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Ursula Karven "Ich stelle keine Warum-Fragen mehr"

Ursula Karven
© Picture Alliance
Ihre Liebe lebt sie heute als Fernbeziehung, und auch ihren Kindern erlaubt sie Distanz: Ursula Karven erzählt, wie sie ihr Glück gefunden hat

Die Lobby des "Kempinski" am Ku’damm. Bei ihrer Ankunft hat Ursula Karven erst mal den Kunstsammler Heiner Pietzsch begrüßt, er wohnte früher in ihrer heutigen Berliner Wohnung. Kaum hat sich die Schauspielerin gesetzt, kommt Maria Furtwängler zur Tür herein. Noch mal Small Talk und Lachen. Ursula Karven ist angekommen in Berlin, in Deutschland. Ihre Jahre auf Mallorca, sagt sie, seien für einen kulturell interessierten Menschen am Ende doch eher langweilig gewesen ... Sie nippt an ihrer Cola - kein Eis, kein light - und ist bereit für die großen Themen des Lebens.

Ihr neuer Film heißt "Wer liebt, lässt los". Müsste es bei der Geschichte nicht eher heißen: Wer verlassen wird, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als loszulassen?

Das kann man sehen, wie man will, aber bei den großen emotionalen Situationen des Lebens muss man sich immer wieder fragen: Wie sehr kann mir ein Mensch überhaupt gehören? Luise, die ich im Film spiele, merkt: Wenn sie klammert, wenn sie sich emotional verschließt und hart wird, dann verletzt sie die Kinder, ihren Noch-Mann - und vor allem sich selbst. Darum blickt sie nach vorn und erhält sich ihre Weichheit. Für mich ist sie damit ein absolutes Vorbild. Es ist wichtig, dass man lernt, in bestimmten Situationen Dinge oder Menschen loszulassen. Egal wie schwer es zunächst fällt.

Das gilt auch bei Ihren heranwachsenden Kindern?

Absolut. Man zieht sie groß, und irgendwann kommt der Moment, in dem eine natürliche Distanz entsteht, die auch für den "jungen Erwachsenen" wichtig ist. Da muss ich mir dann sagen: Im Grunde bin ich als Mutter vor allem Liebes- und Servicestation. Das einzusehen ist sehr schwer, als Mutter eines 18-Jährigen weiß ich das aus eigener Erfahrung. Loslassen ist eine Lebensaufgabe.

Wie gehen Sie persönlich mit schwierigen Lebenssituationen, mit Schicksalsschlägen um?

Wir alle haben ein Schicksal zu schultern. Und unsere Aufgabe ist es, nicht am Schicksal zu zerbrechen, sondern zu wachsen. Wir müssen uns Widrigkeiten stellen und schauen, dass wir irgendwie glücklich werden. Mehr ist das Leben letztlich nicht.

Das klingt sehr abgeklärt. Waren Sie immer so gelassen?

Nein! Ich war sogar weit davon entfernt. Mit dem Alter bin ich sicherlich souveräner geworden. Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich im Ernstfall jemals so ruhig bleiben würde, wie ich nun rede. Ich weiß aber auch: Es wäre der einzig richtige Weg.

Haben Sie Lebensregeln, die Ihnen helfen, die Ruhe zu bewahren?

Ich stelle mir zum Beispiel keine Warum-Fragen mehr: "Warum ich? Was wäre, wenn?" Nach hinten zu gucken und sich selbst zu bemitleiden bringt doch nichts. Ich weiß, dass einen eine Trennung komplett aus dem Leben reißen kann. Genau deshalb ist es so wichtig, bewusst zu leben. Ich will mich nicht irgendwie durchlavieren, sondern so leben, wie ich es für mich als richtig empfinde. So wie ich es entscheide.

Und wie schaffen Sie das?

Ich spreche mit mir selber - jeden Morgen auf der Yoga-Matte. Das fällt mir nicht immer leicht, einen guten Teil der Zeit würde ich sogar am liebsten reinbeißen, so anstrengend ist das. Trotzdem mache ich es, weil ich das Haus anders verlasse, wenn ich schon eine gewisse Zeit bewusst geatmet und mich auf mich fokussiert habe. Ich handle dann eher aus mir selber heraus, statt mich von den Einflüssen der Umwelt hin- und herschubsen zu lassen.

Wie pflegen Sie Ihre Beziehung mit Ihrem Freund Mats Wahlström?

Eine Beziehung, wie ich sie heute lebe, hätte ich früher nicht gewollt. Wir führen ja eine Fernbeziehung: Ich lebe in Berlin, er in Verbier in der Schweiz und in Schweden, wo sein Sohn lebt. Ich bin häufig unterwegs, er ebenfalls. Wir sehen uns deshalb nur ungefähr alle zehn Tage. Mindestens einmal im Monat setzen wir uns zusammen und holen unsere Kalender raus: Wann können wir uns wo in den kommenden sechs Wochen sehen? Vom organisatorischen Aufwand mal abgesehen - eine Liebe so zu leben hätte meiner Philosophie früher nicht entsprochen. Damals habe ich gedacht, wenn ich schon das Glück habe, einen Mann zu haben, den ich liebe, dann will ich ihn auch dahaben! (lacht)

Was hat sich seitdem geändert?

Ich bin in einer Phase meines Lebens, wo ich diese Situation besser annehmen und einer Fernbeziehung auch Positives abgewinnen kann. Ist es leicht? Nein. Muss ich öfter loslassen? Mit Sicherheit. Muss ich mit einer gewissen Einsamkeit und einem Mangel an gemeinsam verbrachtem Alltag zurechtkommen? Absolut. Auf der anderen Seite habe ich eine große Freiheit. Es ist für mich eine sehr erwachsene Beziehung.

Und wie funktioniert die konkret?

Wir telefonieren, skypen, mailen. Wir sind eigentlich immer miteinander verbunden. Anders ginge es auch gar nicht. Aber es ist eine Beziehung, bei der ich mich von vielen Dingen verabschieden musste, die ich mir als junge Frau vorgestellt habe. Auf der anderen Seite habe ich viel dazugewonnen, von dem ich nichts wusste. Und das funktioniert ja nun auch schon seit fünf Jahren sehr gut.

2010 waren sie vorübergehend getrennt. Sie sagten damals sinngemäß, dass gerade Mats’ Freiheitsdrang ein Problem geworden war. Was hat sich da geändert?

Eine kleine Bewusstseinserweiterung, würde ich sagen. (lacht)

Wer ist zu wem zurückgekommen?

Ach, da will ich gar nicht ins Detail gehen. Aber rückblickend war es damals gut, einmal innezuhalten. Wir haben geprüft: Sind wir gemeinsam glücklicher - oder allein? Und wir haben gemerkt: Ohne den anderen wollen wir nicht sein. Damit gehen wir jetzt bewusster um.

Ist er ein Mann, den sie heiraten wollen?

Ich will das nicht kategorisch ausschließen, denn ich liebe diesen Mann sehr. Im Moment ist es aber nicht nötig. Ich glaube nicht mehr daran, dass die Ehe der größtmögliche Ausdruck von tiefster Verbundenheit ist. Bei uns ist alles okay, so wie es ist. Ich weiß aber nicht, was passiert, wenn er in den Ausfallschritt geht und mich fragt.

Alexander Stilcken

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