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Karen Duve "Der beste Job der Welt"


Die Star-Autorin über die Verfilmung von "Taxi", ihre Taxifahrer-Vergangenheit - und Sex mit Kleinwüchsigen

Betrunkene plumpsen auf die Rückbank, Zuhälter spielen mit ihren Messern, und immer wieder kommt die Frage: Warum fährt ein Mädchen wie du überhaupt Taxi? Karen Duve erlebte das tausendfach, als sie sich Mitte der Achtzigerjahre hinters Lenkrad setzte. Diese Woche kommt ihre Geschichte, die sie 2008 in ihrem Roman "Taxi" verarbeitete, ins Kino.

Mit dabei: Robert Stadlober, Stipe Erceg sowie Hollywood-Star Peter Dinklage. Beim GALA-Interview in Berlin erzählt die heute 53-jährige Autorin, warum beim Taxifahren die Nächstenliebe schwindet und was sie über Sex mit Kleinwüchsigen denkt.

Wie ist es, sich selbst auf der Leinwand zu sehen?

Ein bisschen unheimlich. Die Hauptdarstellerin ist meinem Ich aus dem Jahr 1986 in vielem sehr ähnlich, nicht nur äußerlich. Außerdem mussten wir sparen und haben in meiner alten Wohnung gedreht, die ich immer noch in Hamburg unterhalte. Auch manche der Kleider, die Rosalie Thomass trägt, sind die Originalkleider, die ich damals anhatte. Für mich ist das wie eine Zeitreise. So als könnte ich ein Fenster aufmachen und in meine Vergangenheit zurückschauen.

War die Ähnlichkeit beim Casting gewollt?

Wir hatten nach einer Hauptdarstellerin gesucht, die etwas Taffes verkörpert, der man glaubt, dass sie nachts mit dem Taxi durch Hamburg fährt und sich gegen ihre Fahrgäste durchsetzen kann. Dass es eine Schauspielerin wurde, die mir außerdem sehr ähnlich sieht, war Zufall – macht mir aber viel Spaß.

Die Fahrerin im Film wird ständig gefragt, was sie studiert. Außer mir studierten damals tatsächlich fast alle. Heute gibt es diesen Typ Taxifahrer – arroganter Philosophiestudent im 16. Semester – gar nicht mehr. Der existierte damals nur vor dem luxuriösen Hintergrund, dass jeder einen Studienplatz haben konnte und auch ziemlich sicher sein konnte, irgendwann einen Job zu bekommen. Da haben sich viele gleich ganz ausgeklinkt. Außerdem hatte es auch etwas Abenteuerliches, Taxifahrer waren Großstadtcowboys.

Bis heute gibt es kaum Frauen hinterm Taxisteuer. Sie sind aber immer gerne gefahren, oder?

Ja. Einerseits ist es der netteste Job der Welt, wenn man gerne Auto fährt, wenn man seine Stadt liebt oder lieben lernen möchte. Die ganze Großstadt wird einem irgendwann so vertraut wie das eigene Wohnzimmer. Andererseits ist es der schlimmste Job der Welt. Es passiert jeden Abend, dass man mies angemacht wird oder einen jemand anpöbelt, man sei falsch gefahren. Da braucht man gute Nerven. Und man muss gut Grenzen setzen können. Sonst geht man dabei drauf.

In einer Szene folgt die Taxifahrerin einem Fahrgast, der kein Geld hat, bis in seine Wohnung und pfändet einige Schallplatten. Ganz schön mutig!

Das habe ich mehrmals getan. Heute würde ich auch sagen: Mensch, da bist du aber echt risikobereit gewesen! Aber wir haben das damals alle so gemacht. Eigentlich eine furchtbar herzlose Angelegenheit, diesen Menschen, die einen zwar betrügen wollen, die aber kaum das Lebensnotwendige besitzen, auch noch das letzte halbwegs brauchbare Teil aus der Wohnung zu stehlen.

Verroht man beim Taxifahren?

Der Fahrersitz eines Taxis ist ein Ort, wo sich die Liebe zum Mitmenschen schnell verschleißt. Bei mir war das jedenfalls so. Aber ich kenne auch Fahrer, die das völlig anders sehen, ihre Gäste mögen und die auch nicht so hinter dem Geld her sind. Mir war das Geld immer sehr wichtig. Die Fahrgäste habe ich eher als Störfaktor wahrgenommen.

Im Film geht die Taxifahrerin eine eigenartige Liebesbeziehung zu einem kleinwüchsigen Mann ein, gespielt von Peter Dinklage. Was hat den „Game Of Thrones“-Star an der Rolle gereizt?

Er fand gut, dass er nicht nur der intelligente Freund ist, der sich voller Sehnsucht nach einer Frau verzehrt, sondern dass er bei diesem Film viel körperlichen Einsatz zeigen muss. Er sagte, solche Drehbücher gebe es nicht oft. Das hat mich natürlich mächtig stolz gemacht.

Können Sie den Sexappeal von Peter Dinklage nachempfinden?

Er ist ein sehr attraktiver Mann. Und warum sollen eine große Frau und ein kleinwüchsiger Mann keinen guten Sex haben können? Dem steht überhaupt nichts entgegen. Ich glaube, bei Peter Dinklage können sich das viele Frauen gut vorstellen.

Haben Sie einen Gastauftritt?

Nein, wollte ich auch nicht. Mir war wichtig, dass der Film gut wird, und das wollte ich nicht durch unzureichende schauspielerische Fähigkeiten gefährden. Aber mein überaus begabter Hund, eine kleine Bulldogge, hat eine Mini-Rolle. Er darf am Anfang als Gast mit im Taxi sitzen.

Stefanie Richter Gala


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