Peyman Amin: So tickt der taffe Modelagent wirklich

Peyman Amin wurde als Juror der TV-Castingshow "Germany’s Next Topmodel" bekannt, doch die Wenigsten kennen den einfühlsamen Menschen hinter der Glamour-Fassade, dessen Bruder Omid das Down-Syndrom hat. Im emotionalen Interview mit Gala.de gibt der taffe Modelagent Einblicke in seine Kindheit, verrät, wessen Dame sein Herz erobert hat und ob er noch Kontakt zu Heidi Klum hat

Peyman Amin

Er kennt die schönsten Frauen der Welt, betreute internationale Supermodels wie Gisele Bündchen, Naomi Campbell, Laetitia Casta oder auch Heidi Klum - Peyman Amin ist in der Modewelt zu Hause. Doch so glamourös der Job des 44-Jährigen auch zu sein scheint, so kennt der erfolgreiche Booker auch die Schattenseiten im Leben: Sein älterer Bruder Omid hat das Down-Syndrom, weshalb Peyman dieses Thema besonders am Herzen liegt und warum er sich als prominenter Pate des Deutschen Down-Sportlerfestivals engagiert. Im Interview mit Gala.de erklärte der ehemalige Fernseh-Juror, warum das Event für die behinderten Kinder so wichtig ist, auf wen er sich besonders gefreut und warum er sich über seine einstige TV-Kollegin Heidi Klum gewundert hat.

Was ist deine allererste Erinnerung an das Down-Syndrom, wann hast du gemerkt, dass mit deinem Bruder etwas nicht stimmt?

Willi Herren rechtfertigt sich zum Laura Müller Witz

"Ich habe das ja charmant verpackt"

Willi Herren
Nachdem sich Willi Herren erneut über Michael Wendler und Laura Müller lustig gemacht hat, wird sein Auftritt vom Veranstalter beendet. Wie uneinsichtig Willi sich zeigt, sehen Sie im Video.
©Gala

In dem Alter, in dem man auch anfängt, zu denken. Das hat man schon als kleines Kind ab dem Alter von vier oder fünf Jahren ganz schnell gemerkt. Als man den Unterschied dann auch gesehen hat, sprich beim Wachstum. Da fallen einem schon Unterschiede auf. Mein Bruder kann sich auch nicht so richtig artikulieren wie wir. Aber wenn man mit einem Menschen mit Down-Syndrom aufwächst, dann fallen einem diese Unterschiede gar nicht mehr so auf. Man wächst damit ja selbst auf und kennt es nicht anders. Das gehört zum eigenen Leben einfach dazu.

Peyman und sein großer Bruder Omid

Wie wichtig sind das Deutsche Down-Sportlerfestival und deine Arbeit dort für die Kinder?

Mittlerweile bin ich seit fünf Jahren dabei. Gerade in den letzten drei Jahren haben wir inhaltlich etwas mehr eingebaut. Davor war ich "nur" Pate, da war ich bei der Siegerehrung dabei und habe Medaillen verteilt. Vor drei Jahren kam dann die Idee auf, dass ich auch unbedingt etwas machen muss, was den Kindern Spaß macht: eine Modenschau. Damit verbinden mich die Kids ja auch und sie sind sehr Fashion-orientiert, sehr modebewusst, für die ist so etwas sehr, sehr wichtig. Und dann möchten sie, wenn sie schon die Möglichkeit haben, auch mal im Rampenlicht stehen. Das ist für die Kinder toll. Die Modenschau bietet ihnen eine Plattform, Riesenspaß an der Sache zu haben. Wenn man das live mal gesehen hat und mitbekommen hat, was da für eine Stimmung herrscht – da ist eine große Begeisterung. Dieses Festival ist für die Kinder mittlerweile ein richtiges Highlight geworden, auf das sie sich das ganze Jahr schon freuen.

Von Philina verzaubert

Erkennst du alte Bekannte wieder?

Ich treffe da viele Bekannte wieder. Ich habe beim ersten Down Syndrom Sportlerfestival jemanden kennengelernt: Philina. Ein ganz süßes und tolles Mädchen, das mit ihrer Mutter Nicola immer aus Dortmund kommt und die beiden sind schon seit Anfang an dabei. Philina wollte mich unbedingt kennenlernen und seitdem sind wir sehr gut befreundet. Ich nenne sie immer meine kleine Prinzessin.

Eine Seite aus Philinas selbst gebasteltem Fotoalbum: Peyman und seine "kleine Prinzessin"

Also kennt ihr euch schon gut.

Ja, mittlerweile ist es auch so, dass wir uns regelmäßig zum Geburtstag und zu Weihnachten anrufen, also an besonderen Tagen. Sie hat mir sogar mal ein Buch mit Bildern von dem Sportlerfestival zusammengestellt – dieses Buch ist wirklich herzzerreißend. Auch vom Text und vom Inhalt her, das hat sie alles selbst verfasst. Philina ist wirklich die wichtigste Freundschaft, die in den letzten Jahren dort für mich entstanden ist.

Du bist ja persönlich betroffen: Dein älterer Bruder Omid hat das Down-Syndrom. Wie ist die Kindheit, wenn der eigene Bruder das Down-Syndrom hat?

Ich würde nicht sagen, dass ich viele Opfer bringen musste. Das ist ja auch ein Geben und Nehmen. Man lernt auch viel von Menschen mit Down-Syndrom. Diese Gelassenheit, diese Liebe zum Detail, vor allem aber auch, dass die kleinen Dinge oft sehr wichtig sein können. Es war nie so, dass wir es als Last angesehen haben, mit Omid aufzuwachsen. Wir waren aber auch alle gemeinsam für ihn da. Ich musste nicht die ganze Zeit alleine auf ihn aufpassen. Wir sind eine starke Familie, die immer zusammengehalten hat. Für Omid und mich ist es immer eine Freude, uns zu sehen. Wenn ich die Gelegenheit habe, dann nutze ich die auch, dass wir uns sehen.

Peyman ist mit seinem Opel extra von München angereist und hatte Omid "im Gepäck"

Omid, der weise Bruder

Bestimmt musstest du auch früh Verantwortung übernehmen und es war nicht immer einfach - was war bei dir früher anders als bei deinen Klassenkameraden?

Klar, wenn man früher mit seinen Schulkameraden Fußball spielen wollte, musste man auch mal drauf verzichten und auf Omid aufpassen, wenn meine Eltern mal verhindert waren. Aber das war nicht oft, ich bin ganz normal aufgewachsen, habe in einer Fußballmannschaft gespielt. Ich habe meine Freunde und meine Hobbys gehabt. Ab einem gewissen Alter war Omid auch einfach immer dabei, das war ganz normal.

Was hast du von deinem Bruder gelernt?

Der Ältere ist ja immer der Weisere – so ist es bei uns auch. Auch wenn Omid das Down-Syndrom hat, ändert das nichts an der Tatsache, dass er der ältere Bruder ist. Entsprechend respektvoll geht man dann auch mit ihm um. Wenn wir zum Beispiel im Auto sitzen, ermahnt er mich auch oft, dass ich mich anschnallen soll – er ist eben der große Bruder. Es sind aber vor allem die kleinen Dinge, die man von ihm lernt. Dass man sich an Kleinigkeiten erfreuen kann. Nicht immer nach Größerem und Besserem zu streben, sondern auch mal in sich zu kehren und zu sagen "Hey, ich sollte glücklich sein, ich habe ein tolles Leben, etwas zu essen, zu trinken, meine Freunde und Familie".

Peyman und die Kinder beim Deutschen Down-Sportlerfestival

Du arbeitest in einer Glamour-Welt, man kennt dich aus dem Fernsehen vor allem als ehemaliges Jury-Mitglied bei "Germany's Next Topmodel" - erdet dich deine Kindheit da?

Ja, das kann man schon so sagen. Grundsätzlich habe ich aber stets mein Privatleben von meinem Berufsleben trennen können. Da kann ich ganz klar eine Grenze ziehen. Und so glamourös und schön die Welt ist, in der ich arbeite, so hart ist die Realität auch. Man darf nicht alles schönreden, auch wenn sich mein Beruf um Models und schöne Mode dreht. Es ist – wie jeder andere Beruf auch – ein harter Job. Klar sind aus meinem Privatleben heraus Charaktereigenschaften bei mir entstanden, die mich auch beruflich weitergeführt haben. Verantwortung zu übernehmen, auch mit kleineren Dingen glücklich zu sein. Dass man auch da mit beiden Füßen auf dem Boden bleibt. Das mag durchaus sein, dass mich meine Kindheit diesbezüglich geprägt hat und auch letztendlich dafür verantwortlich ist, dass ich relativ erfolgreich geworden bin.

Man sagt von Menschen, die das Down-Syndrom haben, ja oft, dass sie glücklich wirken. Wie siehst du das?

Es ist auf jeden Fall so: Ein Lächeln eines Menschen mit Down-Syndrom kann verzaubern. Meines Erachtens ist das die authentischste Form von Freude. Insofern kann man von Menschen mit Down-Syndrom auch viel lernen. Die Freude. Die ist in unserer heutigen Gesellschaft, in der es nur darum geht, immer besser zu sein, ein bisschen verloren gegangen. Deshalb kann man auch sagen, dass Menschen mit dem Down-Syndrom tendenziell einen ganz anderen Bezug zum Leben haben als wir "Normalos". Was ich auch bezeugen kann: Menschen mit Down-Syndrom können nicht lügen.

Merkst du deinem Bruder also sofort an, wenn er dich anflunkert?

Da kann man sich wirklich eine Scheibe von ihm abschneiden. Omid ist der ehrlichste Mensch, den ich kenne. Wenn er keine Lust auf etwas hat, dann macht er da auch kein Geheimnis draus. Und er kommt immer direkt zum Punkt. Oder wenn er Musik hört, dann steht er direkt auf uns tanzt – während andere sich da scheuen und schämen würden. Diese Gefühle kennt er nicht – er ist direkt und ehrlich.

Heidi Klum und Peyman Amin diskutierten in der Jury von "Germany's Next Topmodel", wer Deutschlands schönstes Mädchen ist

Heidis geheimnisvolles Geburtstagsgeschenk

Hast du dich bei "Germany's Next Topmodel" oft über die Oberflächlichkeit gewundert, wenn die Mädchen zum Beispiel beim Umstyling geweint haben, weil dir wirklich ernste Dinge im Leben vertraut sind?

Wenn ich so etwas mitkriege, dann vergleiche ich das gerne mit Omid. Wenn man ihm eine Flasche Cola gibt, ist er der glücklichste Mensch auf Erden. Man gibt einem Mädchen eine schöne Tasche mit Make-up drin – man sieht, dass sie nicht so happy ist, weil der Lippenstift nicht die perfekte Farbe hat. Dann denke ich mir auch oft, dass die Mädels wieder runterkommen sollten. Es gibt Schlimmeres auf der Welt. Schaut euch meinen Bruder an, der ist mit einer Flasche Cola happy. Dieser Bezug hat mich auf jeden Fall geerdet.

Du schaust ja auch die aktuelle Staffel von "Germany's Next Topmodel". Was sagst du dazu?

Es ist anstrengend, die Staffel zu gucken und überhaupt eine ganze Folge von vorne bis hinten zu sehen. Es ist immer dasselbe, viel wiederholt sich ja über die Jahre und meines Erachtens liegt der Fokus auch auf den falschen Themen. Es wird immer eine Zicke auserkoren und darauf liegt dann der Fokus, dann ist das für mich so abgelutscht – das nervt einfach. Viele Shootings – zum Beispiel das Glatzen-Shooting, vom Hochhaus springen – das gab es alles schon.

Hast du nach so langer Zeit noch Kontakt zu Heidi? Ich habe gelesen, dass sie dir zum Geburtstag etwas geschickt hat.

Ich habe keinen stetigen Kontakt zu Heidi. Für mich war ihr Geburtstagsgeschenk eine Riesen-Überraschung.

Was hat sie dir denn geschenkt?

Das bleibt mein Geheimnis.

Hast du dich denn über ihr Geschenk gefreut?

Jein.

Wird man dich in einer neuen Model-Show im Fernsehen sehen, oder hast du davon nun genug?

Das Format muss zu mir passen. Ich wurde zum Beispiel für "mieten, kaufen, wohnen" angefragt, sollte ein Schloss in Nürnberg besichtigen und so tun, als würde ich dort ein Model-Apartment suchen. Aber das mache ich nicht, weil das einfach nicht der Wahrheit entspricht. Es gab schon so viele lächerliche Angebote. Wichtig ist, dass es zu mir passt, ich nicht irgendeinen Unsinn erzählen muss und dass es authentisch ist. Wenn es das Richtige ist, bin ich dabei.

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche