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Nazan Eckes "Mitten ins Herz"

"DSDS"-Moderatorin Nazan Eckes erklärt im "Gala"-Interview, warum sie die Proteste in der Türkei zu Tränen gerührt haben. Und wie sie mit den permanenten Babygerüchten um ihre Person umgeht

Lasziv rekelt sich Nazan Eckes auf der Samtcouch, zieht am Zigarillo - und bekommt einen Hustenanfall. Denn eigentlich ist sie überzeugte Nichtraucherin. "Insofern war dieses Fotomotiv eine echte Herausforderung für mich", sagt die Moderatorin und lacht. "Zum Glück konnte ich den Nikotingeschmack mit Gummibärchen wieder einigermaßen aus dem Mund bekommen."

Für "Gala" ließ sich Eckes, die ab Januar zum zweiten Mal den RTL-Dauerbrenner "Deutschland sucht den Superstar" moderiert, als Türkan Şoray inszenieren. Şoray ist eine türkische Filmdiva, die Nazan Eckes und ihre Schwester schon als Mädchen bewundert haben.

Beim Thema Türkei wird die 37-jährige Tochter türkischer Einwanderer im "Gala"-Interview nachdenklich. Man spürt: Die immer wieder aufflammenden regierungskritischen Unruhen am Bosporus, vor allem die vielen Toten, gehen ihr sehr nahe.

2013 ist für die Türkei ein sehr unruhiges Jahr. Wie haben Sie die Massenproteste erlebt?

Mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit, Wut, Begeisterung und Stolz: Zum ersten Mal sind nicht nur junge Intellektuelle auf die Straße gegangen, sondern auch Hausfrauen, Mütter und Väter, ganze Familien.

Wie stark hat Sie das emotional berührt?

Es hat mich mitten ins Herz getroffen. Manchmal saß ich zu Tränen gerührt vor dem Fernseher. Für mich und meine Familie gab es wochenlang kein anderes Thema. Einige Verwandte haben sich auch vor Ort an Protesten beteiligt. Mir war das aus beruflichen Gründen leider nicht möglich.

Nazan Eckes divenhaft beim GALA-Shooting in Hamburg. Eine Diva? Für die RTL-Allzweckwaffe ist das eine starke Frau, die mit ihrem Sex-Appeal spielt, dabei aber nicht zu viel von sich preisgibt. Ihre Lieblingsdiven? Sophia Loren und die türkische Schauspielerin Türkan ?oray.
Nazan Eckes beim "Gala"-Shooting in Hamburg. Eine Diva? Für die RTL-Allzweckwaffe ist das eine starke Frau, die mit ihrem Sex-Appeal spielt, dabei aber nicht zu viel von sich preisgibt. Ihre Lieblingsdiven? Sophia Loren und die türkische Schauspielerin Türkan Şoray.
© Johanna Brinckman

Steht die moderne emanzipierte Frau in der Türkei wieder stärker unter Druck?

Ich glaube nicht, dass sich die Frauen das wegnehmen lassen, was sie sich über Generationen hart erkämpft haben. Aber sie werden sich immer wieder behaupten und ihre Stimme erheben müssen. Generell können wir aber auch nicht pauschalisieren und von der Frau in der Türkei sprechen.

Warum?

Weil ein Großteil der Landbevölkerung sehr religiös ist und es für die Frauen dort völlig selbstverständlich ist, sich zu verschleiern. Ich finde, das muss man genauso respektieren wie den Wunsch der modernen Frau, keinen Schleier zu tragen. Generell sollte es auch eine private Entscheidung bleiben, ob eine Frau mit oder ohne Kopftuch leben möchte. Keine Regierung darf sich so weit in das Leben der Menschen einmischen.

Zweite Karriere in der Türkei? Jüngst wurde Nazan Eckes dort eine Serien-Hauptrolle angeboten - zeitlich kam es nicht hin: "Vielleicht klappt es in der Zukunft mit einem Filmprojekt. Riesige Lust hätte ich auf jeden Fall".
Zweite Karriere in der Türkei? Jüngst wurde Nazan Eckes dort eine Serien-Hauptrolle angeboten - zeitlich kam es nicht hin: "Vielleicht klappt es in der Zukunft mit einem Filmprojekt. Riesige Lust hätte ich auf jeden Fall".
© Johanna Brinckman

Droht der Türkei eine Islamisierung?

Alkoholverkaufsverbot nach 22 Uhr, Aufhebung des Kopftuchverbots für Frauen im Staatsdienst oder jüngst der Fall einer TV-Moderatorin, die ihren Job verloren hat, weil sie in ihren Shows angeblich zu viel Dekolleté gezeigt hat - das alles zeigt ja deutlich, in welche Richtung es gehen soll und wie sich die Regierung eine perfekte Türkei vorstellt. Die Frage ist: Wieweit wird die kritische moderne Jugend das mitmachen?

Diskutieren Sie diese Fragen auch mit Ihrem Mann, dem österreichischen Maler Julian Khol?

Natürlich. Durch mich hat Julian einen starken Bezug zur Türkei, daher haben ihn die Proteste genauso bewegt wie mich. Wir diskutieren generell sehr viel, egal ob über Politik oder ganz alltägliche Themen.

Wie haben Sie und Julian im Sommer Ihren ersten Hochzeitstag verbracht?

Da mussten wir nicht lange diskutieren. Den wollten wir eigentlich in Florenz feiern - dort, wo wir Ja gesagt haben. Leider war das vor allem aus Termingründen nicht möglich. Dafür sind wir dann in die Stadt gefahren, in der mir Julian den Heiratsantrag gemacht hat: Wir sind verliebt durch Paris geschlendert und romantisch essen gewesen. Es war herrlich!

Sie und Ihr Mann sind beruflich stark eingebunden. Wie organisiert man da die gemeinsame Freizeit?

Wenn wir uns mal für einen längeren Zeitraum nicht sehen können, schaufeln wir ganz schnell ein paar Tage frei. Meine Schwester, die mein Management macht, achtet bei der Terminplanung akribisch darauf! Das ist ganz praktisch. Meist landen wir mit einer Portion Pasta auf der Couch und schauen US-Serien auf DVD.

Wie lange sind Sie maximal voneinander getrennt?

Zwei Wochen sind die absolute Schmerzgrenze. Danach wollen wir die Wohnung am liebsten gar nicht mehr verlassen. Wir haben auf nichts anderes Lust als auf uns.

Was sagen Sie zu den immer wieder aufkeimenden Babygerüchten?

Ich erinnere mich noch an den wütenden Anruf meiner Mutter: Wie es sein kann, dass sie erst aus der Zeitung von meiner Schwangerschaft erfährt! Die musste ich erst mal beruhigen und aufklären. Am Anfang haben Julian und ich noch darüber geschmunzelt, aber nach der dritten Falschmeldung wurde es nervig. Schwierig war es vor allem für Julian. Egal wo er in Wien hinging, wurde ihm gratuliert. Er stand dann etwas ratlos da.

Sie sind auch weiterhin nicht schwanger?

Jetzt reden wir schon wieder über das Thema Nachwuchs! (lacht) Natürlich wollen wir irgendwann ein Baby. Aber wie alle anderen Paare müssen auch wir schauen, wann es passt. Aber keine Sorge, allzu lange wird es sicher nicht mehr dauern.

Alexander Nebe

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