Markus Lanz: "Meine Frau fährt das Fluchtauto"

Beim Interview mit "Gala" zeigt Markus Lanz eine gesunde Portion Selbstironie. "Wetten, dass..?" sein erster Showeinsatz ein Erfolg wird

Plötzlich ist Thomas Gottschalk, 62, ganz weit weg.

Und als ehemaliger Hardcore-Fan des blonden Show-Titanen fühle ich mich fast ein bisschen schlecht dabei. Doch jetzt sitzt Markus Lanz, 43, vor mir, smart und charmant, die blütenweißen Ärmel seines engen Hemds lässig hochgekrempelt und geradezu brennend vor Leidenschaft für seine neue Aufgabe: Am 6. Oktober wird er im Düsseldorfer ISS-Dom das erste Mal "Wetten, dass..?" moderieren.

Wetten, dass..?

Die Highlights aus 33 Jahren

14. Februar 1981: Am Valentinstag startet sie neue Unterhaltungssendung "Wetten, dass..?" mit Moderator Frank Elstner im ZDF und kommt auf Anhieb gut beim Publikum an.
13. Dezember 1986: Moderator Frank Elstner stellt seinen Nachfolger Thomas Gottschalk vor. Er moderierte die Sendung 39 Mal, Thomas Gottschalk macht sie zur erfolgreichsten Abend-Show Europas.
13. September 1988: Die gefakte Buntstift-Wette
29. Juni 1991  Die 68. Sendung findet als erstes "Wetten, dass..?"-Open-Air-Special in der römischen Arena in Xanten statt.

31

Und während es bei Bekanntgabe der Personalie vor sechs Monaten für viele noch undenkbar war, dass er das kann, habe zumindest ich jetzt kaum noch Zweifel daran, dass er die größte TV-Show Europas in eine neue Ära führen wird. Die Stimmung ist gekippt. Und das nicht nur, weil Gottschalk selbst sein monumentales Ansehen gerade mit dem Presslufthammer namens "Das Supertalent" zerstört. Vielmehr hat Lanz die gesteigerte Aufmerksamkeit genutzt, um sich die Sympathie seines Publikums zu sichern. Und sich so zu präsentieren, wie er ist: authentisch, neugierig und kreativ, humorvoll und spontan.

So erlebten ihn auch die Journalisten am vergangenen Montag auf der ZDF-Pressekonferenz im Düsseldorfer "Dock One". "Ich freue mich jetzt, dass es endlich losgeht. Länger lässt sich der Spannungsbogen nicht mehr halten", so Lanz. Zusammen mit Programmdirektor Norbert Himmler nominierte er die Gäste für die erste Sendung (u. a. Jennifer Lopez, Karl Lagerfeld, Hannelore Kraft und Campino) und stellte die Neuerungen vor, die die 200. Ausgabe von "Wetten, dass..?" mit sich bringen wird: Neben einem veränderten Bühnenbild und einem begleitenden Online-Angebot gehören mehr Wetten als bisher, eine "Lanz-Challenge" und eine engere Einbindung der Wettkandidaten in die Show zum modernisierten Konzept. Neu ist auch die Showtreppe, über die Lanz dem bisherigen Höhepunkt seines Berufslebens entgegenschreiten wird. "Das muss ich noch üben", sagt der gebürtige Südtiroler scherzend im "Gala"-Interview - das er später übrigens mit dem bemerkenswerten Satz beendet: "Es ist doch einfach nur ein bisschen Fernsehen."

Herr Lanz, von wo aus werden Ihre Frau Angela und Ihr elfjähriger Sohn Laurin die Sendung am 6. Oktober verfolgen?

Also, ich habe mit meiner Frau noch nicht darüber gesprochen, aber: Es besteht Grund zur Annahme, dass sie in meiner Nähe ist. Sie muss schließlich das Fluchtauto fahren, wenn mich irgendwann kurz vor der Sendung die nackte Panik befällt. Und was Laurin angeht: Das entscheidet er ganz allein.

Wie wichtig ist Ihnen das Urteil dieser beiden Menschen nach der Show?

Sehr wichtig. Und was meinen Sohn im Speziellen angeht: Es ist unheimlich wohltuend, Kinder nach ihrer Meinung zu fragen. Denn Kinder sind absolut unbestechlich.

Von wem sonst werden Sie sich noch direkt positive oder negative Kritik anhören (müssen)?

Oh, ich bin mir ganz sicher, dass sich da der eine oder andere finden wird. (lacht)

Welches war die härteste Kritik in Ihrer bisherigen Karriere? Und über welche haben Sie sich besonders gefreut?

Als ich anfing, hat mal einer geschrieben, ich sei teilgebotoxt. Das hat mir gut gefallen. Andererseits habe ich mich auch darüber geärgert, denn ich bin selbstverständlich ganzkörpergebotoxt.

Wie bereiten Sie sich auf diesen großen Tag für TV-Deutschland vor?

Ich habe tatsächlich ein einzigartiges Trainingslager: In unserer Talkshow am späten Abend können wir Dinge ausprobieren, Gästekonstellationen testen, für die man sonst vielleicht sehr aufwendige Marktforschung machen müsste. Das ist ein großes Glück. Und ich suche immer wieder Momente der Ruhe, Telefon aus und ab ins Kino zum Beispiel. Das tut gut, denn dann kommt das Knirschen der Zähne nur noch vom Popcorn. Wirklich abzuschalten ist im Moment sehr schwer.

Welchen Stempel möchten Sie dem neuen "Wetten, dass..?" aufdrücken?

Ich glaube, so eine große Sendung drückt ja auch zurück. Ich bin sehr gespannt zu erleben, was die Atmosphäre in einer so großen Halle mit mir macht.

Wie hat sich Ihr Leben nach der Bekanntgabe, dass Sie "Wetten, dass..?" moderieren werden, verändert? Wie gehen Sie mit dem gesteigerten Interesse an Ihrer Person um?

Ich merke schon, dass neuerdings viele Sätze mit "Wetten, dass..?" anfangen. Neulich sagte eine ältere Dame beim Bäcker zu mir: "Wetten, dass Sie sich gerade vorgedrängelt haben?" Das ist schön, also nicht das Drängeln, sondern die Bemerkung, weil sie zeigt, dass die Menschen die Sendung nach wie vor schätzen. Was den Rummel angeht: Ich glaube, wenn man sich nicht so furchtbar wichtig nimmt, dann kann einem nicht viel passieren. Es geht ja in Wahrheit überhaupt nicht um mich persönlich. Es geht nur um den, der demnächst "Wetten, dass..?" macht. Das könnte auch jemand anderer sein.

Die Medien können sich in den vielen Porträts über Sie noch nicht einigen, ob Sie ein "Weichei" oder ein "Macho" sind. Welcher Titel ist Ihnen lieber - und in welcher Funktion werden wir Sie bei "Wetten, dass..?" erleben?

Weichei, Schonbezügler, Geschenkpapierexakt-Zusammenleger, Sonnenliegenreservierer ... es ist doch völlig wurscht. Es gibt dieses schöne Buch von Giovanni di Lorenzo und Axel Hacke: "Wofür stehst du?" Die Antwort auf diese Frage ist weit wichtiger als die Antwort auf die Frage, wer genau du bist. Tatjana Detloff

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche