Kate Moss: Mein Date mit Kate

Schon als Teenager verehrte Roland Rödermund Kate Moss. Nun traf der "Gala"-Redakteur sie in Paris. Ein Gespräch über Stil, Coolness und Hochzeiten - und mit viel Herzklopfen

Der Titel "Waity Katie"

wäre ja wieder frei. Aber eine Kate Moss wartet nicht - sie lässt warten. (Und selbst das findet man toll.) Die coolste Frau der Welt will mir ein Interview geben. Wir treffen uns in Paris, wo Skandalfotograf Terry Richardson die 37-Jährige beim Dreh für einen Imagefilm des Labels Mango in Szene setzt. In den Minuten vor dem Gespräch im "Salon d'Été" des "Ritz" beginnt mein Puls zu rasen. Ich verehre Kate, seit sie mit 15 nicht ganz jugendfrei "Obsession" flüsterte. Diese Frau ist Glamour und Rebellion zugleich. Und sie gilt als einsilbig, Interviews mit ihr sind rar. Eine Modejournalistin fragte mich ein paar Tage vor dem Interview entgeistert: "Sie sprechen mit ihr? Wen haben Sie erpresst?"

Kate Moss

Skandal-Model

1. November 2010: Kate Moss präsentiert ihre neue Kollektion bei Topshop in London.
Oktober 2010: Kate Moss und Jamie Hince beim Glastonbury-Festival.
Neben dem "Topshop"-Besitzer Philip Green sitzt Kate Moss mit Chloe Green.
Fatamorgana der Pariser Fashion Week: Kate Moss, Karl Lagerfeld und - Beth Ditto?!

22

Endlich. Mit 90 Minuten Verspätung kommt "meine" Kate hereingerauscht. Höflich ist sie, very British. Leise, etwas kratzige Stimme, knappe Antworten. Klar: Wenn man an beiden Enden brennt, hält man sich nicht unnötig auf. Also los!

Gleich hier um die Ecke prangt ein riesiges Porträt von Ihnen, die Galerie de l’Instant widmet Ihnen gerade eine Ausstellung. Sehen Sie sich selbst gern auf Bildern?

Es ist eigenartig. Wenn ich ein Cover oder eine Fotostrecke sehe, habe ich gar nicht das Gefühl, dass ich das bin. Um ehrlich zu sein: Ich bin schüchtern.

Kate und ihr Traumprinz: Am 2. Juli heiratet sie den Musiker Jamie Hince.

Zu schüchtern, um zuzugeben, dass Sie sich gefallen?

(lächelt) Genau.

Lasziver Blick, kein Lächeln - auf vielen Fotos sind Sie die coole, sexy Kate. Was bringt Sie so richtig zum Lachen?

Situationskomik. Wenn ich mal wieder in eine völlig absurde Situation gerate. Und der trockene britische Humor. Love it!

Viele Supermodels wechseln früher oder später das Fach. Wann sehen wir Sie endlich auf der Leinwand?

Niemals! Ich will niemanden enttäuschen.

Und wann hören wir Sie auf CD? Auf Privatpartys sollen Sie ja gern mal zum Mikro greifen.

Ich liebe Musik. Karaoke mit Freunden zum Beispiel. Und ich singe ab und zu mit Jamie. That's it!

Auf welche Musiker stehen Sie denn so?

Mick Jagger, David Bowie - all diese Sexgötter des Rock.

Nur so alte Typen?

Ich mag auch The Kills, offensichtlich ... (Kate lächelt. Am 2. Juli heiratet sie den Kills-Sänger Jamie Hince; Anm. d. Red.)

Alle Welt feiert Sie als Ikone, Frauen auf der ganzen Welt kopieren Ihren Stil. Wer inspiriert Sie?

Holly Golightly aus "Frühstück bei Tiffany". Jane Birkin. Elizabeth Taylor.

Sehr nostalgisch. Aber welche Lady von heute kann in Sachen Coolness mit Ihnen mithalten?

Ich verehre die Künstlerin Tracey Emin. Daphne Guinness ist ziemlich abgefahren. Und Lady Gaga gibt einem das Gefühl, sich mal wieder so richtig aufbrezeln zu können.

Was für Menschen faszinieren Sie?

Solche, die sich ein bisschen aufspielen, innerlich zerrissen sind - und dabei gut aussehen.

Kann Mode Sie eigentlich noch überraschen?

Und ob. Ich erinnere mich da an ein Margiela-Kleid, das ich zu einer Party tragen durfte. Es umhüllte mich wie Bonbonpapier und wurde nur mit einem winzigen Clip zusammengehalten. Aber eine große Abendrobe!

Welche Regel befolgen Sie als Stil-Ikone?

Nur eine: Ich trage einfach das, was ich mag. Trends sind mir ziemlich egal.

Ohne was könnten Sie nicht leben?

Blazer und Skinny Jeans. Das war ein Scherz! Ich könnte nicht ohne meine Tochter und meinen Freund leben.

Was mögen Sie an Ihrem Job am wenigsten?

Allein reisen zu müssen. Schon als ich damals anfing, war das so. Es kann sehr einsam sein für ein junges Model. Das ändert sich, wenn man eine Familie hat. Meine Tochter Lila für einen Job allein lassen zu müssen bricht mir jedes Mal das Herz.

Wie Kate Moss duftet, weiß Roland Rödermund jetzt auch: nach Lilien, Marlboro Lights und Rock 'n' Roll pur.

Sie gelten als Workaholic. Mit 15 posierten Sie nackt für Calvin Klein und wurden so zur Mitbegründerin des umstrittenen "Heroin Chic". Was war das Schlimmste, das Sie je bei einem Fotoshooting erlebt haben?

Oh Gott, da gibt es so viel. Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben. Nein, noch besser: Das wäre was für eine eigene Ausstellung. Arbeitstitel: "Foltermethoden und Albträume". lacht)

Trotzdem können Sie es nicht lassen.

Es ist harte Arbeit, aber sie macht mir Spaß. Quälerei macht mir nichts aus, wenn es darum geht, ein gutes Bild zu erschaffen.

Was machen Sie, wenn Sie mal nicht fotografiert werden?

Dann bin ich natürlich mit meiner Tochter und meinem Boyfriend zusammen.

Kate Moss und Starfotograf Terry Richardson spielen in dem neuen Imagefilm für das Modelabel Mango mit.

Und wo sind Sie drei am liebsten? Ibiza? Thailand?

Das kann ich Ihnen doch nicht verraten! Ich bin ja gerade deshalb so gern dort, weil es einsam ist. Wäre schrecklich, wenn da plötzlich Menschenmassen einfallen würden.

Was war der bislang schönste Moment Ihres Lebens?

Als ich Lila zur Welt gebracht habe. Nach der Geburt, als es vollbracht war und ich nur dachte: "Yeah! Ich hab’s geschafft!"

Und welche kommen noch?

Erst mal werde ich heiraten. Und vielleicht noch mehr Kinder? Ach, wer weiß schon, was die Zukunft bringt. Meine Karriere ist jedenfalls soweit okay.

Für Ihre Verdienste um den Brit-Stil könnte die Queen ruhig mal einen Titel springen lassen. Würden Sie sich als Dame Kate gefallen?

Gott bewahre! Ich bin ja wohl zu jung dafür, dass aus mir eine Dame wird. Wenn schon, dann Baronin. Oder Lady Kate.

Seit der Hochzeit von William und Kate Middleton zirkuliert im Netz ein Foto von Ihnen, auf dem Sie nichts außer Brautschleier und Blumenstrauß tragen. Kommentar dazu: "There's only one Kate in London."

Dieses alte Bild - keine Ahnung, wie das aus der Versenkung auftauchen konnte. Also, ich war das nicht! Schräg, dass ausgerechnet ich mit der royalen Hochzeit in Verbindung gebracht werde.

So schräg nun auch wieder nicht ...

Weil ich selbst bald dran bin, ja.

Haben Sie sich die Hochzeit angesehen, als Inspiration?

Natürlich. Ich war mit Freunden auf dem Land. Alle haben geheult, großartig. Und wir Frauen meinten alle: Okay, wir sollten uns Harry schnappen.

Der wilde Harry wäre also eher was für Sie als der brave William?

Nein, danke. Weder noch. Denken Sie dran: Ich heirate bald einen anderen. (mit übertrieben dramatischer Stimme:) "Mein Prinz, mein Prinz!" Ich würde nicht mit Kate Middleton tauschen wollen. Mein Prinz ist übrigens gerade oben und wartet. Ich muss los!

Roland Rödermund

Themen

Mehr zum Thema

Star-News der Woche