Veronica Ferres: "Zu Hause habe ich die Hosen an"

Mit "Unter deutschen Betten" kehrt das Superweib in die Kinos zurück. Warum ihr nicht mehr wichtig ist, was andere über sie denken, verrät sie exklusiv in GALA

Die Sonne knallt auf das Dach eines alten Wohnwagens, der am Straßenrand direkt neben einem Supermarkt parkt. Wir sind in einem Vorort von München. "Hey, komm doch rein", ruft Veronica Ferres, 51, und begrüßt uns auch bei schwülen 28 Grad mit einem gewinnend-fröhlichen Lächeln in ihrem Garderobenwagen. Die Luft riecht hier nicht nach Champagner, sondern nach Pflaster und Wundheilsalbe – 33 Drehtage zu "Unter deutschen Betten" (ab Sommer 2017 im Kino) waren mitunter strapaziös.

Eine Nacht lang in einer Hundeklappe festsitzen (und der Hund interessiert sich brennend für das Hinterteil der Protagonistin ... na, Sie können es sich denken) oder 20-mal hintereinander von einer drei Meter hohen Mauer plumpsen, bis die Szene endlich sitzt. So ein Einsatz hinterlässt blaue Flecken, Schürfwunden und sogar bleibende Narben, erzählt uns die Schauspielerin.

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©RTL / Gala

Vor sechs Jahren schon hatte sich Veronica Ferres die Rechte am Buch gesichert, ist Produzentin und Hauptdarstellerin zugleich. In der Komödie steigt sie vom Musik-Star zur Reinigungskraft ab und muss schrubben gehen. Eine Rolle, die nicht nur lustig ist, sondern auch nachdenklich macht. Im Interview mit GALA spricht Ferres offen darüber, was sie heute über das Showbusiness denkt, warum sie längst nicht mehr von jedem gemocht werden möchte – und wie das Familienleben abläuft.

Frau Ferres, wer darf Sie kritisieren?

Jeder! Ich habe eine persönliche Assistentin, die frage ich oft: "Sag mal, wie findest du das denn, was könnte ich besser machen?" Und ich bekomme und erwarte da auch immer eine ehrliche Antwort. Aber es dürfte jetzt nicht der Fahrer kommen und mir sagen: "Du, spiel das mal anders!" Das ginge nicht.

In "Unter deutschen Betten" spielen Sie die Rolle der Schlager-Diva Linda, die es mit einem einzigen Lied zu Berühmtheit gebracht hat. Danach kommt ihre Karriere nicht mehr in Gang und ein groß angelegtes Comeback endet katastrophal. Kennen Sie das Gefühl zu scheitern?

Also Zweifel gibt's immer wieder, auch hinterfrage ich viel. Ich denke, das ist ganz normal. Aber Momente, in denen ich wirklich dachte: "Mensch, es geht nicht mehr weiter", die gab es nie. Bei allem, was ich tue, ist sowieso immer eine große Neugierde dabei.

Mit Schauspielerin Veronica Ferres ist Maschmeyer seit September 2014 verheiratet

Wie war Ihr Anfang als Schauspielerin?

Ich habe zum ersten Mal in meiner Theater AG in Solingen auf der Bühne gestanden. Nach dem Abitur habe ich Theaterwissenschaften, Germanistik und Psychologie an der Uni München studiert und später eine Schauspiel-Ausbildung absolviert. Mit Anfang 20 kam dann schon "Schtonk" (Filmsatire von 1992 mit Götz George, Harald Juhnke, Uwe Ochsenknecht; Anm. der Red.), und wir wurden für den Oscar nominiert.

Wie organisieren Sie Beruf, Alltag, Ihre Familie – und vor allem auch Ihre Ehe?

Indem ich großartige Leute um mich herum habe. Ich habe eine ganz tolle Familie. Beruflich und privat. Ich hab nur die Besten von den Besten um mich. Und ich bin sehr gut strukturiert, obwohl ich manchmal auch ein kleines Chaoskind sein kann. Dafür gibt es aber dann auch Renate aus Niederbayern, eine wunderbare Frau, die mich zu Hause unterstützt und sogar auch mal Apfelkuchen für mich und meine Familie backt.

Und wie sieht ein typischer Morgen bei Ihnen zu Hause aus?

Wochentags stehe ich sehr früh auf und mache Frühstück, dann bringe ich meine Tochter zum Bus und fahre entweder in mein Büro oder, wenn ich drehe, dann eben ans Set.

Wie lange können Sie und ihr Mann, der Unternehmer Carsten Maschmeyer, denn voneinander getrennt sein, ohne zu leiden?

Das Maximum ist von Montag bis Donnerstag oder Dienstag bis Freitag. Dann wollen wir wieder zusammen sein.

Ihr Ehemann startet gerade eine erfolgreiche TV-Karriere als Juror in "Die Höhle der Löwen". Sind Sie jetzt plötzlich Konkurrenten?

Ich bin sprachlos, wie positiv die Medien das aufgreifen, seine Arbeit anerkennen und darüber schreiben. Auch dass er die Quote nach oben gejagt hat. Er hat das verdient. Carsten macht in "Die Höhle der Löwen" das, was sein Beruf ist. Menschen und Unternehmen analysieren und bestenfalls zusammenbringen, das macht er großartig. Mit meinem Beruf hat das alles aber wirklich rein gar nichts zu tun. Künstlerisch einen Text zu interpretieren oder einer anderen Person Leben einzuhauchen, das ist die Arbeit eines Schauspielers und Künstlers. Das ist etwas ganz anderes und nicht seine Profession.

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Gab es Quoten-Diskussionen?

Ich hatte schon die Besorgnis, dass Vox plötzlich gegen meinen "Lena Fauch"-Film im ZDF sendet. Ich hatte dort mit meinem Film am Montag den Quotenrekord und er mit "Die Höhle der Löwen" am Dienstag. Das war toll, aber es wäre sicher unentspannt geworden zwischen meinem Mann und mir, wenn wir am gleichen Abend gelaufen wären.

Haben Sie eigentlich getrennte Kassen?

Ja, das haben wir! Das war bei mir aber immer schon so. Ich habe genügend Arbeit, Gott sei Dank, und damit auch genügend Unabhängigkeit. Das ist ein gutes Gefühl.

Wer hat bei Ihnen zu Hause die Hosen an?

Ich! (lacht)

Wer braucht morgens länger im Bad?

Ich brauche nicht länger im Bad als mein Mann, das ist Fakt.

Und wer knipst morgens die Kaffeemaschine an?

Ich stehe wirklich sehr früh auf und mache Kaffee, Carsten trinkt aber eh nur Tee.

Es sieht so aus, als sei Ihr Leben gerade auf ganzer Linie ein Erfolg. Können Sie Ihr Glück überhaupt fassen?

Ehrlich? Ich bin demütig geworden. Ich habe auch andere Zeiten erlebt. Ich bin dankbar dafür, dass es jetzt gerade so ist, wie es ist, und ich weiß auch, dass es jederzeit wieder anders kommen kann. Aber ich genieße das Jetzt ganz einfach.

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Demut ist auch ein Thema in Ihrem Film. Mit Linda will niemand mehr etwas zu tun haben, weil sie andere wie Menschen zweiter Klasse behandelt hat. Am Ende hält nur noch ihre Putzfrau zu ihr. Was verbindet Sie mit Ihrer Rolle?

Ja, Justyna sieht als Einzige das Elend ihrer ehemaligen Chefin. Mein Film-Mann Heiner Lauterbach verlässt mich ja in einer spektakulären Szene: "Du bist 20 Jahre zu alt und fünf Kilo zu dick für den Musikmarkt." So was muss ich mir da anhören und natürlich auch, dass da längst eine Jüngere in den Startlöchern hockt. Diese Texte habe ich mir übrigens selbst auf den Leib geschrieben. Linda ist am Boden zerstört, lernt aber in genau dieser Lebensphase wieder Mensch zu sein. Die Rolle hat eine ganz große Selbstironie. Ich kenne das Showbusiness ja auch schon lange, und ich beobachte mich und meine Branche sehr kritisch. Auch wie die Branche generell mit Menschen umgeht. Da steckt schon auch viel Wahres in dem Film.

Man spürt, dass Sie sich über die Jahre von vielem befreit haben, zum Beispiel auch von den Meinungen anderer. Wie lautet Ihre Glücks-Formel?

Ich mache gerade sehr viel Sport, und die Endorphine, die ich dabei ausschütte, verleihen mir regelrecht Flügel. Ich könnte gerade jeden umarmen. Ich habe mich nie besser gefühlt. Und ich muss sagen, ich habe heute viel weniger Ängste als früher, das hat auch mit dem Tod beider Eltern zu tun. Es ist mir nicht mehr wichtig, was andere über mich reden oder über mich denken, dafür ist mir meine Lebenszeit viel zu wertvoll. Ich muss auch nicht mehr auf jeder Hochzeit tanzen, und ich muss auch nicht mehr von jedem gemocht werden. Ich möchte mit Menschen zusammenarbeiten, die mir etwas bedeuten. Ich habe auch mittlerweile gelernt zu delegieren und Kontrolle abzugeben. Auch das erleichtert vieles.

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