Robert Pattinson: Was für ein Zirkus!

Ob Oscarpreisträgerin oder Viertonner: Robert Pattinson hat keine Angst vor großen Tieren. Auch wenn es in "Wasser für die Elefanten" nach jedem Kuss von Reese Witherspoon Prügel setzt

Robert Pattinson

Tatsächlich: Dieses Gesicht hat auch fern

von Maske und Kameraschein die Perfektion eines Gemäldes aus dem Klassizismus. Eben noch hat man Robert Pattinson im Film "Wasser für die Elefanten" zwei Stunden lang großformatig – und überirdisch schön - leiden sehen. Und jetzt sitzt man ihm gegenüber, hatte erwartet, dass er wirklich so abgekämpft aussieht, wie überall zu lesen war. Dass er wirklich der wortkarge Muffel ist, als der er oft beschrieben wird. Zurückhaltend, fast unsicher wirkt er dann auch. Doch auch sehr freundlich und interessiert: "Coole Jacke, wo haben Sie die her?", fragt er beim Treffen in Berlin und fläzt sich aufs Sofa – die Füße stecken in Sneakern und lagern auf dem Couchtisch, seltsam nahbar er. So sehr, dass man die Massen an Teenagern draußen vergisst, die schon den ganzen Tag lang darauf warten, einen Blick auf "ihren" Rob zu erhaschen. Sicher ist es dem Briten selbst noch nicht ganz geheuer, dass ihm mit "Wasser für die Elefanten" der Durchbruch als Charakterdarsteller gelingen könnte, dass er mit dieser Rolle sein Image als reiner Teenieschwarm verliert. In dem Liebesdrama spielt er den Heimatlosen Jacob, der bei einem Wanderzirkus als Tierpfleger anheuert und sich ausgerechnet in Marlena (Reese Witherspoon) verliebt, die Frau des fiesen Direktors August (Christoph Waltz). Pattinson macht einen guten Job, auch wenn er es schwer hat neben einem teuflisch guten Christoph Waltz - und neben Tai, der 42-jährigen Elefantendame.

Lena Gercke

Sie postet ein lustiges Video mit Freund Dustin

Dustin Schöne und Lena Gercke
Neben lustigen Videos haben Lena Gercke und Dustin Schöne auch schon Werbespots zusammen produziert.
©Gala

Können Sie sich eigentlich an das letzte Mal erinnern, als Sie jemand nicht erkannt hat?

Wann war das noch? Doch, neulich bei einem Dinner. Am Empfang hieß es, dass nebenan ein Tisch mit 18 Personen sei. Ich dachte reflexartig: Na toll, sicher eine Horde Teenager! Es waren 18 asiatische Kinder, von denen mich keins erkannte. Ich hatte das entspannteste Dinner seit Ewigkeiten.

Wenn Sie Ihr neues Leben als Megastar mit dem alten des Londoner Kumpeltyps vergleichen, der mit seinen Jungs um die Häuser zieht: Was vermissen Sie am meisten?

Neue Leute kennenzulernen. Das klingt vielleicht merkwürdig, wenn jemand mit meinem Beruf das sagt, aber ich meine: wirklich kennenzulernen. Meistens überlege ich mir ja doppelt und dreifach, ob ich jemandem vertrauen kann, somit bleiben Beziehungen oft an der Oberfläche.

Für wen haben Sie selbst als Teenager geschwärmt?

Ach, Schwärmerei war noch nie mein Ding. Höchstens früher mal für Arsenal London, aber damit hört es dann auch schon auf.

Reese Witherspoon und Christoph Waltz haben einen Oscar in der Vitrine, Sie hatte man bisher als Teenieschwarm auf dem Radar - wie haben Sie sich am Set behauptet?

Das war sehr easy. Man sollte immer mit den Besten arbeiten - dann steht man selbst gleich viel besser da. Reese und Christoph waren sozusagen mein Versicherungspaket.

In Ihren Filmen leiden Sie ständig. Muss Liebe immer wehtun?

Wenn es nach meiner Rolle in "Wasser für die Elefanten" geht, auf jeden Fall: Fast jedes Mal, wenn ich Reese Whitherspoon küsse, kriege ich hinterher eins über die Rübe! (lacht)

Auf jeden Fall haben Sie in Ihren Filmen einen Hang zu komplizierten Beziehungen. Ein Vampir, der zur Keuschheit verdammt ist, ein Tierpfleger, der sich in die Frau seines Chefs verknallt ...

Das ist reiner Zufall. Eine Liebesgeschichte muss nicht unbedingt zum Happy End führen, sondern vielleicht nur zu einer lebenslangen Freundschaft. Alles andere sind Klischees, und die langweilen mich.

Ist die Idee der romantischen, der absoluten Liebe denn nichts für Sie?

Doch, absolut. Im Film müssen die Leute immer sehr hart arbeiten, bis sie am Ende glücklich sind. Im echten Leben passiert einem das ganz einfach, und man gibt sich der Liebe hin.

Wie muss eine Frau sein, um Ihr Herz zu gewinnen?

Puh. Ich hatte immer eine Schwäche für Mädchen, die mich nicht ausstehen können. Ich mag, wenn jemand intelligent, talentiert und ambitioniert ist.

So wie Kristen Stewart ...

(freundliches Schweigen)

Reese Witherspoon war angeblich nicht so angetan von den Liebesszenen mit Ihnen ...

Hm, vielleicht war Reese einfach nur zu angeturnt? Nein, das lag sicher daran, dass sie kurz davor war zu heiraten und nicht mit einem anderen rummachen wollte.

Würde es Sie selbst reizen, eine Affäre mit einer verheirateten Frau anzufangen?

Nein, ich bin nicht der Typ, der darauf aus ist, einem anderen die Frau auszuspannen.

War es leichter, mit Ihrer anderen Filmpartnerin auf Tuchfühlung zu gehen?

Tai ist ganz anders, als man sich Elefanten so vorstellt, sie ist einfach unglaublich. So bedächtig und vorsichtig. Einmal lag sie fast auf mir, sie berührte mich aber kaum, obwohl sie mich mit einer falschen Bewegung hätte zerquetschen können. Sie hat mich, fürchte ich, für alle künftigen Kollegen verdorben. So selbstlos wie Tiere sind sonst nur Babys vor der Kamera. Unter erwachsenen Schauspielern herrscht immer eine gewisse Konkurrenz, was ganz schön lähmend sein kann.

Meinen Sie Christoph Waltz?

Nein, ich schwör's: Christoph ist der lustigste Typ, den man sich vorstellen kann. Kein Grund, nervös zu sein. Er wird übrigens jetzt immer gefragt: "Und, kann dieser Robert Pattinson denn schauspielern?" Er verteidigt mich immer - Sie sehen: Ein toller Typ. (lacht)

Wieso glauben immer noch viele Leute, Sie seien nur ein talentloser Teenie-Star?

So läuft das halt. Wenn man großen Erfolg hat, muss man auch dafür bezahlen. Gerade weil "Twilight" so erfolgreich war, werde ich wohl noch die nächsten zehn Jahre beweisen müssen, dass ich auch andere Typen als Edward spielen kann.

Man bekommt schnell den Eindruck, dass Sie etwas unsicher sind und glauben, sich für Ihren Erfolg rechtfertigen zu müssen. Woran liegt das?

Ich weiß oft nicht, was ich auf bestimmte Fragen antworten soll. Haben Sie eine Idee? "Wie fühlt man sich als Sexiest Man Alive?" Na wie schon: wie ein Vollidiot. Vielleicht habe ich als Typ aber noch Glück im Vergleich zu meinen Kolleginnen - ich kann mir vorstellen, dass Schauspielerinnen sich noch viel mehr Sexy-Fragen anhören müssen als ich.

Fragen Sie mal Brad Pitt ...

Das stimmt natürlich. Ich meinte aber, dass es bei Frauen irgendwie dazugehört, die können trotzdem jede Rolle spielen. Wenn ein Schauspieler aber zum Sexsymbol gekürt wird, dann ist das doch wie ein Fluch, weil ihn danach keiner mehr ernst nimmt.

Aber eigentlich sind Sie doch in einer beneidenswerten Position, so als größter Frauenschwarm der Welt, abgesehen von Justin Bieber vielleicht.

Es ist mir unbegreiflich, wie ich in seiner Kategorie landen konnte. Ich respektiere Justin Bieber, aber wir kommen aus völlig unterschiedlichen Welten. Ich verstehe einfach nicht, wie ich jemals dieselben Emotionen hervorrufen konnte wie er. Vermutlich gehöre ich zur selben Zielgruppe, aber mir ging es nie um den Ruhm.

Aber berühmt sind Sie nun mal geworden - und was fangen Sie jetzt damit an?

Ich sitze auf meinem Hotelzimmer herum und spiele auf meinem iPhone "Fall Down"bis zum Delirium. Die lächerlichste Zeitverschwendung überhaupt, sie verlangt null Gehirneinsatz, man muss einfach nur diesen kleinen Ball herunterrollen. Das kann ich 16 Stunden lang spielen.

Wie furchtbar.

Ich lade mir auch Filme herunter, aber für mehr als 20 Minuten reicht meine Konzentration im Moment nicht aus. Meistens schlafe ich früh ein.

Vielleicht leiden Sie unter Stress? Burn-out?

Nein, ich bin einfach nur die ganze Zeit müde. Ich laufe sozusagen im Stand-by-Modus, wenn ich nicht arbeite.

Sie sind tatsächlich die meiste Zeit unterwegs - trotzdem haben Sie vor Kurzem einen Hund aus dem Tierheim adoptiert. Ist Ihr Leben nicht etwas zu unstet, um sich um einen Welpen zu kümmern?

Das dachte ich auch, bis ich gemerkt habe, dass ein Filmset die ideale Umgebung für einen Hund ist. Ständig stehen mindestens 100 Menschen zu seiner Unterhaltung zur Verfügung. Und wenn ich freihabe, gebe ich ihm Privatunterricht in meinem Trailer.

Welche Tricks hat er denn schon drauf?

Er war nach einem Tag stubenrein und konnte schon mit neun Wochen Stöckchen holen - er ist echt ein Genie. Vielleicht weil er eine Promenadenmischung ist und von allen Vorfahren das Beste abbekommen hat ...

Vielleicht sollten Sie Hundeflüsterer werden.

Nein, ich habe schon einen meiner drei Traumberufe.

Was waren die anderen beiden?

Pianist in einer Hotelbar an der Riviera oder Politiker.

Auf jeden Fall was mit Rampenlicht?

Jeder Schauspieler ist geltungsbedürftig, bestimmt. Aber andererseits mache ich es auch für mich selbst. Man lernt unglaublich viel dabei.

Was ist Ihre Traumrolle? Vielleicht ein Bad Guy, wie Christoph Waltz sie gern spielt?

In meinem nächsten Film darf ich endlich mal jemanden erschießen. Das wollte ich schon immer: Einfach morgens ins Büro kommen und … Bumm!

Roland Rödermund, Brigitte Steinmetz

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