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Nina Eichinger "Hauptsache raus, dann geht's mir besser!"

Nina Eichinger
© Dieter Mayr für Gala
Nina Eichinger über die schwere Zeit seit dem Tod ihres Vaters, über Ängste und sein Vermächtnis - und warum die Natur ihr hilft, nach vorn zu schauen

Die Haare sind noch nass, und sie hat sich einfach nur schnell was übergeworfen. Nina Eichinger ist ungeschminkt, sagt lächelnd: "Jetzt hab ich gerade gestern natürlich einen Pickel gekriegt!" Die 31-Jährige kommt mit Mischlingshündin Loba zum Treffen im "Maisinger Seehof", wo sie mit "Gala" reden will. Sie hatte es nicht weit, denn sie wohnt quasi um die Ecke auf einem alten bayrischen Bauernhof.

Nina strahlt eine fulminante Fröhlichkeit aus! Wer sie so sieht, wird nicht erkennen, dass sie vor zweieinhalb Jahren einen Schicksalsschlag erlitten hat: Damals starb ihr Vater Bernd Eichinger mit nur 61 Jahren an einem Herzinfarkt. Wir treffen uns, um auch über die "First Steps Awards" zu sprechen, die am 16. September in Berlin verliehen werden: Diese Auszeichnung für Nachwuchstalente rief ihr Vater mit Nico Hofmann ins Leben. Nina Eichinger wird an dem Tag den "No Fear Award" vergeben. Natürlich geht es im Gespräch immer wieder um ihren Vater. Das sind die Momente, in denen sie sehr leise und sehr ernst wird.

Nina Eichinger fühlt sich wohl beim Gala-Shooting am Maisinger See.
Nina Eichinger fühlt sich wohl beim "Gala"-Shooting am Maisinger See.
© Dieter Mayr für Gala

Was bedeuten Ihnen die "First Steps"?

Es freut mich sehr, dass dieser Preis einen solchen Stellenwert erlangt hat. Papa lag die Förderung junger Talente sehr am Herzen. Dieses Jahr finden die "First Steps" außerdem an meinem Geburtstag statt. Das finde ich schön, mein Vater hat immer gesagt, das sei sein Glückstag. Alle großen Produktionen liefen um den 16. September an. Ich finde es cool, dass ich meinen ersten "No Fear Award" nun an diesem Tag vergeben kann.

Nach dem Tod Ihres Vaters haben Sie und seine Witwe Katja den "No Fear Award" gestiftet. Was hat "No Fear" für Bernd Eichinger bedeutet?

Er hat immer zu mir gesagt: "Die Angst ist ein schlechter Ratgeber." Einer seiner Assistentinnen, die Produktion studierte, hat er ein Messer geschenkt, auf zu sprechen, die am 16. September in Berlin verliehen werden: darf man seine Angst nicht zeigen oder sich von ihr leiten lassen. Man muss seine Angst überwinden - das hat er gelebt. Der Award hätte ihm gefallen.

Welches Lebensmotto begleitet Sie?

"Die Angst ist ein schlechter Ratgeber" von Papa ist mir schon oft im Kopf. Er hat auch immer gesagt: "Keep your head in the stars and your feet on the ground", das finde ich auch schön. In meinem Kalender steht seit zwei Jahren "Don’t let them scare you".

Wovor hatten Sie zuletzt Angst?

Man hat ja immer Angst, die Frage ist nur, wie sehr. Wenn ich jemanden anrufe für eine Wohnung, die ich unbedingt haben will, mache ich mir Gedanken. Wenn ich ein Foto mache, frage ich mich: Sieht das einigermaßen aus? Man hat ja immer diese Zweifel. Ich bin noch dabei zu lernen, wovor ich eigentlich Angst habe und wie das mein Handeln bestimmt.

Mit dem "No Fear Award" zeichnen Sie Risikofreude aus. Wie risikofreudig sind Sie selbst?

Nicht so sehr - wenn ich das Risiko nicht einschätzen kann. Mein Vater fand immer, dass ich mutig bin. Das hat er bewundert. Er bezog das zum Beispiel aufs Bergsteigen. Aber da kann ich auf meine Kraft vertrauen und meine Grenzen einschätzen.

Kam es aus diesem Grund nie für Sie in Frage, in die Fußstapfen Ihres Vaters zu treten und Produzentin zu werden?

Ende Juni eröffnete Bernd Eichingers Witwe Katja mit Nina die Ausstellung "...alles Kino" in der Deutschen Kinemathek in Berlin - eine Hommage aus Fotos und Filmausschnitten. Es sei ein schwerer Tag für sie gewesen, sagt Nina.
Ende Juni eröffnete Bernd Eichingers Witwe Katja mit Nina die Ausstellung "...alles Kino" in der Deutschen Kinemathek in Berlin - eine Hommage aus Fotos und Filmausschnitten. Es sei ein schwerer Tag für sie gewesen, sagt Nina.
© Picture Alliance

Wahrscheinlich. Ich bin jemand, der sich gerne absichert. Ich weiß, wie viele Risiken mein Vater eingegangen ist und dass er eigentlich immer im freien Fall war. Solche existenziellen Ängste überwinden zu müssen, würde mich auf Dauer fertigmachen. Mir würde es schwerfallen, von einer Geschichte so überzeugt zu sein und für ein Projekt so tough einzustehen. Mein Vater konnte das.

Sie sind Aufsichtsrätin beim Jugendhilfeprojekt "Artists for Kids", das Ihr Vater gegründet hat. Wie wichtig ist es Ihnen, sein Vermächtnis fortzuführen?

Ein erfolgreiches Familienprojekt will man natürlich erhalten und pflegen. "Artists for Kids" war meinem Vater wie die "First Steps" besonders wichtig. Er war neugierig auf den Nachwuchs, wollte die jungen Leute kennenlernen und unterstützen. Er hat selber viel kämpfen müssen und hätte sich eine Organisation gewünscht, die ihn fördert. Ich bin da ganz bei Papa: Wenn wir wollen, dass die Welt besser wird, müssen wir anderen helfen. Es ist schön zu sehen, dass seine Gedanken weitergetragen werden. Ich hätte wahrscheinlich eher eine Umweltstiftung gegründet ...

Sie haben Umweltwissenschaften studiert. Wofür engagieren Sie sich?

Ich versuche mich so viel wie möglich zu engagieren. So unterstütze ich zum Beispiel den "Clean Tech Award", den ich dieses Jahr auch moderiere, helfe seit zwei Jahren einen "grünen Filmpreis" aufzubauen und freue mich, dass ich immer mehr in dieser Szene unterwegs bin. Um mehr zu lernen, mache ich gerade eine Ausbildung in ökologischem Landbau, die ein Jahr dauert.

Und Ihre Schauspielambitionen?

Die sind immer noch da. Aber als das mit meinem Vater passiert ist, habe ich erst mal alle Seminare und Trainings abgesagt, für die ich mich schon angemeldet hatte. Ich hatte weder die Kraft noch den Willen, etwas komplett Neues anzufangen. Ich war froh, altvertraute Sachen zu haben, auf die ich mich verlassen kann. Außerdem muss man in der Schauspielerei an seine Emotionen ran, das ging für mich auch nicht.

2010 wurde Bernd Eichinger bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises mit der Ehren-Lola ausgezeichnet. Begründung der Jury: Er habe den deutschen Film geprägt wie kaum ein anderer
2010 wurde Bernd Eichinger bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises mit der Ehren-Lola ausgezeichnet. Begründung der Jury: Er habe den deutschen Film geprägt wie kaum ein anderer
© Picture Alliance

Wie gehen Sie mit dem Verlust Ihres Vaters um?

Es dauert wesentlich länger, das zu verarbeiten, als man denkt. Wie man am besten damit umgeht, muss jeder für sich entdecken.

Was ist die schönste Erinnerung an Ihren Vater?

Ach, das sind so viele ... Da würde ich nie etwas herauspicken wollen.

Was tun Sie, wenn Sie betrübt sind?

Ich bin gern draußen in der Natur und treibe Sport. Ob es Wandern, Laufen oder Reiten ist - Hauptsache raus, dann geht’s mir immer besser!

Was fühlen Sie heute, wenn Sie an Ihren Vater denken?

Ich kann das schlecht in Worte fassen, weil ich es in einem gewissen Maß nur oberflächlich zulasse. Ich denke oft an ihn, aber ich merke, dass ich da noch nicht tiefer gehe. Ich kann mich damit noch nicht richtig auseinandersetzen. So weit bin ich noch nicht.

Sie sind seit über einem Jahr mit Ihrem Freund Friedrich Meinikat, einem Vermögensverwalter, glücklich. Planen Sie eine Familie?

Ich möchte auf jeden Fall Kinder, irgendwann. Doch momentan habe ich das Gefühl, dass ich mich erst wieder fangen muss. Ich wurde so aus der Balance geworfen durch Papas Tod. Ich denke, ich sollte erst mal wieder in die Mitte kommen.

Was planen Sie für die Zukunft?

Ich hätte gern ein zweites Standbein in der Natur- und Ökorichtung. Vielleicht mache ich Imkerei und habe meine eigenen Bienen, oder ich gründe tatsächlich eine Stiftung. Außerdem wünsche ich mir mehr Regelmäßigkeit im Leben. Meine Traumvorstellung ist, eine monatliche Sendung zu moderieren. Dann könnte ich strukturierter mit allem umgehen.

Hat der Tod Ihres Vaters Ihre Einstellung zum Leben verändert?

Ich hätte einen großen Teil der Verarbeitung schon hinter mir, wenn ich so reflektiert zurück-schauen könnte. Es wird bestimmt etwas in mir verändert haben. Wie sich das auswirkt und welche Schlüsse ich daraus ziehe, wird sich zeigen. 


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