Teresa Enke im GALA-Interview: "Ich darf das Glück auch zulassen"

Teresa Enke spricht in GALA über ihr neues Leben – sieben Jahre nach dem Tod ihres Mannes, Fußballstar Robert Enke

Teresa Enke

Der Händedruck ist fest. Teresa Enke, 40, lächelt bei der Begrüßung, schaut der GALA-Redakteurin direkt in die Augen. Ausweichen war noch nie ihre Sache. Selbst in den schwersten Stunden nicht. Ihr Mann, Nationaltorhüter Robert Enke, nahm sich im November 2009 mit 32 Jahren das Leben. Drei Jahre zuvor war die gemeinsame Tochter Lara an einem Herzfehler gestorben. Teresa Enke geht auf ihre persönliche Weise mit der Trauer um: Als Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung setzt sie sich für die Aufklärung über die Volkskrankheit Depression ein, und sie unterstützt herzkranke Kinder.

Ihr neues privates Leben in Köln hütet sie wie einen Schatz. Im GALA-Interview erzählt sie, wie schwer es ist, das Glück wieder zuzulassen.

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Zum siebten Todestag Ihres Mannes hat sein Verein Hannover 96 gerade ein Benefizspiel organisiert. Mit welchen Gefühlen sind Sie nach Hannover gereist?

Mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue ich mich zu sehen, wie viele Menschen dort weiter bereit sind, Robbi Tribut zu zollen und unsere Stiftung zu unterstützen. Zum Beispiel, dass wir Hannover 96 und auch Robbis alte Mannschaft Carl Zeiss Jena für das Benefizspiel gewinnen konnten. Aber wenn ich nach Hannover fahre, habe ich auch immer einen Kloß im Hals.

Auch Roberts Schwester und seine Mutter waren beim Spiel. Ist die Familie in der Enke-Stiftung engagiert?

Nein, aber wir sehen uns regelmäßig. Bald kommt die Gisi (Robert Enkes Mutter Gisela; Anm. d. Red.) uns wieder besuchen, sie will ja auch ihre Enkeltochter sehen. Da ist der Kontakt auf jeden Fall da.

Das jüngste Projekt Ihrer Stiftung ist die "EnkeApp" , die depressiven Menschen und ihren Angehörigen helfen will, unter anderem mit einem Notfall- Button. Inwieweit ist der wichtig?

Die Erfahrung zeigt, dass ein Suizidversuch oft ein letzter Hilfeschrei sein soll. Da kann der Button ein Mittel sein, um zu zeigen: "Ich meine es ernst, aber ich möchte nicht sterben." Manche Menschen fühlen im letzten Moment Angst und suchen einfach Hilfe. Wer dann den Knopf drückt, wird Hilfe von der Polizei oder von Sanitätern bekommen.

In der App wird auch die Möglichkeit angeboten, direkt mit einem Arzt zu sprechen.

Ja, das geht über unsere Beratungshotline in Aachen. Der Arzt sitzt jeden Werktag jeweils drei Stunden am Telefon, nimmt die Gespräche der Betroffenen an und vermittelt sie an Kollegen in der Nähe der Erkrankten. Dort erhalten sie dann einen Therapieplatz. Es wird auch angezeigt, ob die Leitung zu ihm gerade besetzt ist oder wann er wieder zu erreichen ist.

Wie nützt die App den Angehörigen depressiver Menschen?

Sie bietet viele Informationen über die Krankheit und beinhaltet auch einen Gruppenruf, in den Freunde oder Familie des Betroffenen aufgenommen werden können, wenn er es möchte. So kann er auch – mit seinem Einverständnis – geortet werden.

Gibt es schon Resonanz?

Wir haben bereits mehr als 25.000 Downloads und viele Registrierungen für die Hilfsfunktionen. Das ist sehr gut.

Sie unterstützen mit der Enke-Stiftung auch herzkranke Kinder.

Ja, wir haben ein Projekt gestartet, bei dem die Eltern kranker Kinder in Kliniken von einem Psychologen betreut werden. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie das ist, wenn man mit einer schrecklichen Diagnose allein auf weiter Flur ist. Der Psychologe vermittelt zwischen Ärzten und Eltern und hilft, Missverständnisse zu vermeiden. Wir geben dazu aber nur den Anstoß, dann führen die Häuser das weiter. Es ist uns wichtig, dass unsere Projekte nachhaltig sind.

Sie haben beides erlebt: Ihr Mann nahm sich das Leben, Ihr Kind starb an einem Herzfehler. Woher nehmen Sie die Kraft, diesem Schicksal mit Kampfgeist zu begegnen?

Ich weiß es nicht. Die Kraft ist dann einfach da. Ich hatte nach Robbis Tod ja auch die Verantwortung für ein kleines Kind. (Das Paar hatte nach dem Tod von Tochter Lara ein Mädchen adoptiert; Anm. d. Red.) Da konnte ich mich nicht ins Bett legen und mir die Decke einfach über den Kopf ziehen. Als Lara starb, waren wir auch noch zu zweit. Wir wussten damals, was auf uns zukommt. Wir haben die zwei Jahre mit ihr voller Dankbarkeit angenommen.

Kann man in so schwierige Situationen hineinwachsen?

Ja, aber nun hatte ich auch keine zusätzlichen Belastungen wie finanzielle Sorgen. Ich musste nicht nach Robbis Tod alles verkaufen und in eine kleine Wohnung ziehen. Dafür bin ich sehr dankbar. Andere müssen auch noch mit so etwas kämpfen.

Wie ändert sich Trauer über die Zeit?

Der Mensch regeneriert nach einer Zeit. Die Trauer schlägt um. Man denkt nicht mehr jedes Mal mit einem Stich im Herzen an den anderen, man wird dankbar, dass man diesen Menschen in seinem Leben hatte. Das ist Gott sei Dank so. Ich kann zwar nicht alles verarbeiten, die Wunde bleibt, aber sie reißt nicht mehr ständig auf. Das Leben muss weitergehen, gerade wenn man ein Kind hat. Robbi hätte gewollt, dass wir glücklich werden.

Was hilft Ihnen dabei?

Humor. Ohne den geht es nicht. In meiner Familie wird viel gelacht. Ein Beispiel: Meine Mutter erzählte gerade, dass sie und mein Vater sich neue Möbel anschaffen wollen, was eine Bekannte so kommentierte: "Da müsst ihr euch aber beeilen, damit sich das noch rentiert!" Über so was darf man in meiner Familie lachen.

Hat Ihre Mutter auch gelacht?

Ja, ihr Humor ist noch viel schwärzer als meiner. Sie hat das alles ja auch mittragen müssen, sie lebt ja in ihrer Tochter, in ihrem Enkel, in ihrem Sohn. (Teresa Enkes Bruder starb 2011 mit 43 Jahren völlig überraschend an einer Embolie; Anm. d. Red.) Bei uns gilt: Wenn der Schmerz am größten ist, muss man Witze machen. Aber natürlich sind wir auch oft sehr ernsthaft.

Was empfinden Sie heute als Glück?

Vor allem Gesundheit, Familie, positive Gedanken und das Zusammensein mit lieben Freunden. Ich bin ein sehr zufriedener Mensch. Ich bin natürlich nicht den ganzen Tag glücklich, aber ich weiß: Mein Schicksal meint es auch gut mit mir. Ich hadere nicht mehr. Am Anfang war das noch so, aber ich habe inzwischen viel mitbekommen und gesehen, dass ich nicht die einzige bin, die etwas durchmachen musste.

Wie schwer ist es, Glück nach dem Unglück zuzulassen?

Es ist ein großer Schritt, sich selber einzugestehen: Mir geht es wieder gut. Das sind dann Freunde und Familie, die mir sagen: "Jetzt kannst du aber auch mal in einem Interview erzählen, dass du glücklich und zufrieden bist." Aber es ist sehr schwer. Die Menschen haben mich ja eingeordnet. Wer mich sieht, denkt: "Ach, die Arme!" In diese Schublade gehöre ich aber nicht mehr. Natürlich ist meine Trauer darüber groß, dass ich meine Familie verloren habe. Wenn ich am Grab stehe und die zwei Namen lese, bin ich immer noch schockiert. Aber mein Leben geht trotzdem weiter, und dann darf ich das Glück auch zulassen.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Tochter und Ihr Mann Sie begleiten?

So lange ich mich erinnere, sind die beiden noch da. Am Anfang gab es keine einzige Minute, in der ich nicht an Lara und Robbi gedacht habe. Jetzt sind es Kleinigkeiten, die mich an die beiden erinnern. In bestimmten Situationen weiß ich genau, wie Robbi schauen würde, oder dass er sich darüber ausschütten würde vor Lachen. Dann begleitet er mich.

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