Maria Furtwängler: "Zeit für Dinge, die glücklich machen"

Vier Wochen lang fotografierte Maria Furtwängler für Gala ihre engste Umgebung. Die Bilder geben besondere Einblicke in ihr Leben als Schauspielerin, Medienstar und Mutter

Sie nahm ihren iPod mit auf eine Skitour und auf Pressetermine,

fotografierte die Familienhunde und ihre eigenen Füße in der Wanne: Vier Wochen lang knipste Maria Furtwängler, 43, ihre Welt. Gala traf sie zur Bilderschau - und zu einem Gespräch über Familie, Frauenrollen und ihren neuen Fernsehfilm.

Das Badewannenfoto hat mich überrascht. Warum haben Sie eine so persönliche Szene festgehalten?


Weil das der glückseligste Moment des Tages ist! Mein Bad ist mein Refugium, in das ich mich zurückziehen kann nach einem Stresstag. Vielleicht weil es in der Wanne warm und schwerelos wie im Mutterleib ist.

Heidi Klum

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Heidi Klum
Heidi Klum hat nicht nur vier Kinder, sondern inzwischen auch vier Hunde, bei Familie Klum ist also immer was los.
©Gala

Maria Furtwängler zeigt uns ihre Füße in der Badewanne und posiert mit Kai Pflaume vor der Kamera.

Wo atmen Sie außer in der Badewanne durch?


Beim Tourenski. Das ist auch so ein Augenblick des Glücks, die unberührte Natur der Berge zu erleben. Das Foto entstand, als ich mit meiner Tochter Elisabeth auf Tour gegangen bin. Das sind schöne Mutter-Tochter-Momente.

Wie hat es Ihnen gefallen, Ihr Leben zu fotografieren?


Es macht Spaß, weil es eine unkomplizierte Art ist, Tagebuch zu führen. Etwas, das ich mir immer wieder vornehme, aber nie schaffe.

Die Fotos ihrer Rückzugsräume stehen ja in starkem Gegensatz dazu, was Fotografen sonst von Ihnen zeigen. Strengt Sie die permanente Öffentlichkeit an?


Im Grunde bin ich eher scheu und habe nicht das Bedürfnis, ständig etwas von mir preiszugeben. Das kostet mich jedes Mal Überwindung. Dann allerdings kann es mir auch Spaß machen. Aber ich versuche das auf wenige Anlässe zu beschränken.

Haben Sie ein striktes Zeitmanagement, um zwischen Filmdrehs, gesellschaftlichen Verpflichtungen und karitativen Aufgaben Raum fürs Privatleben zu schaffen?


Nicht strikt genug. Ich möchte das jetzt konsequenter verfolgen. Ich habe viel erreicht und versuche jetzt, mir mehr Zeit zu nehmen für Dinge, die glücklich machen, wie das Berggehen oder Klavierspielen.

Spielen Sie gut Klavier?


Ich möchte besser werden. Ich habe einen Lehrer, mit dem ich vor allem lernen will, entspannt zu improvisieren.

Links: Auf Skitour - "Dies ist meine Tochter Elisabeth. Sie begleitet mich oft in die Berge." Rechts: Die Hunde Biene und Maja.

Auf einem Bild sehen wir Ihre Hunde Biene und Maja. Wer hat sie eigentlich so genannt?


Das war eine Idee meiner Tochter ... Sie können sich vielleicht vorstellen, wie dämlich ich mir vorkomme, wenn ich beim Spazierengehen "Biene, Maja" rufe. Aber ich muss gestehen, dass ich schon als Kind einen Hau mit Tieren hatte. Rückblickend denke ich oft, wie rührend meine Mutter das alles ertragen hat - etwa als ich einen Ziegenbock mit nach Hause gebracht habe.

Einen Ziegenbock?


In Johanneskirchen, wo wir lebten, war so ein armer Ziegenbock am Pflock, und ich sagte (fällt in tiefstes Bayerisch): "Ja mei, is da oarm!", und da hat der Bauer gesagt: "Mogst ihn hobn?" Und dann bin ich mit dem Ziegenbock nach Hause gewackelt, der erst mal meiner Mutter den gesamten Blumengarten kahl gefressen hat und dann in der leer geräumten Garage wohnte.

Das war vermutlich nicht Ihr einziges Findelkind?


Auf dem Viktualienmarkt habe ich einmal eine Gans gekauft, die mir leid tat, weil sie Gänseschnupfen hatte und fürchterlich rotzte. Die Bäuerin meinte, sie hätte höchstens eine Überlebenschance, wenn ich sie ganz warm halte. Da habe ich die Gans mit in mein Bett genommen.

Sie wirken in Ihren Rollen immer so stark, schwingen Sie zu Hause auch das Zepter?


Ich habe mit meinem Mann ja einen starken Gegenpart. Und meine Kinder sind auch nicht ohne - besonders meine Tochter stellt mich gleich dreimal in den Schatten! Wir haben alle vier eine zutiefst innige Beziehung, aber das Kräfteverhältnis ist doch sehr ausgewogen.

Was müssen Sie sich von Ihren Kindern sagen lassen?


Da gibt es einiges. Kinder finden ihre Eltern ja permanent peinlich und lassen einen das auch gerne wissen. Letztens lief im Fernsehen ein Konzert, und ich rief den Kindern zu, dass sie zuhören sollen, weil das ganz typisch für Mozart sei, was der Knabenchor da singt. Als die Kamera auf die Sänger schwenkte, waren es lauter alte Frauen, und sie sangen Bach. Das wurde mir wochenlang genüsslich unter die Nase gerieben.

Der 2. Weltkrieg bringt Ursula um ihre große Liebe, den Sänger Wolfgang Heye (Pasquale Aleardi). Sie kämpft sich und ihre Kinder standhaft durch die Nazizeit und flüchtet später aus der DDR. Erst viele Jahre später trifft sie den tot geglaubten Ehemann wieder. ZDF, 13., 14. Februar, 20:15 Uhr

Ihr Mann hat ja seit Kurzem eine Fan-Seite auf Facebook mit immerhin über 400 Fans ...


... nicht schlecht, oder? Warum habe ich so etwas eigentlich nicht?

Das wäre jetzt auch meine nächste Frage gewesen. Sind Sie gar nicht in sozialen Netzwerken unterwegs?


Doch, ich habe meine private FacebookSeite, allerdings unter einem Pseudonym.

Wie viele Facebook-Freunde haben Sie?

Etwa 30. Meine Kinder, die um die 1000 haben, finden das bemitleidenswert. Aber ich habe irgendwann aufgehört, alle Anfragen zu beantworten. Die meisten meiner Kontakte sind auch Freunde im richtigen Leben.

Wie definieren Sie Freundschaft?

Füreinander da sein, sich einfühlen, bereit sein, Opfer zu bringen für den anderen.

Opfer bringen muss auch Ursula Heye, die Sie in dem ZDF-Zweiteiler "Schicksalsjahre" verkörpern. Die Nazis zwingen sie zur Scheidung; später schickt sie ihre Kinder aus der DDR mit einem Waisentransport in den Westen, ohne zu wissen, ob sie sie je wiedersieht. Was kann man von dieser Frau mitnehmen?


Dass Zivilcourage lernbar ist. Ursula Heye war nicht immer eine starke Frau. Ihre Lebensumstände haben sie dazu gebracht, ihre Werte zu verteidigen. Beeindruckend ist für mich, wie die politische Entwicklung der Mutter die Kinder beeinflusst hat. Uwe-Karsten Heye ist deshalb ein zutiefst politischer Mensch geworden - als Redenschreiber von Willy Brandt, Regierungssprecher bei Schröder und mit seiner Organisation "Gesicht zeigen!". Wir haben eine ungeheure Wirkung auf unsere Kinder in dieser Vorbildfunktion.

"Schicksalsjahre" basiert auf den Erinnerungen des Ex-Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye "Vom Glück nur ein Schatten", hier mit Maria Furtwängler bei der Premiere in Berlin.

Welche Werte haben Sie Ihren Kindern mitgegeben?


Achtsamkeit und Hilfsbereitschaft anderen Menschen gegenüber. Ganz wichtig finde ich auch eine Form von Demut und Dankbarkeit, wenn man vom Leben beschenkt wurde. Und die Verantwortung, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben.

So wie Sie es bei "Ärzte für die Dritte Welt" tun.


Zum Beispiel. In unserer Ego-zentrierten Welt ist es so unendlich wichtig, junge Menschen zu bürgerlichem Engagement zu erziehen. Das ist es doch, was unsere Gesellschaft letztlich zusammenhält.

Wie fänden Sie es, wenn eines Ihrer Kinder sich mit dem Gedanken tragen würde, Politiker zu werden?


Ich fände es sehr mutig, weil ich im Augenblick nicht sehe, dass man da wirklich viel bewegen kann. Aber ich würde es in jedem Fall unterstützen.

Für Ihre Rolle in "Schicksalsjahre" haben Sie zum ersten Mal eine Frau geküsst. Eine Herausforderung?


Es ist eine Grenzüberschreitung, eine innere Hemmschwelle, die es zu überwinden galt. Aber es hat sich nicht schlecht angefühlt.

Was hat Ihr Mann dazu gesagt?


Mein Mann und die Kinder fanden das eher verstörend. Man hatte sich jetzt daran gewöhnt, dass die Mutter beruflich fremde Männer küsst - eine Frau, das war neu.

Die Generation von Ursula Heye, die Kriegswitwen und Trümmerfrauen, musste aus der Not heraus Kinder und Arbeit unter einen Hut bekommen. Wie beurteilen Sie heute die Vereinbarkeit von Kind und Karriere?

Ich glaube, dass die Vorstellung von der Supermutter, die beides locker schafft, nicht der Realität entspricht. Nach wie vor bekommen Frauen viel zu wenig Unterstützung von ihren Partnern, und die Arbeitsbedingungen sind häufig nicht so, dass man eine Führungsposition bewältigen und trotzdem noch ein befriedigendes Privatleben mit Kindern führen kann. Da steigen viele Frauen aus, und den Unternehmen gehen wichtige Talente verloren.

Machen wir Frauen uns da selbst zu viel Druck?


Wir Frauen sind untereinander oft nicht solidarisch, sondern machen uns ein schlechtes Gewissen, wenn der Nachwuchs "zu früh" in eine Krippe gegeben wird. Ich habe mich selbst dabei ertappt ...

Eine starke Szene in dem Film ist die, in der Ursula Heyes Kinder der hart arbeitenden Mutter vorwerfen, nie für sie dagewesen zu sein. Kennen Sie das schlechte Gewissen vieler berufstätiger Mütter?


Als Schauspieler hat man ja das Glück, viel zu Hause zu sein. Zudem habe ich immer darauf geachtet, höchstens zwei Wochen am Stück und niemals am Wochenende zu drehen. Aber klar, das schlechte Gewissen lässt einen nicht los. Ich habe jedoch früh für mich festgestellt, dass ich so erfüllt und beglückt von der Arbeit kam, dass ich den Kindern mehr zu geben hatte, als wenn ich die ganze Zeit zu Hause gesessen hätte. Als erfüllter Mensch bin ich im Zweifelsfall auch die bessere Mutter.

Anne Meyer-Minnemann

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