VG-Wort Pixel

Til Schweiger "Ich lasse mich nicht einschüchtern!"


Exklusiv in GALA spricht der Filmstar über seine Stiftung für traumatisierte Kinder und sein Engagement für Flüchtlinge

Streitbar ist er, das hat Til Schweiger in den letzten Wochen bewiesen. Als sich der Schauspieler in die Flüchtlingsdebatte einbrachte, hagelte es sofort Kritik – doch er ließ sich nicht beirren und fand inzwischen starke Mitstreiter für seine Mission. Im Gespräch mit GALA erklärt er, wie er konkret helfen will. Und er nimmt Stellung zu seinen Kritikern. Ein hoch motivierter Kämpfer für mehr Humanität, der sich nicht von seinem Weg abbringen lässt. 400000 Euro hat er bereits für seine Stiftung gesammelt. Das soll erst der Anfang sein.

Glückwunsch! Letzte Woche haben Sie die "Til Schweiger Foundation" gegründet. Können Sie etwas zu den geplanten Inhalten sagen?

Wir sind nach dem Gründungstermin direkt mit vier Lieferwagen zum Hamburger Auffanglager an der Schnackenburgallee gefahren und haben Eis verteilt. Es war total schön zu sehen, wie die Kinder – und auch die Erwachsenen – sich darüber gefreut haben.

Darum geht es uns ja auch: kleine Lichtblicke zu schaffen. Es ist eine Stiftung für traumatisierte Kinder, die ich schon lange gründen wollte. Die Flüchtlingsthematik hat dem Ganzen nur noch eine andere Dimension gegeben.

Wie haben Sie den Besuch erlebt?

Es war traurig zu sehen, wie beengt die Menschen dort leben. Einige seit einem Jahr! Wir haben in Deutschland viel zu wenig Unterkünfte für Flüchtlinge.

Für Ihre Stiftung konnten Sie ganz unterschiedliche Mitstreiter gewinnen – Jan- Josef Liefers ist dabei, Thomas D., Jogi Löw, Sigmar Gabriel. Sind diese Persönlichkeiten auf Sie zugekommen?

Thomas D. und Jan Josef Liefers sind auf mich zugekommen. Die anderen habe ich angefragt, und es hat nicht länger als zwei Minuten gedauert, sie zu überzeugen. Als wir vergangene Woche beim Deutschen Stiftungszentrum waren, sagte man mir, dass man das noch nie erlebt habt, wie sich ein so hochkarätiger Beirat in so kurzer Zeit zusammenfinden konnte.

Wie soll die Arbeit der Stiftung aussehen?

Wir werden verschiedene Projekte unterstützen, die das Leben in Flüchtlingsunterkünften lebenswerter machen. Zum Beispiel werden wir den Bau von Sportplätzen, Fahrradwerkstätten oder Schneidereien finanzieren. Zunächst kümmern wir uns um ein Heim in Osnabrück. Die Idee dazu kam von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, als klar wurde, dass es mit dem Bau des Heims in Osterode, das wir ursprünglich im Blick hatten, noch dauern würde. Wir werden aber in Zukunft auch Projekte unterstützen die nichts mit Flüchtlingen zu tun haben. Traumatisierte Kinder gibt es in Deutschland jede Menge.

Sie sprachen das geplante Heim in Osterode an."Schweiger baut Vorzeigeunterkunft" hieß es erst, dann, Ihre Partner seien nicht seriös. Können Sie uns ein Update zu diesem Thema geben?

Ich weiß nicht, inwieweit ich selbst daran schuld bin, weil ich sagte, wir wollen ein Vorzeigeheim bauen. Fakt ist, dass ich nie behauptet habe, ich wolle der Bauträger werden. Die Medien haben das völlig falsch rübergebracht, und das finde ich einfach unlauter. Das ist ein bisschen wie damals, als ich nach Amerika gegangen bin, weil meine Frau das wollte (Dana Schweiger ist US-Amerikanerin; Anm. d. Red.).

Nach meiner Rückkehr schrieben alle: "Schweiger ist in Hollywood gescheitert." Aber damals habe ich ja auch nicht behauptet, ich wolle Tom Cruise in den Hintern treten und der berühmteste Schauspieler der Welt werden. Es war auch bei meinem Engagement jetzt immer klar, dass ich nur helfend unterstützen werde. Wer das Heim erwirbt, wo der ursprüngliche Bauträger abgesprungen ist, müssen wir abwarten. Aber ich stehe zu meinem Wort.

Verletzt es Sie, solche Berichte zu lesen?

Nein, es verletzt mich nicht, aber ich ärgere mich darüber. Anstatt anzuerkennen, dass jemand etwas Positives tut, wird alles schlecht gemacht, teilweise mit haltlosen Unterstellungen. Gerade von Menschen, die gebildet sind und eigentlich moralisch auf der richtigen Seite stehen sollten, erwarte ich etwas anderes.

Sie sind ein Vorreiter, wenn es darum geht, öffentlich Stellung zu beziehen, auch mit klaren Worten. Warum, glauben Sie, tun das so wenig andere Prominente?

Ich sag es mal ganz vorsichtig: Wenn jemand sieht, was mir alles um die Ohren gehauen wird, bleibt er vielleicht lieber ruhig und hilft aus dem stillen Kämmerlein. Ich habe viele Anfragen von Leuten bekommen, die Geld spenden wollen. Die öffentliche Stimmung in Deutschland hat sich leider gedreht:

In den Neunzigerjahren haben noch viele Prominente ihre Stimme erhoben, heute traut sich kaum mehr einer, aus Angst, auf die Fresse zu bekommen. Das ist schade.

Es gab gerade wieder einen versuchten Anschlag auf Ihr Haus. Lassen Sie sich von so etwas einschüchtern ?

Nein, ich lasse mich nicht einschüchtern, ich gehe meinen Weg.

Sie haben sich öffentlich über Politiker beklagt, die sich nur halbherzig für Flüchtlinge einsetzen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière wies dies in der "Bild am Sonntag" scharf zurück. Stehen Sie noch zu Ihrer Aussage?

Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe. Ich habe noch keinen führenden Politiker gehört, der laut die Stimme erhebt. Wir haben gerade eine ganz schlimme Situation in Deutschland, das darf nicht im parteipolitischen Diskurs untergehen. Wir haben lange genug Banken gerettet, jetzt ist die Zeit für Menschlichkeit gekommen!

Wie bringen Sie Ihren Kindern Ihr Ideal von sozialer Gerechtigkeit nahe?

Das muss ich gar nicht, meine Kinder haben das Herz auf dem rechten Fleck. Eine meiner Töchter war auch bei unserem Besuch im Auffanglager in Hamburg dabei, weil sie sich vor Ort ein Bild von der Lage der Flüchtlinge machen wollte. Das ist ihr sehr nahe gegangen.

Wie können unsere Leser Ihre Stiftung unterstützen?

Wir sind gerade dabei, mit einer stillgelegten Stiftung zu fusionieren, um möglichst schnell ein Spendenkonto einrichten zu können. Sobald es so weit ist, gebe ich GALA Bescheid!

Anne Meyer-Minnemann Hili Ingenhoven Gala

Mehr zum Thema


Gala entdecken