Nina Eichinger: "Ich denke viel an Papa"

Als ihr Vater im Januar überraschend starb, änderte sich für Nina Eichinger alles. Nun ordnet die 29-Jährige ihr Leben neu und sprach mit "Gala" über ihre Zukunftspläne - und die Erinnerung an einen Mann, den nur wenige wirklich gut kannten

Frau Eichinger, wie geht es Ihnen?

Es geht ganz gut, auch wenn ich manchmal nicht so recht weiß, wo mir der Kopf steht. Aber langsam gibt es wieder so etwas wie Alltag und positiven Stress. Eventuell bekomme ich bald eine eigene Radiosendung, und beim Bayerischen Rundfunk moderiere ich demnächst die Talentshow "Mia san mia".

Haben Ihre Eltern das Moderationstalent schon früh erkannt?

Mein Vater war sich sehr früh ganz sicher und hat mich auch in diese Richtung geschubst. Da wollte ich noch Tierärztin und Schauspielerin werden. Tiermedizin habe ich ja auch studiert.

Typ-Veränderung bei Adel Tawil

Er verrät den Grund für seine blonden Haare

Adel Tawil
Adel Tawil veröffentlichte auf Instagram ein Foto, auf dem er sich mit wasserstoffblonden Haaren zeigt. Jetzt verrät er den Grund für diese krasse Typveränderung.
©RTL / Gala

Eine spannende Kombination …

Ja, mein Kindheitstraum war: Ich spiele in zwei, drei Filmen im Jahr die Heldin, und den Rest des Jahres lebe ich auf einem Bauernhof, betreibe eine Praxis und rette Tiere. Solche Träume verschwinden ja nie ganz. Wenn heute eine Fee kommen würde und ich hätte einen Wunsch frei, dann würde ich mir genau das wünschen. (lacht)

Den Traum von einem Leben als Tierärztin haben Sie ja aufgegeben, weil Sie in San Diego studierten, unbedingt nach Deutschland zurück wollten und das Studium hier nicht angerechnet wurde. Aber warum haben Sie die Schauspielpläne nicht weiter verfolgt?

Als Teenager hatte ich ein Selbstvertrauensproblem. Damals habe ich für mich beschlossen, dass ich nicht "die Tochter vom Produzenten" sein will, die nun eben Schauspielerin ist. Das war eine Frage des Stolzes – ich wollte mich selbst beweisen. Außerdem haben mir viele Leute gesagt: Schauspielerei und Moderation geht nicht zusammen, da musst du dich schon entscheiden. Heute ärgere ich mich wahnsinnig, dass ich nicht auf meinen Vater gehört habe, der mich bei meinen Träumen immer ermutigt hat.

Ratgeber, Antreiber und vor allem Papa: Bernd Eichinger mit Nina 2010 beim Deutschen Filmball. Obwohl sie bei ihrer Mutter aufwuchs, war der Kontakt zu ihm immer eng.

Noch ist es nicht zu spät!

Genau, eigentlich wollte ich es schon im vergangenen Jahr angehen. Zu Weihnachten hatte mir mein Vater eine Box geschenkt, in der die Unterlagen für verschiedene Schauspielkurse drin waren. Ich sollte mir einen aussuchen. Das war dann auch einer der Gründe, warum ich im Januar in Los Angeles war. Ich wollte dort einen Intensivkurs machen. Leider kam das Schicksal dazwischen.

Der Tod Ihres Vaters, den Sie miterlebten.

Ja, und bis heute kann ich noch nicht wirklich darüber reden. Aber ich bin wahnsinnig froh, dass ich bei ihm sein durfte. Das ist vielleicht eine Typsache. Aber lieber so, als dass man sein Leben lang bereut, dass man in diesem Augenblick fehlte.

Wie haben Sie das Geschehene verarbeitet?

Noch gar nicht, und es wird wohl noch eine ganze Weile dauern. Ich bin viel empfindlicher geworden und seitdem viel näher am Wasser gebaut. Natürlich versuche ich mich abzulenken. Das fällt mal leichter, mal schwieriger. Zwischendurch habe ich wieder richtig Spaß, aber dann holt mich die Erinnerung ein.

Für Nina Eichinger gibt es langsam wieder so etwas wie Alltag und positiven Stress.

Wie verstehen Sie sich mit Katja Eichinger, Ihrer Stiefmutter?

Wir sind enger zusammengerutscht. Unser Verhältnis war vorher bereits freundschaftlich, durch die Erlebnisse ist es noch enger geworden. Es ist einfach schön, viel Zeit mit Menschen zu verbringen, die meinen Vater gut kannten, um Erinnerungen über ihn zu teilen. Und es gab nicht so viele Menschen, die meinen Vater wirklich gut kannten.

Wie haben Sie Ihre Kindheit als Trennungskind in Erinnerung? Wie war Bernd Eichinger als Vater?

Ich habe nie unter der Trennung meiner Eltern gelitten, weil ich es gar nicht anders kannte. Meine Eltern waren 15 Jahre zusammen und haben dann quasi als Abschluss noch ein Kind bekommen. Aber auch hinterher waren sie sehr eng befreundet, und mein Vater war immer für mich da. Bei allen großen Terminen sowieso, egal ob Geburtstag, Weihnachten oder Schulvorführungen, haben wir als Familie gefeiert. Aber wir sind auch einmal im Jahr zusammen in Urlaub gefahren und haben gemeinsame Wochenenden verbracht Das war natürlich toll und oft eine ganz andere Welt.

Inwiefern?

Na ja, mit meiner Mutter habe ich in relativ normalen Verhältnissen gewohnt. Am Wochenende mit Papa stand ich aber schon mal im Abendkleid bei einer großen Premiere. Oder er war mit mir Ski fahren und in Amerika. Oft sind wir auch zum "Romano" oder ins "Schumann’s", seine Stammkneipe.

Am 23. August wird in Berlin im Theater am Potsdamer Platz der First Steps Award verliehen. Nina und Bernd Eichingers Witwe Katja, hier bei einer Filmvorführung zum Gedenken an Bernd Eichinger, werden dabei sein. Diese Veranstaltung war ihm immer eine Herzensangelegenheit.

Klingt ein bisschen nach dem Wochenend-Vater, der nicht so genau weiß, was er mit der kleinen Tochter anstellen soll …

Genau, aber ich fand das super! Da durfte ich bestellen, was ich wollte. Meine Mutter hätte mir schön den Marsch geblasen! Im "Schumann’s" kamen die Barkeeper und fragten mich: "Welche Farbe willst du?" Und wenn ich "Blau!" gesagt habe, dann stand kurz darauf ein riesiges knallblaues Getränk vor mir. Ich habe da literweise alkoholfreie Cocktails getrunken, weil ich jede Farbe durchtesten wollte. (lacht)

Fühlen Sie sich heute als Bewahrerin des Vermächtnisses von Bernd Eichinger?

Ich habe mich wirklich schon gefragt: Wie halte ich seine Ideale und die Erinnerung an ihn am Leben? Der erste große Schritt für mich war, dass ich in den Aufsichtsrat von "Artists for Kids" eingetreten bin. Das war ja ein Baby meines Vaters.

Trauerfeier

Abschied von Bernd Eichinger

Trauerfeier Bernd Eichinger: Trauerfeier für Bernd Eichinger in München.
Trauerfeier Bernd Eichinger: Nina Eichinger
Trauerfeier Bernd Eichinger: Hannelore Elsner
Trauerfeier Bernd Eichinger: Thea und Thomas Gottschalk

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Und nun wird es bald eine Neuerung beim First Steps Award geben…

Ja, beim First Steps Award wird der Nachwuchs gefördert, was ihm wahnsinnig wichtig war, weil er selber ja auch nicht aus einer Film-, sondern aus einer Ärztefamilie kam. Die hatte nur begrenzt Verständnis für seine Träume, und darum wusste er, wie toll es ist, wenn man als junger Mensch seine Berufung findet und dann auch noch gefördert wird. Aber mehr verrate ich noch nicht.

Gibt es noch mehr Ideen, um sein Andenken zu wahren?

Das kann man noch nicht so genau sagen, aber für mich ist auch wichtig, dass mein eigenes Leben weitergeht. Ich denke viel an Papa. Und am wichtigsten ist doch, dass ich ihn selber in mir trage. Dafür muss ich keinen Preis verleihen. Alexander Stilcken

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