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Lady GaGa "Endlich fühle ich mich sexy!"

Lady GaGa
© Splashnews.com
Comeback eines Popstars: Nach monatelanger Zwangspause ist Lady GaGa wieder da. In "Gala" spricht sie exklusiv über ihre sexuelle Befreiung und ihre Angst, nie wieder auf der Bühne stehen zu können

Vor dem "Langham Hotel" in der Londoner Innenstadt campiert ein buntes Trüppchen Gaga-Fans. Ihre Haare schillern in grellen Signalfarben, manche tragen Clownschminke im Gesicht, andere die Schweinenasen aus Plastik, die Lady GaGa am Abend zuvor bei ihrem Comeback-Konzert im Camdener Roundhouse verteilt hat. Durch das sechste Stockwerk des Hotels weht ein feiner Hauch von Gras - von dem zum Rauchen. Wir werden ins Nebenzimmer geführt, wo Lady GaGa bereits auf einem Sofa sitzt und wartet. "Hi", sagt sie und lächelt fast schüchtern, "ich bin GaGa."

Die 27-Jährige trägt ein überraschend zahmes Outfit: schwarze Hose, helle Bluse, dazu eine blonde Kurzhaarperücke, Typ Chefsekretärin. GaGa ist nervös. Sieben Monate war sie raus aus der Öffentlichkeit, am Vorabend des Interviews stand sie zum ersten Mal wieder auf der Bühne. Natürlich wollen wir wissen, wie es war.

Fühlt man sich vor so einem Auftritt nicht wie ein Rennpferd in der Startbox?

Genau so! (lacht) Aber ich habe die Zeit genutzt, sehr hart trainiert und alles gemacht, um wieder richtig fit zu sein und weitermachen zu können. Die Zwangspause im Rollstuhl war das Beste, was mir passieren konnte.

Hatten Sie Angst, dass die Hüftverletzung Ihre Karriere beendet? Sie konnten immerhin nicht eigenständig laufen …

Absolut. Ich hatte keine Ahnung, wie die Heilung nach der Operation verlaufen würde, wie lange es dauert und ob ich überhaupt wieder hundertprozentig wiederhergestellt werden würde. Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, ob wieder alles gut wird mit meinem Körper. Man weiß nicht, wie so eine Verletzung sich entwickelt und wie sie heilt.

Tiefpunkt im Frühjahr: GaGa kann wegen einer Hüfterkrankung nicht mehr laufen, wird von ihrer Assistentin im Rollstuhl geschoben.
Tiefpunkt im Frühjahr: GaGa kann wegen einer Hüfterkrankung nicht mehr laufen, wird von ihrer Assistentin im Rollstuhl geschoben.
© Splashnews.com

Sind Sie jetzt wieder komplett fit?

Bin ich. Und ich fühle mich sogar besser als je zuvor. Ich mache alles Mögliche, um meinen Körper fit zu halten: Schwimmen, Yoga, Pilates … Dazu kommt noch das gute alte Training im Fitnessstudio, Cardio und Gewichte. Sie können mich auch Rocky nennen! (lacht)

Für Ihr neues Album "Artpop" haben Sie mit bedeutenden Menschen aus der Kunstwelt zusammengearbeitet: Jeff Koons, Marina Abramovic und Robert Wilson. Wieso?

Ich wollte die Grenzen verschieben. Popmusik war mir zu eng definiert. Ich will, dass die Kunst wieder die prägende Funktion in der Popmusik einnimmt, die ihr gebührt.

In dem Video, das Sie mit Abramovic gedreht haben, laufen Sie splitternackt durch den Wald. Wie leicht war das?

Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Marina unterrichtet mich in darstellender Kunst, und in diesem Fall lief während einer Unterrichtsstunde eben die Kamera mit. Die Arbeit mit Marina reinigt mich und hilft mir, mich zu fokussieren. Sie ist der einzige Mensch, der mich künstlerisch in all meiner Tiefe versteht.

Ist Ihre Nacktheit ein Kommentar zum Sexismus in der Popmusik insgesamt?

Nein, überhaupt nicht. Die Menschen ziehen sich schon seit Ewigkeiten aus. Seit mehr als 2000 Jahren gibt es Kunstwerke, die nackte Menschen darstellen. In vielen Teilen der Welt ist es keine große Sache, sich seiner Kleidung zu entledigen. In den USA denkt immer jeder gleich, du willst ein großes Statement abgeben, wenn du dich ausziehst. Aber ich wollte einfach total frei in den Wäldern herumlaufen, das war alles. Durch den Wald rennen, die Dornen und die Zweige am Körper spüren, das war mein Wunsch. Die Botschaft ist: Auch wenn es weh tut, werde ich es heil nach Hause schaffen.

Ihr größtes Glück: Mit US-Schauspieler Taylor Kinney ist Lady GaGa seit 2011 zusammen.
Ihr größtes Glück: Mit US-Schauspieler Taylor Kinney ist Lady GaGa seit 2011 zusammen.
© Action Press

Offenbar sind Sie angekommen - mit Ihrem Freund, dem Schauspieler Taylor Kinney wirken Sie extrem glücklich.

Ich bin erwachsener geworden. Und ich bin tatsächlich sehr glücklich über diese großartige Beziehung. Ich spüre durch Taylor eine größere Harmonie mit mir selbst. Und einfach mehr Glück. Tief in mir drin fühle ich mich wohler. Und ja, ich fühle mich auch endlich sexy! Viel sexier als früher.

Wie meinen Sie das?

Vor Jahren wollte man von mir, dass ich sexy bin. Aber ich war nicht bereit dazu. Ich hatte Dinge erfahren und durchgemacht, die wirklich meine Seele zerstört hatten, und sexy zu sein bedeutete damals etwas anderes als heute. Ich wollte niemanden verführen - nicht mit meiner Musik, nicht mit meinem Körper. Dieser Gedanke ließ mich schaudern.

Wieso ist das jetzt anders?

Jetzt empfinde ich endlich eine große Freiheit, was Sex angeht. Nicht weil es mir heute Spaß macht, die Leute zu verführen, sondern weil ich erleichtert und froh bin, dass ich überhaupt in der Lage bin, auf der Bühne und privat die Verführerin zu sein. Ich feiere mit meinen neuen Songs die Lust. Ich will vermitteln, sich wohlzufühlen in seinem Körper, sich zu akzeptieren, zu mögen, sich selbst zu lieben, glücklich darüber zu sein, wer man ist. Dazu gehört auch, dass man sich nicht dafür schämen muss, mal eine Schweinenase zu tragen, während man den Song aufführt. Auch mit Schweinenase kann ich noch heiß und eigenartig sein! (lacht)

Steffen Rüth


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