Julianne Moore: "Ich vermisse Schnellimbisse und Weißwurst!"

Mit dem Rad durch Berlin, shoppen in Mitte, spazieren an der Hamburger Alster. Julianne Moore outet sich im Interview mit GALA als wahrer Deutschland-Fan

Sie hatte eine Grippe, musste wenige Tage zuvor sogar die Premiere ihres neuesten Films "Maggie’s Plan" auf der Berlinale absagen. Aber: Julianne Moore, 55, ist hart im Nehmen und ein Vollprofi. Trotz Husten und extrem heiserer Stimme erscheint die Oscar-Preisträgerin zum GALA-Interview im Berliner Hotel "Regent". Und das nicht etwa mit schlechter Stimmung oder einer gestressten Miene. Nein. Julianne Moore lacht, strahlt und erzählt leidenschaftlich von ihrer Zeit in Deutschland und erinnert sich an den Tag zurück, an dem ihre Karriere den Höhepunkt erreichte.

Julianne Moore: Gewinner des Tages

Julianne Moore

Gewinner des Tages

Als Jugendliche haben Sie einige Jahre in Deutschland verbracht. Ihr Vater war Richter bei der US Army und wurde in Frankfurt stationiert. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit?

Ich habe es geliebt! Ich war 16 und hatte zuvor noch nie die Vereinigten Staaten verlassen. Das war in den Siebzigern. Damals waren die Kulturen sehr verschieden, heute ist alles so global. Ich habe die Freiheit genossen, in einen Zug zu steigen und in eine andere Stadt zu fahren, Europa kennenzulernen. Das alles hat meinen Horizont erweitert. Dieser schnelle Lebenswandel hat mir das Gefühl gegeben, dass alles im Leben möglich ist.

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Was haben Sie nach Ihrer Rückkehr aus Deutschland vermisst?

Absurde Dinge. Die Türklinken beispielsweise. In den Staaten gab es ja nur Knäufe. Ich vermisse heute noch die Schnellimbisse mit den leckeren Pommes. Weißwürste, das Bahnfahren und das Wetter. (lacht) Es war immer gleich, nie richtig kalt, nie richtig heiß. Das mochte ich.

Vergangenes Jahr haben Sie einen Oscar gewonnen. Wissen Sie noch, wie Sie von der Nominierung für "Still Alice" erfahren haben?

Es war zur Frühstückszeit, der Fernseher war an und plötzlich habe ich meinen Namen gehört.

Sie hatten also keine Ahnung?

Nein. Es wird live im Fernsehen verkündet. Wenn man in Los Angeles lebt, ist das um circa fünf Uhr morgens. Als ich im Jahr 2000 für "Das Ende einer Affäre" nominiert wurde, war ich gerade in Deutschland. Es war ungefähr 14 Uhr und ich saß in meinem Hotelzimmer und habe CNN geschaut.

Der Ritterschlag: 2015 gewann Julianne Moore den Oscar als beste Hauptdarstellerin in "Still Alice"

Was ist das für ein Gefühl, seinen Namen zu hören?

Es ist großartig! Fantastisch und so aufregend. Es ist immer toll, seinen Namen im Fernsehen zu hören – es sei denn, es gibt schlechte Nachrichten. (lacht) Dieses Gefühl ist einfach überwältigend, vor allem wenn man nicht damit rechnet. Die Oscars haben mittlerweile weltweit einen enormen Stellenwert. Ein Teil davon zu sein, ist ziemlich verlockend.

Wie lange dauert es, bis Sie Ihr Outfit für so einen Abend zusammengestellt haben?

Ich mache mir am Anfang der Award-Saison schon einen Plan. Ich weiß, welche Veranstaltungen auf mich zukommen und was ich in etwa tragen möchte. Es melden sich ja auch viele Designer und wollen dich ausstatten. Dieses Jahr werde ich einen Oscar überreichen. Das Kleid dafür habe ich mir bereits vor einiger Zeit ausgesucht, ich hatte sogar schon ein Fitting.

Verraten Sie uns den Designer?

Das ist wie immer eine Überraschung!

Bekommt man als Nominierter eigentlich eine Sonderbehandlung?

Von den Designern auf jeden Fall. Die wollen unbedingt einen Oscar-Anwärter ausstatten. Schon im Vorfeld sind alle immer ganz aufgeregt. Diese Möglichkeit will sich keiner entgehen lassen.

Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr am meisten?

Dieses Mal wird toll, weil ich so entspannt sein kann. Bei der letzten Verleihung war ich wirklich unglaublich nervös. Jetzt bin ich gemeinsam mit meinem Mann über das Wochenende in Los Angeles. Wir besuchen ein paar Partys, genießen einfach die Zeit. Ich muss noch nicht einmal eine Rede vorbereiten.

Wem drücken Sie die Daumen?

Alle Darbietungen waren einfach wundervoll. Ich kann mich nicht auf einen Favoriten festlegen. Es ist schon schwer genug, aus so vielen guten Leistungen fünf herauszupicken. Die diesjährigen Hauptdarstellerinnen sind alle so verschieden, ich würde es jeder gönnen.

Sie scheinen sich sehr für andere Kulturen zu interessieren. Konnten Sie denn ein bisschen was von Berlin sehen?

Das letzte Mal als ich in Berlin war, habe ich mir ein Fahrrad gemietet und bin durch die Stadt gefahren. Immer wenn ich hier bin, fahre ich zur Museumsinsel und schaue, was dort los ist. Kürzlich habe ich das Deutsche Historische Museum besucht, das hat mir auch gefallen. Und ich gehe unglaublich gern in Berlin-Mitte shoppen. Dort gibt es wirklich so viele coole Läden! Das bringt richtig Spaß.

Seit August 2003 ist Moore mit dem Regisseur Bart Freundlich verheiratet.

Sie waren vor Kurzem auch zu Besuch in Hamburg.

Und mir ist aufgefallen, dass es dort total viele Sportgeschäfte gibt. Ich habe noch nie so viele Shops, in denen man Sneakers kaufen kann, an einem Fleck gesehen. Leider hatte ich nicht genug Zeit, sonst hätte ich mir ganz sicher ein Paar gekauft.

Was haben Sie noch unternommen?

Ich war an der Alster spazieren und habe mir diese wunderschöne Gegend angeschaut.

Stimmt es eigentlich, dass Sie als junges Mädchen wegen Ihrer Haarfarbe und den Sommersprossen gehänselt wurden?

Es ist wohl eher so, dass ich mich unsicher gefühlt habe. Ich mochte meine roten Haare und Sommersprossen nicht.

Warum?

Weil ich dadurch aufgefallen bin. Ich war anders, und das mögen Kinder nicht.

Haben Sie je daran gedacht, Ihre Haare zu färben?

Ich habe die Haare mal für einen Job blond gefärbt. Es hat sich aber total merkwürdig angefühlt. Eine Zeit lang habe ich es genossen, anders auszusehen, wollte dann aber doch meine roten Haare zurück. (lacht)

Viele Frauen schätzen gerade Ihre Natürlichkeit – Sie sind ein Vorbild. Wie gehen Sie damit um?

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal berühmt werde. Ich wollte immer schon Schauspielerin werden, weil ich gerne Geschichten erzähle. Aber dass ich einmal diese Karriere machen werde, ist mir im Traum nicht eingefallen. Es ist ein Segen, dass ich meiner Leidenschaft nachgehen darf, einen Vertrag mit L’ Oreal habe und so viele tolle Dinge erleben darf. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

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Gibt es jemanden, den Sie bewundern?

Michelle Obama inspiriert mich. Vor einigen Wochen waren wir zusammen auf einer Konferenz. Sie ist unglaublich eloquent und mit sich im Einklang. Sie setzt sich maßgeblich für so viele verschiedene Initiativen für junge Frauen und Bildung ein. Die Art, wie sie ihre Rolle in der Öffentlichkeit ausfüllt, hat mich stark beeindruckt. Sie steht immer unter Beobachtung, schafft es aber trotzdem, stets anmutig, intelligent, interessant und facettenreich zu wirken. Die Obamas sind eine tolle Familie.

Wo bewahren Sie eigentlich Ihren Oscar auf?

In meinem Arbeitszimmer. Es ist jetzt ein Jahr her, aber wenn ich ihn betrachte, bin ich manchmal regelrecht geschockt. Das ist einfach so unglaublich!

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