?

Der Urgroßvater meiner Mutter ist der russische Schriftsteller . Als meine Eltern sich scheiden ließen, nahm meine Mutter ihren Mädchennamen wieder an. Ich war damals gerade 18 Jahre alt und stand am Beginn meiner Karriere. Also entschied ich mich, Tolstoy (die englische Form von , Anm. d. Red.) zu meinem Künstlernamen zu machen. Ich war mir damals über die Strahlkraft des Namens noch gar nicht bewusst. Gerade zu Beginn meiner Karriere wurde ich nonstop darauf angesprochen, und überall, wo ich auftauchte, wurden die Bücher meines Ururgroßvaters gelobt.

Wie kommt es, dass Ihre Mutter, eine Schwedin, die Urenkelin eines russischen Schriftstellers ist?

Einer von Leo Tolstois Söhnen war schwer krank und wurde deshalb zu einem Spezialisten nach Schweden geschickt. Tolstois Sohn verliebte sich in die Tochter des Arztes und blieb gleich dort. Klingt doch wie aus einem Tolstoi-Roman, oder?

So ein großes Erbe kann ja auch eine Bürde sein. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin sehr stolz darauf. Das Werk von Leo Tolstoi genießt weltweit ein sehr hohes Ansehen. Er ist in meinen Genen, und das fühlt sich besonders an. Ich habe in jüngster Zeit öfter mit dem Gedanken gespielt, zu Textpassagen aus seinen Büchern Songs zu komponieren. Ich bin übrigens nicht die Einzige, die seine Kreativität geerbt hat. In unserer Familie gibt es sehr viele Maler, Tänzer, Schauspieler.

Wie sehr fühlen Sie sich Russland verbunden?

Ich bin in Schweden geboren und aufgewachsen, daher fühlte ich mich lange Zeit durch und durch als Schwedin. Erst in den vergangenen zehn Jahren, nachdem ich Russland häufiger besucht habe, dort aufgetreten bin und natürlich auch die Ursprünge meines Ururgroßvaters erkundet habe, entstand eine Nähe zu Russland. Ich habe seinen Geburtsort und sein Grab in Jasnaja Poljana besucht, war mehrfach in Moskau und St. Petersburg, habe dort Konzerte gegeben. Auf meinem Album "My Russian Soul" finden sich Interpretationen von russischer Musik, zu der ich einen ganz besonderen Bezug habe. Vor allem Tschaikowsky hat mich fasziniert.

Der bekannte Tolstoi-Roman "Anna Karenina" kommt jetzt mit Keira Knightley und Jude Law in die Kinos. Warum ist das Werk bis heute immer noch so beliebt?

Weil es darin um die Liebe geht und welche Macht sie hat. Das ist ein zeitloses Thema, hat die Menschen schon immer beschäftigt. Auch mich berührte "Anna Karenina" zutiefst. Ich kann es kaum erwarten, den Film zu sehen.

Annette Utermark

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