Michael Schumacher: "Es gab Momente, wo ich hilflos war"

Michael Schumacher über die schwierige Rückkehr in die Formel 1 und seine neuen Ziele, über das Geheimnis seiner Ehe - und den Spaß am Styling

Er ist leicht gebräunt, glatt rasiert,

und seine kurzen Haare sind akkurat gestylt. Michael Schumacher trägt graublaue enge Jeans und dazu passend eine graue Jacke aus der Kollektion, die er mit dem Schweizer Label Jet Set entworfen hat. Wer diesen Mann anschaut, sieht es sofort: Auch bei seinem Äußeren ist er perfektionistisch und fokussiert, so wie auf der Rennstrecke.

Dort lief es für ihn zuletzt allerdings nur mittelprächtig. 2010 war Schumacher, drei Jahre nach seinem Rücktritt, in die Formel 1 zurückgekehrt. Das Comeback endete auf Platz neun - zu wenig für den Mann, der mit sieben Weltmeistertiteln längst als Legende gilt. Für die neue Saison, die am 13. März mit dem Großen Preis von Bahrain starten soll, bereitet er sich deshalb akribisch vor. Gala traf Schumacher in München.

Judith Williams

Ihre Töchter haben Handyverbot

Judith Williams
Judith Williams hat eine ganz besondere Methode, um die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Töchter zu fördern.
©Gala

Mit 42 Jahren immer noch in Bestform: Michael Schumacher posiert für das Schweizer Modelabel Jet Set

Was hat es mit dem silbernen Kreuz auf sich, das Sie um den Hals tragen?


Das habe ich vor ... (denkt nach) ... ja, so vor zehn Jahren von Jean Todt bekommen.

Von dem Mann also, der Sie 1996 zu Ferrari holte.


Richtig. Wir haben eine Menge zusammen erlebt. Fünf WM-Titel haben wir geholt, uns verbindet eine enge Freundschaft. Das Kreuz trage ich oft und gern.

Männer und Schmuck - passt das?


Warum nicht? Man darf es nur nicht übertreiben, finde ich. Die einzigen Dinge, die ich als Schmuck wirklich immer trage, sind eine Uhr und mein Ehering. Den lege ich auch beim Rennen nicht ab. Und Uhren interessieren mich halt. Die sammle ich.

Am 13. März startet die Formel-1-Saison. Sie haben die Winterpause voll zur Vorbereitung genutzt. Konnten Sie nicht abschalten?


Mit dem Abschalten habe ich kein Problem - als Profi-Sportler muss man den Job hinter sich lassen können. Nein, ich brauchte diesmal irgendwie keine Auszeit. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich ausgepowert war. Also habe ich durchtrainiert und an der Entwicklung des Autos mitgearbeitet.

Haben Sie sich auch deshalb so ins Zeug gelegt, weil die vergangene Saison sehr enttäuschend für Sie verlaufen ist?


Mit dem Ergebnis dieser Saison war ich wirklich nicht zufrieden. Aber ich bin auch Realist. Dass mein Comeback in der Formel 1 ein hartes Stück Arbeit werden würde, war mir und allen Beteiligten bewusst.

Es gab viel Häme. Lassen Sie so was an sich ran?


Die Häme und die Schlagzeilen tangieren mich weniger. Aber es gab Momente, wo ich einfach hilf- und chancenlos war. Die machen dann, sagen wir’s mal so, keinen Spaß. Kanada zum Beispiel. Ich war gut unterwegs, habe aber gleich nach dem Reifenwechsel den Wagen von Robert Kubica touchiert, musste mir neue Reifen holen und mit denen bis zum Schluss durchhalten. Da hängst du mit stumpfen Waffen, kannst dich nicht verteidigen und alle überholen dich. Du wirst nach hinten durchgereicht. Das hat mich gewurmt!

Wie sehen Sie die neue Saison? Werden Sie um den WM-Titel mitfahren?


Nichts anderes kann das Ziel sein. Aber es hängt natürlich auch vom Auto ab.

Beruflich lief es zuletzt holprig, privat läuft es bei Ihnen immer rund: Sie sind seit 1995 glücklich verheiratet. Was ist Ihr Ehe-Geheimnis?


Gibt es dafür ein allgemeingültiges Rezept? Ich kann es jedenfalls nicht formulieren. Ich glaube, die Bereitschaft, seinem Partner alles zu geben, ist wichtig. Ihn in jeder Hinsicht zu unterstützen. Bei Corinna und mir ist es schlicht und ergreifend so, dass wir uns immer noch lieben. Ich kann eigentlich nur jede Menge Kreuze machen, dass ich Corinna getroffen habe. Sie steht hinter mir, selbst bei den verrücktesten Ideen, die ich so habe. Und ich habe einige. Ich wiederum stehe hinter ihr bei ihren Projekten.

Wie verrückt fand es Ihre Frau denn, dass Sie wieder den Job machen wollten, bei dem Sie Ihr Leben riskieren?


So sehen wir es nicht. Die Formel-1-Autos sind heute vom Sicherheitsstandard her auf einem sehr hohen Niveau. Corinna fühlt sich jedenfalls hundertmal besser, wenn ich im Auto sitze statt auf dem Motorrad.

Sie spielen auf Ihren Versuch an, im Motorradsport Fuß zu fassen. 2009 zogen Sie sich dann bei einem Sturz einen Schädel- und Halswirbelbruch zu.


Ich sagte ja, ich habe einige verrückte Ideen. (lacht)

Denken Sie manchmal darüber nach, was nach dem Leben auf dieser Erde kommt?


Leben ist ein Stück weit Schicksal. Und was danach kommt? Ich weiß nicht, ob das wirklich wichtig ist.

Schnittig: Michael Schumacher in einem Outfit der aktuellen "Racing"-Kollektion der Schweizer Modefirma Jet Set. Er wirkte maßgeblich an den Entwürfen mit.

Sie glauben an Schicksal? Jemand wie Sie, der so rational denkt?


Mit Schicksal meine ich, dass jeder von uns nun mal gewisse Dinge für sein Leben mitbekommt, an denen er nichts ändern kann. Aber ich sage auch: Jeder ist seines Glückes Schmied.

Sie leben seit 1996 in der Schweiz. Was sehen Sie, wenn Sie auf der Terrasse Ihres Hauses stehen?


Ich blicke direkt auf den Genfer See. Es ist zauberhaft. Dass wir unseren Lebensmittelpunkt an diesen Ort verlegt haben, war eine der besten Entscheidungen überhaupt. Wenn ich morgens mit den Hunden spazieren gehe, denke ich oft: Wow, was bist du für ein glücklicher Mensch! Was für ein Glück, an diesem Ort leben zu können!

Sie haben von jedem Rennstall, für den Sie gefahren sind, einen Wagen zu Hause stehen. Wer pflegt diese Rennautos?


Ein guter Kumpel von mir macht das. Allerdings ist die Liste nicht vollständig: Es fehlen die Autos aus meiner Anfangszeit bei Jordan und Benetton.

"Wir lieben uns immer noch": Seit fast 16 Jahren sind Michael und Corinna Schumacher verheiratet. Sie haben zwei Kinder.

Von der Garage ins Haus: Haben sie einen begehbaren Kleiderschrank?


Ja.

Teilen Sie sich den mit Ihrer Frau?


Ich habe einen eigenen.

Wie lange brauchen Sie morgens, um sich das Passende rauszusuchen?


Kommt drauf an, was an dem Tag passiert. Aber ich weiß meistens schnell, was ich anziehen will, und packe auch selber, wenn's auf Reisen geht. Klar, Corinna sagt schon mal: "Zieh doch das an, das sieht gut aus." Oder: "Das hier steht dir besser." Mehr als ein paar Minuten dauert das aber auch nicht.

Was bedeutet Mode für Sie?


In erster Linie, dass ich etwas für mich selber tue. Ich will mich in meiner Kleidung gut und selbstbewusst fühlen, und sie soll mich, meine Person und meine Ausstrahlung zur Geltung bringen.

War coole Kleidung schon in der Jugend wichtig für Sie?


Natürlich hat man sich als Junge unwohl gefühlt, wenn das Geld nur für zwei und nicht für die drei Streifen gereicht hat. Was macht man dann? Man positioniert sich auf anderen Feldern und baut so sein Selbstbewusstsein auf. Bei mir war das der Rennsport.

Warum gab es über all die Jahre nie einen Michael Schumacher mit Bart?


Ganz einfach: Es ist nicht genug Haar da. Ich habe leider keinen vollen Bartwuchs. Ich muss gestehen, dass ich früher mal versucht habe, mir einen Schnauzbart stehen zu lassen. Aber das stand mir nicht.

Stimmt es, dass Sie sich die Haare färben?


Ja, damit habe ich vor einigen Jahren angefangen. Ich mag nun mal keine grauen Haare.

Bierbauch oder Glatze - was ist schlimmer bei einem Mann?


Beides. Oder halt, nein: Glatze kann attraktiv sein. Bierbauch nicht.

Auf den Kleidungsstücken, die Sie mit dem Label Jet Set entworfen haben, ist die Zahl 77 zu sehen. Was bedeutet sie?


Sie ist eines meiner Markenzeichen, wie die 7. Das hat sich entwickelt, als ich 2006 aus der Formel 1 ausgestiegen bin. Ich bin sieben Mal Weltmeister geworden, meinen siebten Titel habe ich beim 700. Grand Prix in Spa erreicht. Als ich 2008 in die Motorradszene gewechselt bin, war die 7 schon vergeben, daher habe ich die 77 genommen. Die 77 steht auch auf meinem Gokart.

Und was machen Sie mit Ihrer Glückszahl, wenn Sie nun den achten Titel holen?


Dann müssten wir alles ändern. Das könnte ich aber verkraften.

Hauke Herffs

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