Lena Meyer-Landrut Von einem anderen Stern

Lena Meyer-Landrut
Lena Meyer-Landrut
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Mit ihrem Album "Stardust" betritt Lena Meyer-Landrut musikalisches Neuland. "Gala" verwandelte die Sängerin auch optisch - und sprach mit ihr über Erfolge, Träume und einen verlorenen Koffer

Andere laden selbst geschriebene Lieder auf YouTube hoch,

schaffen sich so eine große Fangemeinde und bekommen dann einen Plattenvertrag – Lana Del Rey etwa. Bei Lena Meyer-Landrut lief es umgekehrt. 120 Millionen Zuschauer sahen 2010 ihren Karrierestart beim Eurovision Song Contest in Oslo: Mit "Satellite", dem Werk eines erfahrenen Komponistenteams, gewann sie den Wettbewerb für Deutschland. Jetzt legt die 21-Jährige ihr drittes Album ("Stardust") vor - mit selbst geschriebenen Liedern. Außerdem machte sie endlich mal ein Mode-Shooting. Dafür war bisher nie Zeit.

Ist die Nervosität bei "Stardust" größer als bei Ihren ersten beiden Alben?

Klar, weil so viel von mir selber drin steckt. Ich habe entschieden, wie das Cover aussieht und welche Songs am Ende darauf gelandet sind. Wenn das Album floppt, kann man das nur mir alleine zur Last legen.

Nach Flop sieht es nicht aus: Bei iTunes lag der Song "Stardust" kurz nach Erscheinen auf Platz eins. Fiel Ihnen da ein Stein vom Herzen?

Ja, schon. Ob es ein Nummer-eins-Hit wird, ist aber nicht so wichtig. Ich bin genauso euphorisch, wenn der Song in den Top Ten ist.

Vor eineinhalb Jahren sah es so aus, als würden Sie Ihre Musikkarriere auf Eis legen, Sie haben sich an der Uni Köln für Philosophie eingeschrieben. Was war da los?

Ich hatte ein bisschen frei und dachte, etwas Alltag und Routine wären ganz gut, um mich von dem Trubel-Leben zu erholen. Die Zeit auf Tour war toll, aber auch sehr anstrengend. Ich war oft müde und wollte einfach mal zur Ruhe kommen. Bis zum Studienstart waren dann aber noch drei Monate. Da fragte mich die Plattenfirma, ob ich Lust hätte, mich mit ein paar Leuten zu treffen, um Lieder zu schreiben. Die Rohdemos haben allen so gut gefallen, dass ich mich entschieden habe, noch ein Album zu machen. Studieren kann man ja immer noch mal irgendwann.

Welche Gedanken und Themen flossen in die Songs ein?

Hauptsächlich die Freude darüber, dass ich die Chance zu einem Neuanfang bekommen habe. Aber auch ein paar Erinnerungen an die Zeit, in der mir alles ein bisschen zu viel wurde, und ich viel über mein Leben nachgedacht habe. In "Neon" geht es zum Beispiel darum, dass man alleine ist, obwohl man viele Leute um sich herum hat. Trotzdem hat das Lied eine sehr positive Kraft.

Wie aus einer anderen Welt: Lena- von Nicolas Kantor für Gala in Szene gesetzt.
Wie aus einer anderen Welt: Lena - von Nicolas Kantor für "Gala" in Szene gesetzt.
© Nicolas Kantor

Stefan Raab, in dessen Castingshow "Unser Star für Oslo" Sie entdeckt wurden, hat an "Stardust" nicht mitgearbeitet. Eine bewusste Entscheidung von Ihnen?

Es gab kein Gespräch darüber, es hat sich einfach so entwickelt. Stefan hatte viel zu tun. Und ich auch, mit mir selbst. Trotzdem war Stefan immer jemand, auf dessen Meinung und Rat ich sehr viel Wert lege. Er war einer der ersten, dem ich das Album gezeigt habe.

Sie wollen auf eigenen Füßen stehen ...

Absolut. Ich wollte etwas aus meinem eigenen Geist entstehen lassen, ohne viel Hilfe von anderen. Ich wusste, dass ich die Kraft dazu habe - ich habe schon so viel geschafft, warum das nicht auch?

Im Februar gehen Sie auf Clubtour.

Das habe ich mir so gewünscht! Ich habe erfahren, wie krass es ist, in großen Hallen zu spielen. Die Lichtshow, die vielen Tänzer - man ist selbst völlig überwältigt. Jetzt will ich wissen, wie es ist, in kleinen Läden zu spielen, in die die Leute nicht wegen der Show kommen, sondern um deine Musik zu hören.

Für Ihren letzten Tour-Auftakt in Berlin gab es 17 000 Tickets - etwa 12 000 Menschen waren dann da. Manche Journalisten nannten das einen "Flop". Haben Sie das auch so empfunden?

Nee, überhaupt nicht, völliger Quatsch! Wenn da jetzt 400 gestanden hätten, vielleicht. Aber es war brechend voll.

Lena ganz selbstverloren bei Reeperbahnfestival 2012 in Hamburg.
Lena ganz selbstverloren bei Reeperbahnfestival 2012 in Hamburg.
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Lesen Sie Kritiken?

Ich versuche möglichst nicht zu lesen, was Leute über mich schreiben.

Das erste Stichwort, das die Google-Suche bei Ihnen anbietet, lautet ...

... Po?

Nein, "Stardust".

Oh, super!

Po kommt an dritter Stelle.

Po kommt, weil ich mich bei "Unser Star für Oslo" so sehr gefreut habe, dass mein Kleid dadurch hochgerutscht ist und man meinen Po gesehen hat. Er ist aber noch nicht versichert, da hole ich mir erst Tipps von J.Lo. (lacht)

Wo finden Sie Abstand vom Leben in der Öffentlichkeit?

Mein Zuhause ist mein Rückzugsort. Ich liege total gerne im Bett und höre Hörbücher. Zum Beispiel "Mary Poppins", gelesen von Heike Makatsch. Ich praktiziere Yoga. Und ich reise gerne. Nach den Aufnahmen für "Stardust" war ich tauchen, auf Bali.

Nach Ihrem Sieg in Oslo wurden Sie auf dem Flughafen in Hannover vom damaligen Ministerpräsidenten Wulff und seiner Frau empfangen. Haben Sie Bettina Wulffs Biografie gelesen, die kürzlich für Schlagzeilen sorgte?

Nein, ich habe das Interview in der "Gala" gelesen, das reicht.

Tut Ihnen Bettina Wulff leid?

Nein, aber nicht, weil ich kein Mitleid kennen würde. Sie ist erwachsen, und hat sich entschieden, so an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie ist eine starke Frau und wird damit umzugehen wissen.

Auch Sie mussten mal eine Welle der Empörung über sich ergehen lassen: Nach einem Interview mit Frank Elstner empfanden viele Sie als frech und ungezogen. Wie sehen Sie selbst das?

Ich finde Frank Elstner total super - an jenem Tag habe ich es einfach nicht geschafft, meine Müdigkeit zu verbergen. Eigentlich bin ich eine ganz nette Person. Fröhlich und lustig, aber nicht frech. Ich hoffe, dass ich auch höflich bin, weil ich darauf selbst viel Wert lege. Und ich bin chaotisch. Ich verliere ständig Dinge. Neulich habe ich auf ein Taxi gewartet und mich dazu auf meinen Rollkoffer gesetzt. Als es kam, bin ich eingestiegen, und habe erst am Ziel gemerkt, dass ich den Koffer stehen gelassen habe.

Sie haben schon viel geschafft. Welche Zukunftsträume haben Sie?

Ich hätte sehr gern einen Hund und ganz viele andere Tiere. Ich möchte Kinder haben, mindestens drei. Ich stelle mir mein Leben in zwanzig Jahren so vor, dass ich einen Bauernhof habe und den ganzen Tag die Hunde und Kinder erziehe, dass ich backe und koche …

... und im umgebauten Hühnerstall ist ein Musikstudio.

Zum Beispiel. Oder ich biete Strickkurse an. Ich kann nämlich richtig gut stricken. Anne Meyer-Minnemann

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