Lenny Kravitz: "Ich liebe starke Frauen"

Sex, Drugs, Rock'n'Roll? Das war mal! Heute lebt Lenny Kravitz die meiste Zeit auf den Bahamas und träumt von einem richtigen Familienleben

Er hat alles, was ein Sexsymbol braucht:

lässige Pose, Tattoos, Sixpack. Selbst die New Yorker Hitze kann seiner Coolness nichts anhaben. Wir treffen Lenny Kravitz, 47, im Garten des "Greenwich Hotel". Gleich bei der Begrüßung fällt auf: Seine Gesichtszüge sind markanter geworden, die Haare kürzer - das Älterwerden steht ihm gut. Total entspannt wirkt er. Was wohl auch daran liegt, dass er inzwischen die meiste Zeit des Jahres auf den Bahamas verbringt, der Heimat der Vorfahren seiner Mutter. Und die traumhafte Inselwelt lässt dem Rocker viel Platz, neu über sein Leben nachzudenken.

Über Tochter Zoë, 22, sagt Lenny Kravitz: "Sie ist meine beste Freundin." Und: "Offensichtlich hat sie meinen Unabhängigkeitsdrang geerbt".

Auf Ihrem aktuellen Album gibt es einige Liebeslieder. Sind Sie etwa gerade verliebt?

Die Songs sind tatsächlich autobiografisch. Wem ich sie gewidmet habe, bleibt allerdings mein süßes Geheimnis. Ein Gentleman sollte nicht öffentlich über intime Details reden.

Von 1987 bis 1993 waren Sie mit der Schauspielerin Lisa Bonet verheiratet - die sich dann von Ihnen scheiden ließ. Glauben Sie heute noch an die Ehe?

Ja. Ich möchte gerne wieder heiraten. Aber ich gehe das entspannt an und schaue, was das Leben bringt. Wenn etwas nicht klappt, hat das meist einen guten Grund: Die Zeit ist einfach noch nicht reif. Das kann sich aber ändern. Ich habe jedenfalls so eine Ahnung, dass eine Hochzeit in näherer Zukunft für mich keineswegs ausgeschlossen ist.

Hätten Sie auch Lust auf mehr Nachwuchs?

Ein Baby kann ich mir gut vorstellen. Ich bin ja in der komfortablen Situation, dass ich meine Kreativität in der Musik, der Schauspielerei und in meiner Inneneinrichtungsfirma ausleben kann. Aber selbst große Erfolge in diesen Bereichen füllen einen gefühlsmäßig auf Dauer nicht so aus wie Kinder.

In den Siebzigerjahren brachte sich Lenny Kravitz das Gitarrespielen selbst bei, liebt vor allem Funkrock. Auf seinem aktuellen Album "Black And White America" (ab 19. August) ist nun wieder vermehrt Funk zu hören.

Aus der Ehe mit Lisa Bonet stammt Ihre Tochter Zoë, die 1988 geboren wurde. Seit Ende der Neunzigerjahre lebte Zoë bei Ihnen. Wie war das, als sie ausgezogen ist?

Viele Eltern versuchen, ihre Sprösslinge an sich zu ketten - so ein Vater war ich nie. Ich habe recht schnell gemerkt, dass Kinder ihren eigenen Weg gehen müssen. Ich bin selbst schon mit 15 von zu Hause weggegangen. Deswegen war es selbstverständlich für mich, meine Tochter irgendwann loszulassen.

Aber Sie haben Zoë doch bestimmt vermisst.

Sie ist ja nicht komplett aus meinem Leben verschwunden! Wir sehen uns regelmäßig und telefonieren ständig. Sie hat mich auf den Bahamas besucht, als ich gerade an meinem neuen Album gearbeitet habe.

Mit Lisa Bonet war Lenny Kravitz von 1987 bis 1993 verheiratet.

Da hätten Sie doch ein Lied mit ihr aufnehmen können.

Keine Chance! Zoë hat ihre eigene Band, Elevator Fight. Ein Duett mit ihrem Vater wäre im Moment das Allerletzte für sie. Ich nehme das nicht persönlich. Sie will halt als Musikerin und Schauspielerin unbedingt auf eigenen Beinen stehen. Offensichtlich hat sie meinen Unabhängigkeitsdrang geerbt. (lacht)

Trotz Ihres Strebens nach Unabhängigkeit sollen Sie ein sehr enges Verhältnis zu Ihrer Mutter Roxie Roker gehabt haben, die Mitte der Neunzigerjahre gestorben ist.

Das stimmt: Meine Mum ist immer noch mein Vorbild. Sie war sagenhaft, als Schauspielerin und als Mensch. Sie hat definitiv mein Frauenbild geprägt.

Heißt das, jede Frau an Ihrer Seite muss sich mit ihr messen?

Ich habe nie nach einem Abbild meiner Mutter gesucht - aber ich liebe in der Tat starke Frauen. Äußerlichkeiten sind für mich kein Gradmesser, bei Frauen wie bei Männern. Ich finde die Persönlichkeit viel interessanter.

Aber bei einem Top-Model schauen Sie doch sicher auch gern hin, oder?

Na klar. Aber die Gesellschaft hängt den Wert äußerlicher Attraktivität viel zu hoch. Für mich hat ein guter Charakter die gleiche Daseinsberechtigung wie ein perfekter Körper. Auf den Bahamas glaubt niemand an diese Ideale aus Hollywood. Mollige Frauen finden sich dort superhübsch - völlig zu Recht.

Ist für Sie persönlich chirurgische Nachhilfe ein Tabu?

Auf jeden Fall. Als ich zum ersten Mal ein paar Monate auf den Bahamas verbracht habe, habe ich gelernt, mich als der zu akzeptieren, der ich bin: ein Mensch mit Fehlern und Macken. Früher war das anders. Da bin ich oft sehr hart mit mir ins Gericht gegangen.

Wenn Sie auf den Bahamas sind, haben Sie Ihr Domizil auf der Insel Eleuthera. Wie sieht Ihr Alltag dort aus?

Ich hänge viel im Garten ab, esse mein eigenes Gemüse oder Kokosnüsse und gehe fischen. Nachts schlafe ich in einer gnadenlos kleinen Hütte - ein Raum mit Bad. Die schließe ich übrigens nie ab. Zum einen, weil jeder jeden kennt. Zum anderen wäre da eh nichts zu holen. Ich beschränke mich nämlich auf das Allernötigste: wenig Klamotten, und Schuhe brauche ich eh nicht. Ich gehe lieber barfuß.

So stellt man sich das Rockstar-Leben nicht unbedingt vor ...

Ach, diese Klischees sind doch beknackt. Mit Sicherheit hatte ich meine wilde Phase. Aber die ist längst vorbei und hat hoffentlich meinen Charakter geformt. Ich schieße nicht mehr übers Ziel hinaus - und trotzdem bezeichnen mich einige Leute als Frauenheld. Das nervt manchmal. Ich bin ein stinknormaler Typ!

Dagmar Leischow

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