Sabine Christiansen: "Eigene Kinder fehlen mir nicht"

Talk-Ikone, Medienunternehmerin, Charity-Lady und jetzt engagierte Aufsichtsrätin: Sabine Christiansen zieht in "Gala" die Zwischenbilanz eines bewegten Lebens. Auch private Wünsche und Schicksalsschläge lässt sie nicht aus

Sabine Christiansen

Am Morgen ein Termin beim Hairstylisten, mittags das "Gala"-Exklusivinterview im Berliner "Café Wintergarten", um 14 Uhr ein Aufsichtsratsmeeting inklusive einer Schar von Anwälten, wie Sabine Christiansen lachend verrät: Wieder mal ein durchgetakteter Tag im neuen Leben der ehemaligen "Tagesthemen"- und Talk-Lady. Von diesem Leben will sie erzählen. Erst mal aber nimmt sie einen Schluck frischgepressten Karottensaft, atmet dann tief durch. Eine kraftvolle Aura umgibt die 55-Jährige, obwohl ihr der Tod des Vaters - er starb im Mai an Herzversagen - noch sehr zu schaffen macht. Auch davon wird sie später erzählen. Immerhin bieten ihr die öffentlichen Aufgaben gerade in diesen Wochen Ablenkung: Die Medienfrau ist seit Kurzem Aufsichtsratsmitglied beim Logistikriesen "Hermes" und schon seit 2006 Vorsitzende einer Kinderstiftung, die sie damals selbst gründete.

Im Fernsehen hat Sabine Christiansen Geschichte geschrieben, bis heute gilt ihre Talkshow am Sonntagabend als Mutter aller Polit-Runden. Sie begrüßte hochkarätige Gäste aus aller Welt, erzielte Top-Quoten. Im Juni 2007, nach 447 Sendungen, war Schluss.

Frau Christiansen, wir haben Sie längere Zeit nicht mehr vor der Kamera gesehen. Können Sie sich ein großes TV-Comeback vorstellen?

Eine neue regelmäßige Sendung passt nicht mehr in meinen beruflichen Lebensentwurf. Eine Rückkehr als Talkmasterin schließe ich aus - Einzelanfragen sehe ich mir aber genau an. Große Wirtschaftsveranstaltungen oder Vorträge mache ich international intensiv weiter.

Vermissen Sie das Rampenlicht?

Überhaupt nicht! Nach 27 Jahren Bildschirmpräsenz habe ich mehr als genug Rampenlicht gehabt. Und wenn ich etwas gehabt habe, dann ist mein Drang, es wieder haben zu müssen, nicht sehr groß. Das ist vielleicht auch eine Altersfrage: Häuser, Autos, Schmuck - als man es sich endlich leisten konnte, war alles zum Vorzeigen mal schön, so wie der erste gebrauchte Porsche Carrera oder der große Garten am Haus. Danach bin ich wieder Golf gefahren und habe mir eine Wohnung gekauft. Heute geht es meinem Mann und mir um Dinge, die unser Leben bereichern, nicht um Sachen, die wir anderen zeigen können oder mit denen wir etwas beweisen müssten. Vielleicht ist es mit der Karriere und einer Sieben-Tage-Woche für den TV-Job ähnlich. Alles hat seine Zeit.

Mal vergnügt, mal nachdenklich: Beim "Gala"-Shooting zeigt Sabine Christiansen die verschiedenen Facetten ihrer Persönlichkeit.

Demnächst nehmen Sie Ihre Arbeit im Aufsichtsrat von "Hermes" auf, Sie werden explizit die Themen Verantwortung und Nachhaltigkeit vertreten. Warum haben Sie sich für dieses Unternehmen entschieden?

Über meine vielfältigen und langjährigen Engagements - zum Beispiel für Kinderrechte und in der Entwicklungs- und Gesellschaftspolitik - stehe ich seit Jahren in Kontakt mit Afrika- und Asienaktivitäten der Otto Gruppe, zu der ja auch "Hermes" zählt. Deren vielfältiges Engagement für fairen Welthandel, nachhaltigen Anbau von Baumwolle und gerechte Löhne für Textilarbeiter empfand ich immer schon als vorbildlich.

Gibt es da persönliche Erfahrungen?

Mein chinesischer Freund, der Starjournalist Bai Yansong, hat zum Beispiel das Buch "Sind wir nun glücklich?" herausgebracht, das gerade auf Deutsch erschienen ist. Er zeichnet das Porträt einer Glitzerwelt des enormen materiellen Wachstums - und der Ernüchterung, die darauf folgt. Wo bleiben Zufriedenheit, Glück, Werte wie saubere Umwelt, gesunde Lebensmittel, intakte Familien? Wachstum um jeden Preis ist schädlich! Wir müssen daran arbeiten, wegzukommen von "immer schneller, immer günstiger". Auch als Konsumenten.

Und wie können wir dieses neue Bewusstsein schaffen?

Indem wir uns alle mehr die Frage stellen, was uns in Zukunft bestimmte Waren eigentlich wert sind. Wenn ich mir Jeans für 7 Euro kaufe, muss mir klar sein, dass unter diesem Preis Menschen leiden müssen. Ich kann als Konsument für 7 Euro nicht Leistungen wie Designen, Nähen, Färben und noch Anliefern erwarten und mich dann darüber empören, dass die Arbeiter in Bangladesch nur 0,5 Cent pro Stunde verdienen. So geht es einfach nicht! Deshalb wollen wir die Wertedebatte transparent mit den Verbrauchern führen.

Nun müssen aber viele Menschen aufs Geld achten ...

Das ist mir völlig klar. Es geht auch nicht darum, noch mehr Luxusartikel herzustellen. Aber ein wenig sollten wir uns schon - wie auch bei Lebensmitteln - daran gewöhnen, lieber etwas weniger, aber dafür Qualität zu kaufen. Die hält länger, stammt zum Beispiel aus fairem Baumwollanbau, löst keine Allergien aus und ist zudem unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt.

Sie wirken sehr engagiert, aber auch gelassen. Haben Sie heute weniger Stress als früher?

Ich finde schon. Die "Tagesthemen" waren sehr arbeitsintensiv, und in meiner Talkshowzeit habe ich zehn Jahre lang meist sieben Tage die Woche gearbeitet. Ich hatte das Gefühl, dass sich das Hamsterrad immer schneller dreht. Irgendwann hat sich dann mein Mann Gehör verschafft und zumindest ein regelmäßiges gemeinsames Wochenende bei mir eingefordert. (lacht)

Gala: Inhaltsverzeichnis

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Warum arbeiten Sie überhaupt noch? Sie könnten nur noch in Ihrem Haus auf Mallorca das Leben genießen und zum Beispiel Kräuter züchten …

Das wäre mir viel zu langweilig. Ich liebe die Bewegung. Deshalb war und ist es für mich auch keine Option, bis zur Rente immer denselben Job zu haben.

Wählen Sie heute genauer aus als früher?

Charity

Helfende Hände aus Hollywood

Was für ein Tag im Disneyland! Die "Avengers" Paul Rudd, Scarlett Johansson, Robert Downey Jr., Brie Larson, Chris Hemsworth und Jeremy Renner feiern zusammen mit Disney-Chef Bob Iger die gemeinnützige Initiave "Avengers Universe Unites".
Großfirmen wie Lego, Amazon und Co. haben Geld und Spielzeug im Wert von über 5 Millionen Dollar gespendet, das kritisch kranken Kindern auf der ganzen Welt zugute kommt. Brie Larson erfreut damit schon mal die jungen Besucher.
Das Tollste für die Kids ist aber sicherlich, ihren Superhelden Captain Marvel , Thor und Co. auch mal die Hand schütteln zu können.
Amanda Seyfrieds flauschiges Accessoire für das Charity-Event von Best Friends Animal Society könnte passender nicht sein: Die Schauspielerin sowie viele andere Promis spenden an dem Abend für den US-amerikanischen Tierschutzverein, der sich gegen das Töten von Katzen und Hunden in US-amerikanischen Tierheimen einsetzt. 

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Ich übernehme nur noch so viele Aufgaben, wie es mir Spaß macht. Und ich möchte, dass mein Arbeitsaufwand überschaubar ist. Auch mein Mann hat sich - mit seinem 60. Geburtstag - aus Teilen seines Unternehmens zurückgezogen. Aber er hielt das nicht aus und ist gleich bei jungen Marken wieder mit eingestiegen. Männern fällt das Kürzertreten wohl generell schwerer als Frauen. Ich sage nur: Carpe diem! Du kannst nie wissen, ob es das Leben auch noch in ein paar Jahren rundum gut mit dir meint.

Seit 1997 mobilisiert Sabine Christiansen als Unicef-Botschafterin weltweit Hilfe für Kinder in Not, hier in Sri Lanka.

Vor ein paar Wochen ist Ihr Vater im Alter von 80 Jahren gestorben ...

Das war für mich und meine Familie ein sehr schwerer Schlag. Die Lücke, die mein Vater hinterlässt, ist spürbar für uns alle. Wir müssen nun sehen, wie es ohne ihn weitergeht, insbesondere kümmern wir uns um unsere Mutter, die nach 57 Ehejahren den Mann an ihrer Seite verloren hat.

Wie gehen Sie mit der Trauer um?

Wir möchten ihn in der Erinnerung lebendig halten. Bei der Trauerfeier wurden die schönsten charakteristischen Momente seines Lebens von uns und den Enkelkindern als Diashow zusammengestellt. Freunde und Familie sollten ihn in Erinnerung behalten, wie sie ihn im Leben gekannt haben. Er war ein sehr liebevoller Vater, ein sehr sozialer und humorvoller Mensch. Er wollte unter einem großen Baum begraben werden, da er die Natur sehr liebte. Wir haben daneben eine Bank aufstellen lassen. So lässt sich zu jeder Jahreszeit ein Stündchen Zwiesprache halten - über alles, was man versäumt hat zu sagen, versäumt hat zu fragen.

Die Familie gibt in diesen Tagen Halt?

Unser Zusammenhalt in der Familie war immer sehr eng. Wir haben uns immer gut verstanden, was jetzt besonders zu spüren ist. Allein an den Reden der Enkelkinder wurde deutlich, wie viel ihnen der Opa bedeutet hat.

Finden Sie auch Trost bei guten Freunden?

Natürlich. Wir führen intensive Gespräche über Verlust, Loslassen und das Verarbeiten von Schmerz. Diese Gespräche können ich und mein Mann gut gebrauchen, denn wir hatten zuletzt eine wirklich schwere Zeit.

Was meinen Sie damit?

Vor zwei Jahren hat mein Mann seinen besten Freund durch Krebs verloren. Dann starb die Mutter seiner Kinder. Und drei Wochen vor meinem Vater ist auch noch die Schwester meines Mannes an Brustkrebs gestorben. Mit 56 Jahren. Es ist viel über uns hereingebrochen. Man wird demütiger.

Wenn Sie die verschiedenen Generationen in Ihrer Familie sehen - überkommt Sie manchmal ein Gefühl des Bedauerns, weil Sie keine eigenen Kinder haben?

Als ich jünger war, gab es schon Phasen, in denen ich dachte: Jetzt würde es eigentlich sehr gut passen, und wer weiß, ob es später noch einen solchen Zeitpunkt gibt. Aber es war eine sehr persönliche Entscheidung, die nicht nur mit mir zusammenhing. Ich war und bin mit den Kindern in unserer Familie so eng und habe auch durch mein Unicef-Engagement so viel mit Kindern zu tun, dass mir diesbezüglich gar nichts fehlt.

Durch Ihre Heirat sind Sie immerhin Stiefmama geworden.

Norberts Kinder waren ja schon Teenager, als wir uns kennenlernten. Sie haben mich zwar mit offenen Armen in der Familie empfangen, aber für mich war es nie ein Ziel, die Mutter zu ersetzen. Viel mehr wollte ich eine sehr gute Freundin sein. Und das ist mir wohl auch gut gelungen.

Wie oft im Jahr sehen Sie und Ihr Mann heute die Kinder?

Leider zu selten. Doch es liegt nicht an uns. Die Jungs sind längst aus dem Haus, der eine wohnt in Los Angeles und Paris, der andere in Brüssel und Paris. Beide sind sowohl beruflich wie privat sehr aktiv und düsen ständig in der Weltgeschichte herum - sie kommen eben ganz nach dem Vater. Skype läuft immer. Aber alle sehen? Da müssen wir ziemlich lange vorher planen, um alle unter einen Hut zu bekommen. Doch gerade weil unsere Familientreffen relativ selten sind, sind sie eines garantiert nie: langweilig! (lacht)

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