Stefanie Graf: "Die Angst vor Fremdem liegt mir fern"

Tennislegende, Wohltäterin, Mutter und Ehefrau: Im "Gala"-Interview äußert sich Stefanie Graf zu allen wichtigen Facetten ihres Lebens. Selbst zu einem heiklen aktuellen Thema bezieht sie Position

Für eine Frau, die auf den Center-Courts vor Tausenden Zuschauern (plus Millionen an den Fernsehern) ihrem Beruf nachging, ist Stefanie Graf, 44, erstaunlich scheu. Das hat sich seit ihrem Rücktritt vom Profisport sogar noch verstärkt. Nur noch selten sieht man sie in der Öffentlichkeit. Stefanie Graf ist einfach glücklich in ihrem privaten Leben, mit Sohn Jaden, 12, Tochter Jaz, 10, und Ehemann Andre Agassi, 44. Gleich hinter der Familie jedoch steht auf ihrer Prioritätenliste ihre Stiftung "Children for Tomorrow", die sich um die Integration und Therapie von Flüchtlingskindern kümmert. Für die Stiftung - und ihren Werbepartner Longines - ist Stefanie Graf nach Hamburg gekommen. In einem eigenen Gebäude auf dem Gelände des Uniklinikums Eppendorf kümmert sich "Children for Tomorrow" seit drei Jahren um traumatisierte Jungen und Mädchen. Die Schirmherrin schaut immer wieder mal vorbei, sucht dann behutsam den Kontakt zu den kleinen Patienten. Bei der Plauderei zu Beginn des "Gala"-Interviews spricht man sie natürlich auch auf das zweite deutsche Tenniswunderkind an: Boris Becker. Stefanie Graf verzieht das Gesicht. Nein, über den will sie nun wirklich nichts sagen. Da gebe es doch wichtigere Themen. Punkt.

Wie schaffen Sie es, so schnell Vertrauen zu den Kindern herzustellen, die"Children for Tomorrow" hier betreut?

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©Gala

Vor allem warte ich darauf, dass sie auf mich zukommen. Ich bin ja selber eher zurückhaltend und ruhig und bedränge niemanden. Das spüren auch die Kinder.

Hat Sie ein spezielles Schicksal besonders bewegt?

Viele! Die meisten dieser Kinder kommen ohne Familie in Hamburg an und haben Schreckliches erlebt. Im vergangenen Jahr hat mir eine 16-Jährige erzählt, wie sie auf der Flucht ihr Kind verlor. Sie sprach über all die schrecklichen Dinge, die auf der Bootsfahrt passiert sind. Ich mag gar nicht ins Detail gehen, aber sie war in einem ziemlich schlechten Zustand. Inzwischen geht es ihr besser. Sie geht zur Schule und möchte Krankenschwester werden.

Stefanie Graf im Gebäude von "Children for Tomorrow" auf dem Gelände des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf. Die Farbkleckse an der Wand zeugen von der Maltherapie, mit der hier Flüchtlingskindern (unter anderem) geholfen werden soll.

Im feinen Hamburger Stadtteil Harvestehude soll ein Asylbewerberheim entstehen. Das Projekt hat unter den Anwohnern einige Gegner. Eines ihrer Argumente lautet, Flüchtlinge könnten sich in einer wohlhabenden Umgebung nicht wohlfühlen. Wie denken Sie darüber?

Die Einzelheiten dieser Diskussion kenne ich nicht, aber ehrlich gesagt fehlt mir das Verständnis für solche Argumente. Wir leben doch in einer so vielschichtigen Gesellschaft! Verantwortung und Respekt für andere Menschen sind für mich selbstverständlich. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich durch den Sport die Welt kennengelernt habe. Die Angst vor dem Fremden liegt mir völlig fern. Außerdem muss man sich doch nur mal vorstellen, wie es sich anfühlt, aus seinem eigenen Land in eine komplett neue Umgebung zu kommen, die Sprache nicht zu sprechen. Und weder Angehörige noch Freunde sind in der Nähe.

Gibt es etwas, das Sie von den Flüchtlingen lernen können?

Eindeutig ihre Kraft und ihr Durchhaltevermögen! Dazu muss ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Unsere Kinder müssen für die Schule viel lesen, und teilweise lese ich diese Bücher gemeinsam mit ihnen. Mit meiner Tochter Jaz habe ich auf diese Weise "A Long Walk To Water" kennengelernt, da geht es um einen Flüchtling aus dem Sudan. Das Buch forderte dazu auf, nie die Hoffnung zu verlieren. Denn es ist so einfach aufzugeben. Aber man gewinnt nicht durch das Aufgeben, sondern durch das Durchhalten. Als Sportlerin ist mir der Gedanke sowieso vertraut. Ich bin immer an meine Grenzen gegangen. Und weil ich gerade von meinen Kindern sprach: Ich denke, dass eine gewisse Herausforderung sehr gut für die Entwicklung eines jungen Menschen ist. In dem Alter ist man ja ständig in der Veränderung. Diesen Wandel zu begleiten und zu fördern ist wichtig.

Sucht Ihre Tochter Jaz auch mal selbst aus, was sie lesen will?

Oh, mit zehn Jahren weiß sie schon ziemlich genau, was sie möchte! Wir gehen gemeinsam in den Buchladen oder in die Bücherei, dann entscheidet sie. Oft genug habe ich ihr Bücher mitgebracht, die sie dann auf keinen Fall lesen wollte. Das bringt also nichts. (lacht) Glücklicherweise interessiert sie sich ganz von allein für wichtige Themen. In vielerlei Hinsicht ist sie viel reifer und weiter, als man es von einer Zehnjährigen erwarten würde.

Charity

Helfende Hände aus Hollywood

Was für ein Tag im Disneyland! Die "Avengers" Paul Rudd, Scarlett Johansson, Robert Downey Jr., Brie Larson, Chris Hemsworth und Jeremy Renner feiern zusammen mit Disney-Chef Bob Iger die gemeinnützige Initiave "Avengers Universe Unites".
Großfirmen wie Lego, Amazon und Co. haben Geld und Spielzeug im Wert von über 5 Millionen Dollar gespendet, das kritisch kranken Kindern auf der ganzen Welt zugute kommt. Brie Larson erfreut damit schon mal die jungen Besucher.
Das Tollste für die Kids ist aber sicherlich, ihren Superhelden Captain Marvel , Thor und Co. auch mal die Hand schütteln zu können.
Amanda Seyfrieds flauschiges Accessoire für das Charity-Event von Best Friends Animal Society könnte passender nicht sein: Die Schauspielerin sowie viele andere Promis spenden an dem Abend für den US-amerikanischen Tierschutzverein, der sich gegen das Töten von Katzen und Hunden in US-amerikanischen Tierheimen einsetzt. 

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Im Namen der Kinder: Seit zwölf Jahren sind Stefanie Graf und Andre Agassi – beide ehemalige Tennis-Champions – verheiratet. Sie leben mit ihren Kindern in Agassis Heimatstadt Las Vegas, Nevada. Das karitative Engagement ist beiden sehr wichtig: Stefanie Graf hilft traumatisierten Kindern mit ihrer Stiftung "Children for Tomorrow" und Andre Agassis "Foundation for Education" fördert die Schulbildung armer Jungen und Mädchen im Raum Las Vegas.

Albert Einstein hat mal gesagt: "Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, ein erfolgreicher Mensch zu sein, sondern ein wertvoller." Können Sie mit diesem Gedanken etwas anfangen?

Was wertvoll ist, muss jeder für sich entscheiden. Mir persönlich geht es vor allem darum, mein Leben zu nutzen, es zu wertschätzen, etwas zu leisten, sicher auch den Augenblick zu genießen. Aber was ist schon Erfolg? Für den einen ist das viel Geld, für den anderen viel Anerkennung. Ich fühle mich erfolgreich, wenn ich ein erfülltes Leben voller Liebe führe. Denn jeden Tag kann es sich verändern.

Wie wichtig ist Geld für Sie?

Es macht vieles möglich. Ein vernünftiger Umgang damit ist wichtig. Das Wertvollste, was wir haben, ist aber unsere Zeit. Und dazu unsere Kraft und Gesundheit. Was ich am Leben in den USA mag: Der Gedanke, dass man sich gesellschaftlich einbringt, ist dort deutlich ausgeprägter als in Deutschland. Auch meine Kinder müssen sich ganz automatisch von der Schule aus ehrenamtlich engagieren. Das finde ich sehr schön, weil privates Engagement damit zu etwas ganz Selbstverständlichem wird.

In Charity-Belangen arbeiten Sie oft mit Ihrem Mann zusammen. Wie klappt das?

Ich arbeite sehr gern mit Andre zusammen! (lacht) Wir sind uns in vielen Dingen so ähnlich. Wir denken meist gleich und haben die gleichen Wünsche für die Zukunft.

Die da wären?

Optimalerweise bleibt alles so, wie es im Moment ist. Ich würde nichts verändern wollen. Wir sind sehr glücklich als Familie, es ist alles sehr harmonisch. Und je älter Andre und ich werden, desto enger rücken wir zusammen, desto klarer ist unser Umgang miteinander. Ich glaube nicht an den Satz, dass Gegensätze sich anziehen. Und auch nicht daran, dass jeder in einer Partnerschaft unbedingt seinen ganz eigenen Lebensbereich haben muss. Im Gegenteil: Ich verbringe sehr gern auch meine Arbeitszeit mit Andre. Da muss eben zu Hause alles gut organisiert sein. Wir sorgen uns nur manchmal bei dem Gedanken: Was wäre, wenn uns beiden auf einer gemeinsamen Reise etwas passiert?

Gala

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Sie versuchen es also schon so einzurichten, dass einer von Ihnen immer zu Hause in Las Vegas ist?

Ja. Heute zum Beispiel besucht er - ebenfalls mit Longines - seine Schule in Las Vegas. Jaden und Jaz kommen langsam in das Alter, in dem Eltern zu den Taxifahrern ihrer Kinder werden. Da hilft es, wenn zumindest einer von uns in der Nähe ist.

Es kann Segen oder Fluch sein, dass Profisportler relativ jung ihre Karriere machen, denn mit dem langen Leben danach müssen sie sich irgendwie arrangieren. Wie war das bei Ihnen?

Ich habe alles für den Sport gegeben, und die Erfolge haben mich stark gemacht. Das Reisen hat mir die Augen geöffnet. Ich war mir immer sehr bewusst, wie viel Positives ich da erlebe, deshalb vermisse ich heute nichts. Auf die Zeit nach dem Sport habe ich mich aber auch immer schon sehr gefreut. Sowohl die körperliche als auch die seelische Balance im Tennis zu finden und zu halten ist nämlich wahnsinnig anstrengend. Eine echte Berg- und Talfahrt der Gefühle! Die innere Ruhe, die ich nach dem Rücktritt auf einmal gefunden habe, hat mir unheimlich gut getan. Dass ich zu diesem Zeitpunkt auch noch die Liebe meines Lebens treffen würde, das war vorher nicht zu erwarten, hat es mir aber umso einfacher gemacht. Es ist alles noch viel schöner als erhofft.

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