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Marlene Lufen im Interview nach ihrem Schock-Geständnis: "Ich rieche noch heute sein Parfum"

Marlene Lufen
© Richard Hübner/ Sat1
Marlene Lufen wurde als 19-Jährige Opfer eines sexuellen Übergriffs, zeigte den Täter damals aber nicht an. Jetzt redet die Moderatorin ganz offen darüber. In GALA nennt sie ihre Gründe

Es hat sie viel Kraft gekostet, der Öffentlichkeit diesen tiefen Einblick in ihre Seele zu geben. Vor 26 Jahren wurde Marlene Lufen Opfer eines sexuellen Übergriffs – auf Facebook veröffentlichte sie jetzt einen ergreifenden Post und schilderte den dramatischen Vorfall.

"Es war ein Fotograf, ich war allein mit ihm im Studio, er hat sich auf mich gestürzt und mich auf eine Liege gepresst. Meine Gegenwehr hat ihn angespornt. Alles war wie im Film, unwirklich, brutal. Nur weil ich mental und vor allem körperlich stark genug war, konnte ich mich befreien und aus dem Haus fliehen." Ihre Eltern und ihren Freund flehte sie damals an, keinem davon zu erzählen.

Warum sie gerade jetzt an die Öffentlichkeit geht, erklärt die "Sat.1-Frühstücksfernsehen"-Moderatorin im GALA-Interview.

Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Geschichte zu erzählen?

Ich wollte mit meinem Posting sicher nicht das Urteil gegen Gina-Lisa Lohfink infrage stellen, das hat ein deutsches Gericht gesprochen. Aber die schlimmen Kommentare, die rund um diesen Prozess abgesondert wurden, haben in mir viel ausgelöst. Ich wollte nicht noch einmal 26 Jahre abwarten.

Konnten Sie das traumatische Erlebnis überhaupt verarbeiten?

Das Erlebnis hatte auf mein Leben glücklicherweise keinen großen Einfluss. Ich konnte ja selbst Schlimmeres verhindern und vor allem: Man hat mir geglaubt! Ich habe es meinen Eltern erzählt und genau die Sicherheit und Geborgenheit bekommen, die ich gebraucht habe.

Und wie hat Ihr Freund damals reagiert?

Er wollte dem Typen auflauern und ihn vermöbeln. Das wollte ich aber auf keinen Fall, sondern ich wollte einfach nie wieder etwas mit ihm zu tun haben. Ich weiß übrigens bis heute, welches Parfum der Mann benutzt hat. Noch Jahre später wurde mir übel, wenn ich es durch Zufall gerochen habe.

Wie hat Ihr Umfeld jetzt auf Ihr Posting reagiert?

Ich habe großen Zuspruch bekommen. Besonders berührt hat mich, wie viele Frauen – und auch Männer – mir geschrieben haben und von ihren zum Teil erschütternden Erlebnissen berichtet haben. Kollegen vom "Frühstücksfernsehen", Maskenbildner und viele mehr vertrauen sich mir an, die etwas Ähnliches erlebt haben. Übrigens hat fast keiner den Täter angezeigt – so wie ich auch nicht.

Was löst es heute in Ihnen aus, wenn sie von Vergewaltigungen hören oder lesen?

Wenn jemand seine Seele öffnet und von einer erlebten Vergewaltigung berichtet, ist das immer erst einmal verstörend. Polizisten und Ermittler müssen die Wahrheit ans Licht bringen. Das Allerwichtigste dabei ist: Werft den Frauen nicht vor, sie seien zu spät zum Arzt oder zur Polizei gegangen! Sie schämen sich und haben Angst, vorverurteilt zu werden. Die Menge der schweigenden Sexual-Opfer ist immens. Recht zu sprechen ist hier oft nicht einfach. Ich will nicht in der Haut eines Richters stecken, wenn Aussage gegen Aussage steht. Aber der Vorwurf, eine Vergewaltigung "zu spät" angezeigt zu haben, der muss vom Tisch.

Neben viel Zuspruch werden Sie auf den sozialen Kanälen auch angefeindet und sogar beschimpft. Wie stecken Sie das weg?

Ja, da liest man so Sachen wie "20 Jahre alte Geschichte, bei der sie mitgemacht haben wie all die anderen Flittchen ...". Zuerst wollte ich das alles löschen. Mich hat die Wucht der Aufmerksamkeit überrannt. Aber nun bin ich froh, dass endlich diskutiert wird. Ich bin gerne Anwältin derer, die sonst keine Stimme haben.

Hendrikje Kopp Gala


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