Klaus Maria Brandauer: "Am Ende sind wir alle gleich"

Klaus Maria Brandauer lässt sich nur ungern in die Seele schauen - für "Gala" machte er eine Ausnahme. Ein Gespräch über das Älterwerden, die Liebe zum Theater und das Fatale des Lebens

Klaus-Maria Brandauer

Kaum zu glauben, dass dieser Mann kommenden Monat 70 Jahre alt wird. Im Gespräch mit "Gala" wirkt Klaus Maria Brandauer, der im TV-Drama "Die Auslöschung" einen in die Demenz abdriftenden Kunstprofessor spielt, wie ein kleiner Junge: Seine Augen spiegeln Begeisterung oder Unmut, je nachdem, wie ihm die Frage gefällt. Er kichert und staunt, fuchtelt mit den Armen umher, um seinen Sätzen Nachdruck zu verleihen. Schnell ist klar: In Brandauer brennt ein Feuer, das noch lange nicht verlöschen wird.

Frisch in Judith (Martina Gedeck) verliebt, erhält Kunsthistoriker Ernst (Brandauer) eine niederschmetternde Diagnose ..."Die Auslöschung" mit Birgit Minichmayr ist dank des Spiels der Hauptdarsteller ein intensives Erlebnis. (ARD, Mittwoch, 8.5., 20.15 Uhr)

Haben Sie nach Ihrer Rolle in "Die Auslöschung" mehr Angst vor dem Altwerden oder vor Demenz?

Man darf sich persönlich nicht so wichtig nehmen. Jeder hat Angst vor schweren Krankheiten oder dem Tod. Das ist doch ganz normal, es betrifft Milliarden von Menschen. Manche sterben am Tag ihrer Geburt, manche mit elf oder dreiundzwanzig und andere mit dreiundneunzig. Man darf nie meinen, dass man ein besonders schweres Schicksal hat. Es ist einfach das Leben.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Ach, wozu? Seit Jahrtausenden wissen wir doch, dass man auf die Welt kommt, ohne gefragt zu werden, und früher oder später muss man wieder gehen, auch ohne gefragt zu werden. Darauf habe ich mich einzustellen, darum geht es im Leben. Manche bilden sich ein, man kann das ein bisschen verzögern, wenn man gesund lebt. Aber am Ende sind wir alle gleich und müssen gehen.

Seit 2007 ist Brandauer mit seiner zweiten Frau Natalie, 37, verheiratet.

Sie leben im sehr beschaulichen Altaussee. Wieso haben Sie nie Landflucht betrieben? Das aufregende Leben findet doch woanders statt.

Wie recht Sie haben, ich bin tatsächlich tiefste Provinz. Mein Zuhause ist Altaussee in der Steiermark, dort komme ich her, und deshalb gehöre ich dort auch hin. Bei uns geht man an einem Wirtshaus vorbei, und wenn es darin hoch hergeht, dann wissen Sie nicht, ob da eine Geburt gefeiert wird oder eine Hochzeit oder ein runder Geburtstag oder ob das nach einer Beerdigung ist. Und in diesem Wechselspiel des Lebens, dieser Selbstverständlichkeit, bin ich aufgewachsen. Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter.

Sie sind bis heute der am meisten mit internationalen Filmpreisen nominierte oder ausgezeichnete deutschsprachige Schauspieler. Wollten Sie nie mehr in Hollywood erreichen?

Also ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was ich erreichen will. Mein erster Film war im Jahre 1970, der hieß "Top Secret" und war von der 20th Century Fox. Das war mir eigentlich so fad, dass ich danach nie wieder drehen wollte und trag mit dem Wiener Burgtheater unterschrieben habe, der übrigens noch heute gültig ist.

Im Bond-Abenteuer "Sag niemals nie" (1983) ging Brandauer mit seiner Filmpartnerin Kim Basinger auf Tuchfühlung.

Was war daran fad?

Beim Drehen? Mir schien und scheint das Theater immer die näherliegende Form zu sein. Aber ich habe dann ja später meine Vorbehalte Gott sei Dank doch noch überwunden und ein paar ganz gute Filme gedreht, in Europa und in Amerika.

Wie war das bei "Jenseits von Afrika"?

Ich habe von Montagfrüh bis Freitagabend gedreht, bin dann ab Nairobi mit Alitalia nach Rom und von dort mit Austrian Airlines nach Wien. Abends habe ich Hamlet gespielt, den nächsten Tag ging’s wieder zurück. So lief das nicht nur einmal - das Theater bleibt für mich immer die Nummer eins.

Im Bond-Film "Sag niemals nie" wollten Sie zunächst gar nicht mitspielen.

Ich wurde gefragt, ob ich beim neuen James Bond dabei sein möchte. "Nein. Ich bin der Don Carlos und der Hamlet am Burgtheater. Das ist doch lächerlich!" Dann hat sich Sean Connery höchstpersönlich bei mir gemeldet und gesagt: "Wir werden viel Spaß haben - und einen Haufen Geld." Diese künstlerischen Gründe haben mir eingeleuchtet, und so kam es dann auch.

Verfolgen Sie Kino-Karrieren wie die von Christoph Waltz?

Persönlich kenne ich ihn gar nicht, aber ich schaue sehr gern hin, was er tut. Schon sein Auftritt in "Inglourious Basterds" war wirklich allerhand. Und zwei Oscars hintereinander zu kriegen - das ist ja nicht nur Glück.

Angela Merkel bezeichnet "Jenseits von Afrika" als ihren Lieblingsfilm.

Wirklich? Das wusste ich gar nicht. Wir haben zwar mal ein Gespräch gehabt im Brecht-Haus in Berlin, aber da ging es logischerweise hauptsächlich um Brecht. Außerdem muss das ja nicht an mir liegen. Vielleicht mag sie die Meryl Streep?

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