Phil Collins: "Ich habe Alkohol mit Tabletten gemixt!"

Phil Collins lässt kein unbequemes Thema aus: Mit GALA spricht er über seine Exzesse, gescheiterte Ehen – und seinen Nebenbuhler

Er zählt zur Liga der außergewöhnlichen Superstars: Mehr als 250 Millionen Tonträger brachte Phil Collins mit seiner Band Genesis wie auch als Solo-Künstler unter die Leute, räumte einen Oscar (für einen Song aus dem Soundtrack zum Disney-Trickfilm "Tarzan"), zwei Golden Globes und etliche Grammys ab. Trotz des Mega-Erfolgs präsentiert sich der Engländer beim Interview mit GALA anlässlich seiner neuen Autobiografie absolut unprätentiös.

Stattdessen ist er freundlich und bestens gelaunt. Und das, obwohl es gleich ans Eingemachte geht. Über Erfolge plaudern ist eine Sache. Eine ganz andere, sich zu Fehlschlägen zu bekennen. Phil Collins gelingt auch das: Offen erzählt der 65-Jährige von den zahlreichen Auf und Abs mit Ex-Ehefrau Orianne, mit der er mittlerweile wieder liiert und "sehr, sehr glücklich" ist.

Daniela Katzenberger

"Das fühlt sich an wie so ein Paukenschlag"

Daniela Katzenberger
Daniela Katzenberger geht es bei ihren Auftritten nicht immer so gut, wie sie es der Öffentlichkeit zeigt: Sie leidet an einem angeborenen Herzfehler.

Ihr Buch heißt "Not Dead Yet". Denken Sie, das Beste kommt noch?

Aber sicher! Beruflich weiß ich das natürlich nicht, aber privat bestimmt. Ich wohne in Miami mit meinen beiden jüngsten Kindern zusammen, das fühlt sich großartig an.

Ihr früheres Tour-Leben beschreiben Sie als eher beschaulich. Keine Drogen, keine Frauen – was war da los?

Genesis stand einfach nicht auf Drogen. Das hört sich jetzt vielleicht ein wenig herablassend an, aber wir waren zu sehr Vollblut-Musiker, um uns zuzudröhnen. Und die meisten von uns waren ja verheiratet oder fest liiert.

Was haben Sie nach einem Gig getrieben?

David Letterman oder Johnny Carson im TV geguckt. Zu Beginn meiner Karriere war ich so besessen, dass ich mir die eben gespielte Show angeschaut und Verbesserungsvorschläg notiert habe. Nur einmal bin ich an die Bar gegangen, wo alle tranken und Witze rissen. Es war fantastisch. Hätte ich vielleicht öfter mal tun sollen.

Sie mussten sich in letzter Zeit einigen schweren Operationen unterziehen. Ist das der Preis für Ihre außergewöhnliche Karriere?

Das ist wohl der Preis dafür, dass ich, seit ich 12 bin, ständig Schlagzeug spiele. Das geht in die Hüften, in den Rücken und je älter man wird, desto mehr manifestieren sich solche Dinge. Bevor ich 50 war, lag ich nie im Krankenhaus, das fing erst danach an.

2006, zu der Zeit, als Ihre dritte Ehefrau Orianne Sie verlassen hat, ging es Ihnen gar nicht gut. Sie begannen zu trinken, fast wären Sie an den Folgen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung gestorben. Wie fühlt es sich an, die Grenze beinahe zu überqueren?

Hm, ich bekam so viele Medikamente, dass ich in dem Moment gar nichts davon bemerkt habe. Mir wurde erst hinterher erzählt, dass es knapp zuging. Alkohol ist kein Thema mehr: seit drei Jahren habe ich keinen Tropfen mehr angerührt. Mittlerweile darf ich ab und an mal wieder ein Glas Wein trinken. Ich weiß aber genau, wann ich aufhören muss. Das Schlimme war, dass ich damals Alkohol mit Tabletten gemixt habe, das hat sich gar nicht gut vertragen. Man hatte mir Klonopin verschrieben, einen absolut harten Stoff, der selbst einen Elefanten in Tiefschlaf versetzen würde. Wie die Sängerin Stevie Nicks mal richtig gesagt hat: "Vergesst Kokain, Klonopin sollte man niemals zu nahe kommen!" Ich bin sehr glücklich, dass ich alles wieder unter Kontrolle habe.

Kurz vor dem Zusammenbruch haben Sie mit Ihren Söhnen auf Parrot Cay geurlaubt, direkt neben Keith Richards. Bald galten Sie als der krawallige Nachbar. Wie haben Sie das bloß hingekriegt?

O ja, ja. An diesen Trip erinnere ich mich gar nicht gerne. Heute kann ich mit Nick und Matthew Witze darüber machen, dass sie immer ihre Nanny zu Hilfe rufen mussten, weil Daddy mal wieder betrunken hingefallen war – damals war das nicht lustig.

In Ihren Ehen wurden Sie häufig enttäuscht, Songs wie "Invisible Touch" handeln davon. Warum haben Sie trotzdem dreimal geheiratet?

Weil ich ein Romantiker bin. Manchmal fühlte es sich ein bisschen komisch an, weil ich immer von einer Beziehung in die nächste gestolpert bin. Aber jedes Mal, wenn's zum Altar ging, habe ich geglaubt, dass es für immer ist.

Phil Collins mit seiner Ex-Frau und Wieder-Partnerin Orianne

Beim Lesen des Buches gewinnt man den Eindruck, die Schweizerin Orianne sei Ihre größte Liebe.

Oh, wir hatten anfangs wunderbare Jahre. Als Liebe meines Lebens könnte man aber wahrscheinlich Lavinia bezeichnen, meine Schulfreundin, mit der ich später noch einmal kurz zusammen war. Eigentlich war ich aber in jeder Phase meines Lebens glücklich.

Für Orianne haben Sie Großes getan: Als sie nach einer Bandscheiben-Operation gelähmt war, saßen Sie als Erster an ihrem Krankenbett – nicht etwa ihr damaliger Ehemann.

Sie ist immer noch mit ihm verheiratet! Es war so, dass er zu mir sagte: "Du gehst zuerst." Also ging ich. Die Orianne, die ich im Krankenzimmer vorfand, war nicht die Orianne, die ich kannte. Aber sie ist unglaublich tapfer. Im Juli hat sie das Matterhorn fast bis zum Gipfel bestiegen, das war ihr großes Ziel. Nicht gewandert, richtig geklettert! Ich bin sehr stolz auf sie. Sie ist ein starkes Mädchen.

Mit Prinz Charles sind Sie befreundet, auch Lady Di kannten Sie gut. Wen mochten Sie lieber?

Hah, diese Schlagzeile geb ich Ihnen nicht! Mit Prinz Charles bin ich in regem Kontakt, ich habe viel Respekt vor ihm. Diana war charmant und süß, ich erinnere mich gerne an sie.

Sie sind Vater von fünf Kindern. Welches könnte der nächste Phil Collins werden?

Wenn's ums Talent geht, sind sie alle sehr begabt (lacht). Simon und Nick sind fantastische Schlagzeuger, Joely produziert Filme, Lily ist eine tolle Schauspielerin und Matthew ein begnadeter Football-Spieler. Ich bin ein glücklicher Mann.

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