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Patrick Lindner "Familie ist da, wo Liebe wohnt!"

Patrick Lindner, Peter Schäfer
Patrick Lindner, Peter Schäfer
© Stephan Pick
Bisher hielten Schlagerstar Patrick Lindner und sein Partner Peter Schäfer ihr Privatleben unter Verschluss, doch jetzt gehen sie in die Offensive. Exklusiv in "Gala" sprechen sie über ihr glückliches Familienleben, die richtige Erziehung - und den Streit mit Lindners Ex

Sie sind eine Patchworkfamilie der besonderen Art: Patrick Lindner, Adoptivvater des 16-jährigen Daniel, und Peter Schäfer, leiblicher Vater eines heute 28-jährigen Sohnes, den er mit seiner besten Freundin zeugte. Dazu kommt, dass Lindner und Schäfer erst seit dreieinhalb Jahren zusammen sind - und die Familienangelegenheiten für Linders Ex noch nicht endgültig geklärt sind. Im "Gala"-Interview reden die beiden schwulen Väter nun zum ersten Mal über den Stand der Dinge.

Herr Lindner, fünf Jahre nach Ihrer Trennung von Michael Link trat Peter Schäfer in Ihr Leben. Wenn Eltern sich neu verlieben, haben die Kinder meist sehr daran zu knabbern. Wie hat Daniel auf den neuen Freund seines Papas reagiert?

Patrick Lindner: Zurückhaltend und abwartend. Als Peter und ich uns kennenlernten, war Daniel zwölf Jahre alt. Er hatte sich gerade an die Vorteile gewöhnt, die sich für ihn daraus ergaben, dass ich alleinerziehend war.

imagePeter Schäfer: Und auf einmal hast du nicht mehr so funktioniert, wie er es gewohnt war. Das war für ihn eine große Umstellung. Am Anfang hat mir Daniel deshalb auch mal kernige Sprüche reingedrückt. Zum Beispiel: "Du bleibst bestimmt nicht lange!"

Daniel steckte zu diese Zeit bereits in der Pubertät.

Lindner: Und deshalb hat es auch immer wieder geknallt.

Schäfer: Daniel ist ein Mensch, der gerne mal mit dem Kopf durch die Wand will. Er sucht die Reibung. Und dass Kinder versuchen, die Eltern gegeneinander auszuspielen, ist ja auch nichts Neues. Deshalb muss ein Nein auch ein Nein bleiben. Zu Beginn unserer Beziehung hat das aber nicht immer geklappt.

Hat Daniel eigentlich noch regelmäßig Kontakt zu Ihrem Ex-Lebensgefährten Michael Link?

Lindner: Nein, die beiden haben sich seit Jahren nicht mehr gesehen.

Aus welchem Grund?

Lindner: Das war einzig und allein Daniels Entscheidung. Mein Ex-Partner hat es 2006 erfolglos auf einen Gerichtsprozess ankommen lassen, weil er unbedingt das Umgangsrecht für Daniel einklagen wollte. Das hat Daniel ihm sehr übel genommen.

Aber wurde Ihr Sohn nicht auch von Ihrem Ex-Partner adoptiert?

Lindner: Nein, das war nie der Fall. Ich habe Daniel 1999 alleine adoptiert. Eine andere Variante war damals laut Gesetz nicht möglich und ist es auch bis heute noch nicht.

Das Thema Adoption durch homosexuelle Paare sorgt immer wieder für hitzige Diskussionen, selbst bei progressiven Menschen. Wie erklären Sie sich das?

Schäfer: Das Bild der klassischen Familie - Vater, Mutter, Kind - ist bis heute in vielen Köpfen fest verhaftet. Aber die entscheidende Frage ist doch, wie wir den Begriff definieren. Für mich ist Familie immer da, wo Liebe wohnt. In einem liebevollen Umfeld kann jedes Kind wunderbar aufwachsen. Auch mit zwei Vätern oder zwei Müttern.

Lindner: So manche Vorurteile kommen sicher auch daher, dass die Medien immer wieder Klischees bedienen. Beim Thema Homosexualität denken viele nur an CSD-Paraden, nackte Ärsche und schrille Dragqueens. Diese Menschen glauben, dass das schwule Leben generell so aussieht und man "solchen Leuten" natürlich kein Kind geben darf.

Schäfer: Aber an Beispielen wie unserem kann doch jeder sehen, dass es sehr wohl bestens funktioniert. Wir haben uns der Herausforderung gestellt und wollen den an uns gestellten Auftrag erfüllen: unsere Kinder gründlich zu erziehen, ihnen Werte zu vermitteln und soziales Verständnis mitzugeben. Darin unterscheiden wir uns in keiner Weise von Heterosexuellen.

Was sagen Sie zur These, dass ein Kind für die Entwicklung auch weiblichen Erziehungseinfluss braucht?

Lindner: Nehmen wir mal an, da ist ein Paar mit zwei Kindern, und die Mutter stirbt bei einem Unfall. Würde in so einem Fall jemand auf die Idee kommen, dass der Vater die Kinder ins Heim geben muss, nur weil keine Frau mehr da ist? So eine Denke ist absurd! Außerdem ist es doch selbstverständlich, dass Daniel auch viele weibliche Bezugspersonen hat.

Zum Beispiel Ihre Mutter Hedwig?

Lindner: Genau. Es war ein Geschenk, dass meine Mutter immer für Daniel da war. Alleine hätten wir es manchmal wirklich nicht geschafft, zumal wir nie ein Kindermädchen einstellen wollten. Und weil wir in München nur 80 Meter voneinander entfernt wohnen, helfen wir uns bis heute gegenseitig.

Schäfer: Vor drei Jahren war es noch so, dass sich Hedwig um Daniel gekümmert hat, wenn wir unterwegs waren. Heute ist es so, dass er unter anderem die Aufgabe hat, für die Oma zu kochen, wenn Patrick und mir die Zeit dazu fehlt. Hedwig bekommt das mit 88 Jahren nämlich nicht mehr so gut hin.

Daniel kann kochen?

Lindner: Natürlich! Wir sehen es als unseren Auftrag, ihn zur Selbstständigkeit zu erziehen. Wir haben auch keine Putzfrau, sondern erledigen das jedes Wochenende gemeinsam mit unserem Sohn zusammen. Er soll wissen, was im echten Leben abgeht.

Apropos echtes Leben. Ist es wichtig, dass man bereits in der Schule mit Kindern über das Thema sexuelle Vielfalt spricht?

Schäfer: Kinder sind von ihrem Wesen her für alles offen und kennen keine Berührungsängste. Es ist meist die Erziehung mancher Eltern, die sie homophob werden lässt. Wenn die sich zu Hause abfällig über "die Schwuchteln" äußern, dann saugen die Kinder das natürlich auf.

Lindner: Und deswegen ist es so wichtig, dass die Schule gegensteuert und im Unterricht ganz selbstverständlich und unaufgeregt mit ihnen über das Thema spricht. Ansonsten wird sich nie eine Entspanntheit und Normalität einstellen. Dann wird auf den Schulhöfen die "schwule Sau" auch in Zukunft das meistbenutzte Schimpfwort bleiben.

Alexander Nebe Gala

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