Markus Lanz: "Ich kann auch sehr gut ohne das alles"

Markus Lanz unter Druck - die Kritiken für seine ersten beiden "Wetten, dass ..?"-Shows waren durchwachsen. Vor der dritten Sendung kontert der Moderator: Im "Gala"-Interview sagt er, was die Zuschauer noch von ihm erwarten können und woran sein Herz wirklich hängt

Es ist 20.15 Uhr.

Markus Lanz, der Vielbeschäftigte, hat gerade eine Folge seiner ZDF-Talkshow aufgezeichnet. In der Garderobe seiner Hamburger Firma Fernsehmacher lässt er sich jetzt auf die Couch fallen, holt tief Luft und sagt "Legen Sie los!" Der 43-Jährige ist bereit für das einzige große Interview, das er vor seiner dritten "Wetten, dass ..?"- Sendung am Samstag in Freiburg gibt.

Herr Lanz, wie steht es derzeit um Ihre Nachtruhe? Vor Ihrer ersten "Wetten, dass..?"- Sendung hatten Sie ja schlaflose Nächte.

Der Puls wird langsam wieder normal, die Schnappatmung lässt nach. Ich spüre eine gewisse Nervosität, und die muss auch sein, aber es ist alles nicht mehr im gesundheitlich bedenklichen Bereich.

Sind Sie denn schon richtig angekommen in der Sendung?

Ich bin gerade dabei, mich reinzufuchsen, so wie das ganze Team dabei ist, die Form zu erarbeiten, von der wir alle sagen: So ist es gut. Das ist jetzt Feinabstimmung. Die Frage ist ja: Kriegst du die Zeit noch, die du brauchst, um die Dinge in Ruhe zu erarbeiten? Das ist alles ein fließender Prozess. Wir sind da übrigens nicht allein: In jedem Job ist es heute so, dass es kaum noch Zeit gibt, eine Entwicklung zu durchleben. Das ist schade und auf Dauer auch ein Problem, davon bin ich überzeugt.

Wetten, dass..?

Die Highlights aus 33 Jahren

14. Februar 1981: Am Valentinstag startet sie neue Unterhaltungssendung "Wetten, dass..?" mit Moderator Frank Elstner im ZDF und kommt auf Anhieb gut beim Publikum an.
13. Dezember 1986: Moderator Frank Elstner stellt seinen Nachfolger Thomas Gottschalk vor. Er moderierte die Sendung 39 Mal, Thomas Gottschalk macht sie zur erfolgreichsten Abend-Show Europas.
13. September 1988: Die gefakte Buntstift-Wette
29. Juni 1991  Die 68. Sendung findet als erstes "Wetten, dass..?"-Open-Air-Special in der römischen Arena in Xanten statt.

31

Ihre Zwischenbilanz nach den ersten zwei Sendungen? Was klappt, was hakt noch?

Wir müssen zusehen, dass wir die Sendung verschlanken, das war nach der ersten Ausgabe schon klar. Um mal mit dem Positiven anzufangen: Ich glaube, wir waren an vielen Stellen überraschend, und wir wissen aus der Marktforschung, dass die Zuschauer genau das mögen. Aber es gibt noch viele Fragen. Mehr oder weniger internationale Gäste, welche Musik, die Art der Wetten - das kann man alles nicht am grünen Tisch entscheiden. Dafür kriegt man mit der Zeit ein Gefühl. In meiner Talk-Sendung habe ich bereits eine Sicherheit, bei "Wetten, dass ..?" muss ich sie mir noch erarbeiten. Das ist bei einer Liveshow aber gar nicht so einfach, wenn man weiß, da draußen sitzen elf Millionen Menschen. Wenn ich dann Kritiken lese, habe ich manchmal den Eindruck, es ging in der Sendung tatsächlich um Leben und Tod. Doch am nächsten Morgen stelle ich zu meinem eigenen Erstaunen immer wieder fest, dass ich überlebt habe.

Seine Qualitäten als Interviewer stellte Lanz gerade erst beim Talk mit Thomas Gottschalk unter Beweis.

Wo liegen für Sie persönlich die Herausforderungen? Einige Kritiker monierten Ihre Witze, andere die Interviewtechnik, die zu "abgefragt" wirke.

Ja, und umgekehrt wurde Thomas Gottschalk über Jahre vorgeworfen, er frage ins Leere, und es wurde kritisiert, dass die US-Stars so früh gingen. Bleiben sie sitzen, wie bei uns, dann muten wir denen zu viel zu. In Wahrheit hat sich Tom Hanks über drei Stunden in die Herzen von Millionen von Menschen gespielt, weil er gut gelaunt und entspannt war. Ich gehe mit einer gewissen Sicherheit davon aus, dass das den Besucherzahlen seines schönen Films nicht geschadet hat.

Wird die Verpflichtung der nächsten Hollywood-Stars schwieriger?

Ich denke nicht, wobei man hinzufügen muss: Einfach war das noch nie. Aber wenn jemand die Chance hat, vor elf Millionen Menschen ausführlich über seinen Film zu sprechen, dann ist das doch das Beste, was ihm passieren kann. Das wissen die auch. Deswegen haben wir in Freiburg jetzt auch dieses Show-Line-up. Alles, was in der Musikwelt Rang und Namen hat, tritt auf: Pink, Alicia Keys, Rihanna. Warum? Weil es ihnen auch hilft. Es ist ein Geschäft.

Haben Sie die öffentliche Aufmerksamkeit unterschätzt, als das ZDF Sie verpflichtet hat?

Mir war schon klar, dass da was auf uns alle zurollt. Aber diese Dimension habe ich nicht kommen sehen. Es gibt diesen schönen Satz von Mark Twain: "Vorhersagen sind schwierig, insbesondere was die Zukunft betrifft." So ist eben das Leben, glücklicherweise. Und seien wir ehrlich: Das Schlimmste, was uns hätte passieren können, wäre doch gewesen, dass die Zuschauerzahlen richtig in den Keller gehen und keiner mehr von "Wetten, dass ..?" redet. Das ist glücklicherweise nicht eingetreten. Es waren wirklich viele, die zugeschaut haben und bis zum Schluss drangeblieben sind, darunter sehr viele junge Menschen, auch Kinder.

Haben Sie inzwischen eine emotionale Hornhaut?

Hornhaut klingt so nach Pediküre ... Nein, wer auf einem bestimmten Niveau Erfolg haben will, der kriegt auch mal die Hucke voll, das ist schon okay. Aber ich habe eine tolle Familie und ein paar sehr gute Freunde - das reicht. Und wenn’s richtig nervt, dann darf man nicht an den Dingen kleben. Ich kann auch sehr gut ohne das alles. Nur: Dafür macht mir meine Arbeit zu viel Spaß. Wir arbeiten hier schon auch nach dem Lustprinzip.

Bei aller Kritik gibt es auch viel Lob für Sie und Ihre verschiedenen Projekte. Sind Sie jetzt schon ein Titan der Showbranche?

Oh Gott, ist es jetzt soweit? Ich hatte immer Angst vor diesem Wort und vor dem Tag, an dem es im Zusammenhang mit mir ausgesprochen wird. Ich weise das mit Empörung zurück. (lacht) Nein, im Ernst: Titanen sind vollkommen in Ordnung, haben sich mir das letzte Mal allerdings bei der Lektüre altgriechischer Sagen vorgestellt. Danach bin ich nie wieder welchen begegnet. Und ich meine mich zu erinnern, dass die ziemlich rumgeholzt haben.

Ist dieser Titel für Sie nicht erstrebenswert?

"Titan" als Titel ist natürlich eine schöne Idee. Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre, sich das auf die Visitenkarte zu drucken. Und wenn dann einer kommt und fragt, was man denn so beruflich macht, dann sagt man: Ich bin von Beruf Titan! (lacht)

Ein besonderer Moment bei "Wetten, dass ..?" wird an diesem Samstag Ihr Auftritt mit den Chippendales sein, nachdem Sie in der letzten Sendung die Stadtwette verloren haben ...

Ja, Wettschulden sind Ehrenschulden, und insofern befürchte ich, dass das Unvermeidbare in diesem Fall tatsächlich nicht mehr zu vermeiden ist.

Haben Sie für diesen Auftritt viel trainiert?

Es wird ein Elend ... Aber ich kann nicht in drei Wochen aufholen, was ich zehn Jahre lang versäumt habe. Ich habe aber nicht nur keinen Waschbrettbauch, sondern noch mehr, zum Beispiel keinen Bizeps. Mein Körper ist ein fließender Übergang von Not nach Elend.

Thomas Hoffmann, der einzige Deutsche in der Chippendale-Truppe, sagte in einem Interview, Sie würden den Auftritt packen, seien aber etwas steif in der Hüfte. Können Sie diese Einschätzung teilen?

Das ist uneingeschränkt richtig.

Hoffmann räumt Ihnen gute Chancen für eine ernsthafte Bewerbung bei den Chippendales ein. Wäre das eine berufliche Alternative für Sie, falls es bei "Wetten, dass ..?" dann doch nicht klappen sollte?

Sollte es wirklich jemals so weit kommen, dass ich mich da bewerben muss, dann habe ich wohl noch ganz andere Probleme als "Wetten, dass..?".

Ein Mann mit vielen Talenten: Lanz beweist seine Musikalität zum Auftakt der "Wetten, dass ..?"-Show in Bremen als zweiter Pianist für Robbie Williams.

Würde Ihre Frau Sie denn als guten Tänzer beschreiben?

Nee, meine Frau würde mich gar nicht als Tänzer beschreiben. Es ist eine Beleidigung für jeden Tänzer, bei mir überhaupt von Tanzen zu sprechen. Ich bin eher der An-der-Theke-Lehner und Mit-dem-rechten-Fuß-Wipper. Wenn ich mal besonders gut drauf bin, wippe ich auch mit dem linken. Es gibt übrigens eine interessante Theorie, und damit rede ich mich bei meiner Frau auch immer raus: Musiker können nicht tanzen.

Sie können eindeutig besser Klavier spielen als tanzen?

Vielleicht spricht meine komplette Unfähigkeit zu tanzen für eine gewisse Begabung als Musiker.

Wann spielen Sie Klavier?

Fast jeden Tag. Am liebsten, wenn ich mich unbeobachtet wähne.

Klavierspielen ist ein Talent, mit dem man Frauen beeindrucken kann ...

Stimmt.

Haben Sie das schon mal ausgenutzt?

Nicht bewusst, aber Klavierspielen kommt bei Frauen tatsächlich gut an. Ich habe immer das Gefühl, dass das Leuchten in den Augen meiner Frau zunimmt, wenn ich ein bisschen vor mich hinpianiere. Sie sagt, ihr fällt dann der Abwasch leichter. (lacht) Nein, im Ernst, meine Erfahrung ist: Frauen schmachten immer den Sänger an, und wenn der nicht reagiert, verlieben sie sich spontan in den Gitarristen. Klavierspieler sind immer lang und dünn und blass, weil sie so viel üben müssen. Man muss sich als junger Musiker eben entscheiden: Sexsymbol oder Zombie.

Eine große Frage blieb bei "Wetten, dass ..?" bisher offen: Ist Cindy aus Marzahn Ihre neue Assistentin?

Lassen Sie sich überraschen! Sie ist ja unsere Lieblingsprinzessin. Was ich sagen kann, ist: Wir arbeiten auch für die Talkshow seit Jahren viel und gerne mit den großartigen Comedians zusammen, die Deutschland mittlerweile hat. Das ist mittlerweile oft so, als kämen Freunde zu Besuch. Übertragen auf "Wetten, dass ..?": Es ist immer wieder schön, sich überraschen zu lassen, wer gerade draußen an der Tür geklingelt hat.

Eine "Gala"-Umfrage hat ergeben, dass mehr Zuschauer lieber Sylvie van der Vaart als Ihre Assistentin sehen würden.

Das überrascht mich gar nicht, weil sie seit Jahren eine der großen Fernsehfiguren ist. Aber sie ist natürlich sehr stark mit Castingshows verbunden. Das ist einfach ein anderes Genre. Wahr ist aber auch, dass es beim Publikum große Überschneidungen gibt.

Also nicht ausgeschlossen?

Ausgeschlossen ist gar nichts. Ich finde ja, dass Sylvie und Rafael van der Vaart einen tollen Auftritt hatten in der ersten Sendung.

Welche Wünsche haben Sie für 2013?

Keine. Kann alles bleiben, wie es ist. Ich habe - und sehen Sie es mir bitte nach, wenn es langweilig klingt - nur einen Wunsch: Ich möchte gesund bleiben. Mehr brauchen wir in Wahrheit nicht, denn alles andere kann man sich irgendwie hinbasteln. Ich träume seit Jahren von einer großen Hundeschlittentour in Grönland, über mehrere Monate hinweg. Wenn ich das nicht mehr könnte, würde mich das umhauen.

Wovon träumen Sie aktuell?

Erst mal von Weihnachten. Ich bin leider sehr empfänglich für diesen ganzen Weihnachtskitsch. Von mir aus könnte man schon Anfang September anfangen, alles zu beleuchten. Tatjana Detloff

Themen

Mehr zum Thema

Star-News der Woche