Kate Beckinsale: "Meine Familie findet das immer noch zum Lachen"

Kate Beckinsale, die in "Total Recall" Colin Farrell das Leben schwer macht, spricht über ihren ungeplanten Weg zur Actionheldin, die Arbeit mit ihrem Ehemann als Regisseur und Hollywoods Frauenbild

Beim Interview im Luxushotel Adlon in Berlin wirkt Kate Beckinsale fröhlich und entspannt. Im buntgemusterten Kleid hat sie sich dem schönen Wetter angepasst. Auf das Kompliment, dass sie heute wirklich gut aussähe, antwortet sie mit einem Lächeln und sagt 'Oh, vielen Dank. Das ist ein ziemliches Wunder, ich bin heute nämlich extrem müde.'



Kommen wir doch gleich zur Sache: Wie war es, Colin Farrell einmal so richtig zu verprügeln?

Das hat Spaß gemacht. Es hat sogar sehr viel Spaß gemacht. Ich hatte ein bisschen Angst, weil ich zwischen dem Drehschluss von 'Underworld 4' und dem Drehbeginn zu 'Total Recall' nur vier Tage hatte. Normalerweise hat man ein paar Monate Zeit um zu trainieren. Dadurch kam es mir schon ein bisschen so vor, als hätte ich es vielleicht nicht so drauf wie Colin und Jessica, die mehr Zeit hatten.

Und Jessica Biel? Wie ist es, mit einer Frau den Nahkampf anzutreten?

Mit Jessica lief es auch gut. Besonders, weil sie ein wirklich toller Kampfpartner ist, sie kann das einfach richtig gu. Aber ich hatte bei ihr trotzdem noch ein bisschen mehr Angst, ich wollte ihr ja nun wirklich nicht die Nase brechen oder ihr ein blaues Auge verpassen. Ich meine: Um Gottes Willen, es ist Jessica Biel – sie war mal 'Sexiest Woman Alive'! (Lacht).

Den Titel haben Sie aber auch schon innegehabt ...

Das stimmt. Colin hatte es wohl wirklich nicht leicht mit uns beiden, der muss sich richtig schlecht gefühlt haben (lacht)

Wie ist es, diesen Titel zu tragen?

Oh, das ist nun schon einige Jahre her. Ich hab ihn jetzt nicht mehr. Meine besten Jahre sind ganz offensichtlich vorbei (lacht). Ich glaube, man bekommt den Titel auch immer nur für ein Jahr.

Sie haben da aber auch schon ganz andere Erfahrungen gemacht, zum Beispiel beim Dreh von 'Pearl Harbor'.

Ja. Ich mag den Regisseur Michael Bay eigentlich sehr gerne, aber das war schon ein bisschen seltsam. Es war das erste Mal, dass ich einen so enorm großen Film gedreht habe und ich hatte so etwas noch nie erlebt. 'Pearl Harbor' spielt in den 40er Jahren, da waren die Frauen nicht so superdürr. Aber man verordnete mir vor dem Dreh diesen strengen Diätplan und ständiges Fitnesstraining. Mir kam es so vor, als wären die Macher des Films alle gestresst, weil sie beim besten Willen nicht wussten, wie man mich attraktiv machen kann.

Ich komme aus England, da ist es eher so, dass hinter deinem Rücken getuschelt wird, wenn man dich nicht hübsch findet. Aber hier war das anders. Sie meinten quasi 'Um Gottes Willen, was machen wir nur mit dir?'. Und dann haben sie mir die ganze Zeit Wimpern angeklebt oder irgendwas in den BH gesteckt oder Haarverlängerungen angebracht. Als es dann zu den Pressekonferenzen zum Film kam und Michael Bay gefragt wurde, warum er mich für 'Pearl Harbor' ausgewählt hatte, meinte er 'Weil Kate nicht so furchtbar attraktiv ist, dass sie andere Frauen einschüchtert. Da hatte ich dann doch genug, es hat schon genervt. (lacht).

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Finden Sie nicht, dass das viel darüber aussagt, wie Hollywood Frauen und Schauspielerinnen sieht?

Ja, vielleicht schon. Ich hatte das Glück, dass Ben Affleck da war, der mir erzählte, dass sie das mit ihm auch gemacht haben. Aber für mich war es das einzige Mal, dass ich so eine Erfahrung gemacht habe.

Anne Facompre (rechts) traf Schauspielerin Kate Beckinsale zum Interview in Berlin.

Sie haben seitdem ja auch viele andere Filme gedreht. Mittlerweile sieht es schon fast so aus, als würde man direkt zu Ihnen kommen, wenn es um Actionfilme geht.

Ja, das ist schon erstaunlich. Als ich mit der Schauspielerei angefangen habe, war ich an der Uni. Da konnte ich immer nur eine Sache pro Jahr machen und wollte unbedingt, dass ich so viele verschiedene Projekte wie möglich bekomme. Also habe ich eine Komödie gemacht und dann zum Beispiel etwas Französisches oder ein Theaterstück. Als dann 'Underworld' kam , dachte ich nur 'Oh Gott, niemand würde mich je als Actionheldin sehen!' Und ich war mir nicht mal sicher, ob ich es mir zutraute.

Ich glaube, mir war damals auch gar nicht klar, dass diese Filme, falls sie erfolgreich sein sollten, wahrscheinlich viel mehr Aufmerksamkeit bekämen als andere Filme. Das ist bei Actionfilmen eben so. Und dann hat man den Ruf weg und es ist schon seltsam, wenn man auf einmal auf der ganzen Welt als jemand gilt, der man gar nicht ist. Meine Familie findet das Ganze immer noch zum Lachen. Ich war definitiv nie das Mädchen, von dem man dachte, dass sie eines Tages in Actionfilmen sein würde.

Und dann waren Sie dieses Mal auch noch der Bösewicht im Film.

Ja, das war super. Ich finde es besonders gut, dass Lori nicht denkt, dass sie böse ist. Sie hält sich für die Heldin. Und sie ist so ein bisschen verrückt und ungebremst, das hat mir auch wirklich gefallen. Das einzig Negative ist, dass es ein bisschen einsamer ist, die Böse zu spielen.

Ihr Ehemann Len Wiseman hat bei 'Total Recall' Regie geführt. Wie ist es, mit ihm zusammen zu arbeiten?

Es ist toll. Ich habe es von Anfang an immer genossen, mit ihm zu arbeiten. Wir haben uns ja an einem Filmset kennengelernt. Ich kann mir vorstellen, dass es vielleicht anders wäre, wenn wir niemals zusammengearbeitet hätten, bevor wir zusammen und verheiratet waren. Aber jetzt ist das alles ganz familiär. Es kann aber sein, dass wir ein bisschen weniger freundlich miteinander umgehen, als das vorher der Fall war. (Lacht.)

Len hat gesagt, dass ihr am Set fast ausschließlich per SMS kommuniziert.

Ja, das stimmt. Er ist da ganz paranoid. Ich bin es gewohnt, dass mich alle anstarren und wissen wollen, was ich gerade tue, aber er findet das ganz furchtbar. Ich glaube, er muss nur daran denken, dass uns jemand bei einer kleinen Auseinandersetzung sehen könnte und das würde ihn schon umbringen. Er findet diese ganze Aufmerksamkeit nicht besonders gut.

Sind Ihre engsten Freunde auch alle Schauspieler oder Schauspielerinnen?

Nein, eigentlich kaum. Ich hatte das Glück, dass meine Tochter Freundinnen hat, deren Eltern ich wirklich mag. Das ist wirklich gut. Ein paar meiner Freunde kommen schon aus dem Schauspielbusiness. Aber meine besten Freundinnen habe ich schon aus der Schulzeit. Eine, seit ich fünf war, die andere, seitdem ich elf war. Mit denen rede ich eigentlich jeden Tag. Darum freue ich mich immer, wenn ich nach England komme.

Apropos England, haben Sie als Engländerin nicht das Ziel, vielleicht einmal in einem James Bond-Movie mitzuspielen?

Na klar, aber nur, wenn ich Bond sein darf.

Interview: Anne Facompre

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