Muriel Baumeister "Ich sage immer Patchwürg"

Muriel Baumeister
Muriel Baumeister
© SAT.1/Frank Zauritz
Muriel Baumeister ist erfolgreiche Schauspielerin und Mutter von drei Kindern – die von drei Vätern stammen. In GALA verrät sie, wie sie ihr ungewöhnliches Privatleben meistert

Als Erstes fallen einem ihre Augen auf – groß wie die von Bambi. Allerdings in Blau. Aber nicht nur das unterscheidet Muriel Baumeister von einem scheuen Reh. Die 43-Jährige spielte bereits in zahlreichen, erfolgreichen TV-Formaten und Kinofilmen mit. In den Neunzigerjahren wurde sie sogar mit der jungen Romy Schneider verglichen.

Familie ist ihr besonders wichtig

Doch eins war Muriel Baumeister neben der Schauspielerei immer besonders wichtig: ihre Familie. Zu den vielen Partys, Empfängen und Filmpremieren, zu denen sie eingeladen wird, geht sie deswegen nur selten. "Mich ständig zu präsentieren ist mir zu anstrengend", sagte sie mal. Denn "nebenbei" stemmt sie eine Patchwork-Familie mit drei Kindern und drei dazu gehörenden Vätern.

Ab Dienstag, 15. September, 20.15 Uhr, ist Muriel Baumeister in der Sat.1-Serie "Frauenherzen" als alleinerziehende Mutter zu sehen. GALA traf die Powerfrau im Berliner Café "Anna Blume" in Prenzlauer Berg und sprach mit ihr über Rollen, die an die Nieren gehen – und über volle Kühlschränke. Aus der Ruhe brachte sie an dem Tag nur eine Wespe, die hartnäckig immer wieder von ihrem Spinat-Crêpe kostete.

Ihre drei Kinder sind 21 Jahre, neun Jahre und acht Monate alt. Wann haben Sie das letzte Mal richtig ausgeschlafen?

Immer wenn ich drehe, muss ich nicht vor sieben raus, so war das jetzt auch bei "Frauenherzen". Das war dann mein Ausschlafen. Beim Drehen ist es für mich aber eh immer ein bisschen wie Urlaub, da fragt immer mal einer, ob ich einen Kaffee oder so etwas will. Das habe ich ja zu Hause nicht.

Aber Sie nehmen auch Hilfe in Anspruch?

Ja, ich habe eine wundervolle Kinderfrau und drei Väter zu den Kindern. Und die helfen nicht nur, die kümmern sich, wie Väter das tun sollten. Das klappt nicht in allen Familien so. Das ist dann aber schade. Auch wenn man getrennt ist, muss man ja nicht die Vater-Mutter-Kind-Beziehung wegwerfen. Dafür haben wir was tun müssen, klar. Ich sage immer Patchwürg statt Patchwork, weil es wirklich nervt. Aber es ist die einzige Chance für sich selbst und für die Kinder.

Wie funktioniert das bei Ihnen?

Am Wochenende gehen wir oft in unterschiedlichen Besetzungen mit Kindern und Vätern essen, da ist dann auch oft meine Schwester dabei und deren Mutter, die ja auch nicht meine ist. Wir leben Patchwork-Familie schon in dritter Generation.

Und dann geht die Woche wieder los?

Am Montag fängt der ganz normale Arbeits- und Schulalltag wieder an. Mein Sohn ist ja bereits ausgezogen, aber lebt auch in Berlin. Sein Vater ist ein enger Freund, wir telefonieren regelmäßig und treffen uns zum Kochen. Wir feiern auch Weihnachten alle gemeinsam.

Was ist die größte Herausforderung im Patchwork-Alltag?

Um das hinzukriegen, muss man die eigenen Befindlichkeiten zurückstellen. Es ist nicht immer leicht, die Alltagsmutter zu sein, die die ganze Woche sagt: "Mach Hausaufgaben, putz Zähne." Es gibt schon Momente, wenn die Kinder krank sind, in denen ich denke: Könnte mal jemand anderes die Bettwäsche wechseln? Aber so ist es eben. Trotzdem: Es klappt. Das Einzige, was mich nervt, ist, dass ich seit zehn Jahren alleine die Adventskalender basteln muss. (lacht)

Wie funktionieren Dinge wie Kinderausweise beantragen?

Wir haben Blanko-Vollmachten füreinander. Das ist ein gutes Gefühl, das sagen zu können.

Und Ihre Urlaubsplanung?

Das ist ein heikles Thema, denn wer den zuerst anmeldet, der hat gewonnen. Da mein Mann und ich beide freischaffend sind und auch auf die Ferien Rücksicht nehmen müssen, ist das nicht immer einfach. Aber wir fahren dann eben zu einem anderen Termin. In diesen Ferien waren wir fünf Wochen in meinem Bauernhaus in Österreich. Und es sind auch alle Kinder dort gewesen, nur nicht immer zeitgleich.

In "Frauenherzen" spielen Sie eine leicht chaotische Alleinerziehende.

Ja, das hat mir am meisten Spaß gemacht, weil meine Figur Britta so ganz anders ist als ich. Britta bemüht sich auch um ein Patchwork-Familienleben, aber so richtig will das nicht klappen.

Würden Sie "Frauenherzen" auch privat gucken?

Unbedingt, weil es so herrlich befreiend ist zu sehen, dass auch die anderen Probleme haben.

Wie kann man Kinder und Karriere vereinbaren?

Sehr schwer bis gar nicht. Wir bräuchten einfach mehr Erzieherinnen, mehr Ganztagsschulen. Das ist ein weites Feld. Ich wollte meine Kinder nicht in die Krippe geben, aber ich hatte auch das riesige Privileg, dass wir uns eine Kinderfrau leisten konnten. Angela ist seit neun Jahren bei uns, sie war schon überall mit zum Dreh. Ich würde beide Hände für sie ins Feuer legen. Sie ist ein Glück für uns.

Sie haben auch international gedreht. Hätte das mehr werden können?

Ja, aber ich habe meinen Sohn schon mit 21 Jahren bekommen und natürlich Rücksicht auf ihn genommen. Das habe ich auch nie bereut. Sonst wäre ich vielleicht erfolgreicher, aber einsam. Ich bin keine Person, die etwas bereut.

Wie ist das, wenn man nach einem Dreh ins Kinderzimmer kommt?

Bei dem Dreh zu "Frauenherzen" war das kein Problem. Aber es gibt auch Rollen, die mir so an die Nieren gehen, dass ich etwas Zeit brauche, um in den Alltag zwischen Buntwäsche, Kochwäsche und Brotdosen zurückzufinden.

Andrea Schumacher Gala

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