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Lady GaGa "Das ist erst der Anfang"

Sie ist der größte Popstar unserer Zeit: Aber das reicht Lady GaGa nicht, wie sie im Interview mit Gala verrät

Bei ihr gehört die große Show einfach dazu,

auch wenn sie nur zum Interview bittet. Und so rauscht Lady GaGa energischen Schritts auf gefährlich hohen Plateauschuhen in den Garten des "Beverly Hills Hotels" in Los Angeles. Einen Blick auf die Frau, die sich hinter dem Gesamtkunstwerk versteckt, gestattet die 25-Jährige nicht. Stattdessen setzt sie wie fast immer auf schrille Fassade: hautenges lila Transparentkleid, Turmfrisurperücke und Extrem-Make-up. Seit zweieinhalb Jahren dominiert Lady GaGa den Popzirkus. Sie vereint Mode, Trash und Kunst in einer Person; macht da weiter, wo Madonna aufgehört hat und beherrscht die mediale Selbstinszenierung perfekt. Die Chancen auf eine dauerhafte Regentschaft stehen gut: Am 23. Mai erscheint ihr neues Album "Born This Way", ein sicherer Hit. Im Gala-Interview gibt sich der Star auffällig kontrolliert. Lady GaGa lacht kaum und lässt sich für jede Antwort Zeit. Eine Frau eben, die so gar nichts dem Zufall überlässt.

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Wie lange dauert es eigentlich, bis Sie Ihr Make-up aufgetragen haben?

Das kommt wirklich darauf an ...

Wie lange haben Sie denn heute gebraucht?

Ungefähr eine Stunde. Ich bin fix und habe sehr viel Übung.

Könnten Sie sich vorstellen, in Jeans und T-Shirt aufzutreten?

Nur falls mir danach ist. Für mich ist es wichtiger, ich selbst zu sein. Wenn ich Jeans und T-Shirts tragen wollte, dann würde ich das tun. Aber das bin ich einfach nicht.

Können Sie uns einen menschlichen Moment im Leben von Lady Gaga beschreiben?

Ich hatte dieses lustige Erlebnis nach meinem 25. Geburtstag, als ich allein und nackt in einem Hotelzimmer in Los Angeles aufgewacht bin. Ich hatte keine Kleidung in meinem Zimmer und musste zum Schrankzimmer laufen. Ich bin nackt aus dem Bett geklettert, habe mich umgeschaut, ob irgend jemand in der Nähe ist und bin über den Flur gerannt. Das war dieser unschuldige und unglaubliche Moment, in dem ich mich plötzlich wie eine Sechsjährige gefühlt habe, die sich vor dem Universum versteckt und hofft, dass niemand sie sieht.

Warum war dieser Moment so wichtig für Sie?

Weil ich gemerkt habe, wie dankbar ich für das sein kann, was ich bisher erreicht habe. Um ehrlich zu sein: Das ist erst der Anfang. Ich habe nicht einmal damit begonnen, kreativ oder musikalisch zu zeigen, wozu ich fähig bin.

In Sachen Style übertreffen Sie sich immer wieder selbst. Wie haben Sie das Stil- und Musikkonzept für Ihr neues Album entwickelt?

Wenn ich Musik schreibe, denke ich oft darüber nach, wie sie aussehen würde. Umgekehrt sehe ich Dinge, die mich an Sounds denken lassen und Musik auslösen.

Ihr Aufstieg ist rasend schnell passiert. Woher nehmen Sie die Energie, die man für eine solche Wahnsinnskarriere braucht?

Wie lade ich meine Gaga-Batterien auf? Ich stöpsele mich ein. Ich habe einen USB-Auflader in meiner Wirbelsäule, den man direkt in den Laptop einstecken kann. (grinst)

Was bedeuten Ihnen Ihre Fans?

Ich lerne von den Menschen, die meine Musik mögen, viel über mich selbst. Es ist zu meiner Lebensaufgabe geworden, ihnen zu dienen; etwas an sie zurückzugeben. Ich bete meine Fans an.

Ihre Fans kommen Ihnen aber manchmal auch gefährlich nahe. In London sind Sie begrapscht worden. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen etwas passieren könnte?

An solchen Gedanken beiße ich mich nicht fest. Ich mache Musik. Für mich ist das nicht anders, als mit 19 betrunken in einem Nachtclub voller gefährlicher Männer zu feiern. Manchmal muss man eben vorsichtig sein. Meine Fans sind da, weil sie mich lieben. Und ich bin dazu da, sie zu lieben.

Mit wachsendem Erfolg wurden die Outfits schriller. Bisheriger Gaga-Höhepunkt: das Fleischkostüm, das sie 2010 bei den der MTV M
Mit wachsendem Erfolg wurden die Outfits schriller. Bisheriger Gaga-Höhepunkt: das Fleischkostüm, das sie 2010 bei den der MTV Music Awards trug.
© Reuters

Das klingt nach totaler Hingabe.

Und so ist es auch! Das Einzige, woran ich im Moment denke, ist, dieses Album fertig zu kriegen und dabei das Beste herauszuholen. Eigentlich ist es ja fertig, aber Musik ist so eine komplexe Sache. Ich könnte noch sechs Monate daran rumverbessern.

Dann sind Sie also Perfektionistin?

Nein, ich verabscheue Perfektionismus! Makel sind schön. Mir geht es nicht um Perfektionismus. Es geht darum, emotional und auf der Bauchebene Gefühle bei meinen Fans auszulösen. Ich will, dass sie sich in der Musik hören, weil sie mich dazu inspirieren.

Sie haben eine starke Stimme, die voller Seele ist. Welche Sängerinnen inspirieren Sie?

Edith Piaf ist eine der großartigsten Vokalistinnen aller Zeiten. Judy Garland auch. Ich habe schon immer diese Sängerinnen bewundert, die 50 Zigaretten aus dem Hals hängen hatten.

Rauchen Sie?

Nur wenn ich Musik schreibe. Aber es gefällt mir nicht. Weil es meiner Stimme einfach nicht gut tut.

Wie schreiben Sie Ihre Songs?

Am besten kann ich das damit beschreiben, dass ich mich 15 Minuten lang auskotze. Mentales und verbales Übergeben für 15 Minuten: Töne, Worte, Ideen. Anschließend ist es mein Job, all das zu ehren, was dabei herausgekommen ist. Dann optimiere ich es und bessere es aus.

Woher kommt eigentlich Ihre Vorliebe für das Theatralische?

Ich bin in einer katholischen Schule großgezogen worden. Und die Kirche ist theatralisch. Da steht ein Priester und predigt, es gibt Musik. Mein ganzes Leben lang war ich davon umgeben.

Beschäftigt Sie das Thema Religion auch heute noch?

Ich denke viel über das Schicksal nach. Ich bin Sängerin, richtig? Aber ich habe auf dieser Erde eine höhere Bestimmung. Es geht nicht nur darum, Musik zu machen. Ich kann großartige Popsongs schreiben. Vielleicht ein paar Alben verkaufen. Aber das treibt mich nicht an. Ich habe kein Interesse daran, ein Trend zu sein, an den man sich irgendwann mal erinnert. Ich will einen Abdruck auf der Erde hinterlassen, ein Vermächtnis!

Und was wäre das?

Ich wünsche mir, dass meine Fans, wenn sie 80 sind, sagen: Ich werde nie die Zeit vergessen, als Gaga ein Star wurde. Sie war furchtlos. Es war ihr scheißegal, was irgendjemand gesagt hat. Und wir haben sie geliebt. Weil wir uns ihretwegen frei gefühlt haben.

Glauben sie an die Ehe?

Honey, ich stamme aus einer italienischen Familie! Ich will einen Ring, eine Kirche voller Blumen und Brautjungfern. Ich bin altmodisch. Ich will eines Tages heiraten.

Gibt es aktuell einen Kandidaten?

Nein.

Anna-Barbara Tietz

gala.de

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