Moritz Bleibtreu: "Die Abgründe umarmen"

Moritz Bleibtreu spielt in seinem aktuellen Kinofilm "Stereo" den zwielichtigen "Henry". Mit Gala.de hat er über Eitelkeit vor der Kamera, deutsche Thriller und Tipps von seiner Mutter gesprochen

Düster, geheimnisvoll, brutal - all das ist "Stereo", der neue Film mit Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel. In dem Thriller spielen die Schauspieler "Henry" und "Erik", die zunächst gar nichts miteinander gemein haben: Während der sympathische Motorradfan "Erik" mit seiner Freundin "Julia" (Petra Schmidt-Schaller) und deren Stieftochter das ruhige Leben auf dem Land vorzieht, macht der plötzlich aufgetauchte "Henry" nur Probleme. Ständig lauert er "Erik" auf und will sich einmischen. "Erik" ist genervt - bis er merkt, dass sein Verfolger mit Kapuzenpullover und Dreitagebart nur in seinem Kopf existiert.

"Stereo" ist der zweite Spielfilm von Regisseur Maximilian Erlenwein und dürfte die deutsche Kino-Szene ordentlich aufmischen. Keine flachen Gags, kein 08/15-Ende - "Stereo" ist ein Thriller vom feinsten und Erlenwein beweist nach seinem Debüt "Schwerkaft" erneut, dass dieses Genre auf deutschen Kinoleinwänden nicht immer peinlich sein muss.

Dass "Stereo" seine Zuschauer in den Bann zieht, liegt nicht nur an der hintergründigen Handlung, sondern auch an den Hauptdarstellern: Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel sind als "Henry" und Erik" in Topform. Ebenfalls brillant besetzt sind der Österreicher Georg Friedrich als Gangster-Boss "Keitel", Rainer Bock als spießiger Dorf-Polizist "Wolfgang" sowie Petra-Schmidt-Schaller als "Eriks" Freundin "Julia".

Ohne seine Kollegen sitzt Moritz Bleibtreu dann zwar in einer Hamburger Hotelsuite, ist beim Interview mit Gala.de aber nicht weniger gut in Form.

Moritz Bleibtreu ("Henry") und Jürgen Vogel ("Erik") in ihrem aktuellen Film "Stereo".

Ihr aktuelles Projekt "Stereo" ist ein Thriller. Warum gibt es in diesem Genre so wenig erfolgreiche Filme in Deutschland?

Weil das ein finanzielles Problem ist. Weil das Genre "Thriller" nur sehr selten funktioniert an der Kasse. Da fällt mir wirklich nur "Anatomie" und "Das Experiment" ein. Und aufgrund dieser Tatsache ist dann ein großes Misstrauen seitens der Geldgeber entstanden.

Wird sich das mit "Stereo" wieder ändern?

Setbilder

Stars bei den Dreharbeiten 2014

16. Dezember 2014: Bei den Dreharbeiten von der Serie "The Slap" spielen Uma Thurman und Penn Badgley ein ungleiches Paar.
16. Dezember 2014: Natürlich handelt es sich hier um den neuen James Bond Film "Spectre". Wir sind gespannt was Daniel Craig uns diesmal zu bieten hat.
16. Dezember 2014: Gillian Anderson ist hier zu sehen bei dem Dreh der Serie "Hannibal".
12. Dezember: Angelina Jolie während der Dreharbeiten zu "Unbroken" im Gespräch mit den Darstellern hinter den Kulissen.

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Wenn da nicht jemand steht wie ein Bernd Eichinger, der nicht nur den Glauben an diese Leute gehabt hat, sondern auch die Power, Dinge einfach zu machen, dann wird das schwer. Marketing ist viel wichtiger geworden und außerdem sickert sehr viel Geld gerade in große internationale Produktionen.

Sie haben mal gesagt, dass Sie sich nicht als Star fühlen. Wie kommt das?

Weil es diesen Begriff in meiner Jugend in Deutschland gar nicht gab. Es gab "bekannte" Schauspieler. Der Begriff "Star" kam eigentlich erst Anfang der Neunziger mit dem Einzug der ersten Casting- und Reality-Shows auf. Deswegen verbinde ich damit nichts. Auf meiner Lohnsteuerkarte steht Schauspieler, das bin ich auch, das kann ich auch ganz gut - und was anderes will ich auch gar nicht sein.

Laut ihrer Mutter Monica Bleibtreu muss man sich als Schauspieler die Hände dreckig machen. Stimmen Sie dem zu?

Ja. Man darf nicht eitel, sich selbst nicht wichtig sein. Nur die Filme zählen. Niemals darf man eine kreative Entscheidung zu den eigenen Gunsten, sondern immer nur zugunsten der Figur treffen. Wenn man das Gefühl hat, dass man gerade total scheiße aussieht von links, sollte man genau das nicht denken, sondern in seiner Figur und mit seiner Figur denken. Die Abgründe von einer Figur umarmen und mit einbeziehen. Ihnen gerade gegenüberstehen und sie nicht, wie soll man sagen, vertuschen.

Dieses nicht eitel sein – fällt Ihnen das leicht?

Ich hab da nie ein Problem mit gehabt. Weil ich so aber auch erzogen wurde. Meine Mutter und ich haben nächtelang über diesen Beruf gesprochen, aber dabei ist immer nur eine Sache rausgekommen: Gefühl ist alles und Eitelkeit ist der Feind. Du musst dir die Hände dreckig machen. Auch wenn es nicht immer Spaß macht, in den Abgründen von Menschen rumzusuhlen. Und man ist dann schnell geneigt, Dinge netter zu machen, schöner zu machen. Und das ist aber nicht unsere Aufgabe – sondern das genaue Gegenteil.

Man sieht sie ausschließlich im Kino. Das Ablehnen des Fernsehens - worauf basiert das?

Das ist eine Entscheidung, die ich vor mittlerweile 17 Jahren getroffen habe, die aber mittlerweile eigentlich überhaupt keine Relevanz mehr hat. Weil sich das Kino und das Fernsehen völlig gedreht haben. Das Fernsehen hat die Serienstruktur als Kunstform erkannt und ist natürlich jetzt für jeden Schauspieler ein absolut reizvolles Ding. Ich hab mich auch nie gegen das Fernsehen, sondern immer für das Kino entschieden. Ich habe nie gesagt "Fernsehen ist scheiße", sondern immer nur "Kino ist toll". Spätestens seit den "Sopranos" oder auch "Breaking Bad", gerade mit der jetzigen Entwicklung, wäre ich aber froh, wenn bei mir eine gute Fernsehreihe auf dem Tisch liegen würde.

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