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Julia Roberts im Interview "Ich habe es mir verdient, zu Hause zu bleiben"

Julia Roberts
© Getty Images
Neid auf ihre jungen Kolleginnen? Kennt sie nicht. Hollywoods Sweetheart schwärmt lieber von fernsehfreien Familienabenden 

Bestens gelaunt trinkt Julia Roberts, 48, frisch aufgebrühten grünen Tee. Im Gespräch mit GALA zeigt sie – anders als bei früheren Begegnungen, bei denen sie sich als wahrer Reporterschreck erwies – nicht nur ihr grandioses Strahlen, sie wirkt gelassen und zufrieden.

Die Oscar-Gewinnerin von 2000 läuft dem Ruhm nicht mehr hinterher – und ist trotzdem (oder gerade deshalb?) immer noch begehrt in Hollywood. Die Hauptrolle in ihrem Leben spielen aber inzwischen Ehemann Danny Moder, 47, Sohn Henry, 9, und die Zwillinge Hazel und Phinnaeus, beide 11. Roberts' neuester Film "Mother's Day – Liebe ist kein Kinderspiel" liegt ihr aber nicht nur deshalb so am Herzen. Es war außerdem der vierte – und letzte – Film mit Garry Marshall.

Vor vier Wochen ist Ihr berühmter Entdecker gestorben.

Ja, Garry war für mich immer wie ein zweiter Vater, ein Bestandteil meines Lebens. Schon als Kind guckte ich TV-Serien wie "Happy Days", die er produziert hatte.

Erfolgs-Duo: Garry Marshall und Julia Roberts
Erfolgs-Duo: Garry Marshall und Julia Roberts
© Getty Images

Mit "Pretty Women" machte er Sie 1990 über Nacht zum Star. Wie denken Sie heute an diese Zeit zurück?

Die Welt war eine andere damals, das Filmgeschäft auch. Es war weniger laut und aggressiv. Heutzutage muss es furchtbar sein, eine junge Schauspielerin zu sein. Damals wurde noch nicht ausschließlich übers Internet kommuniziert, und man konnte noch selber entscheiden, wer man sein will und wie man sich selbst definiert.

Was genau meinen Sie damit?

Diesen irrsinnigen Schönheitswahn in Hollywood kann ich zum Glück ganz entspannt von der Außenlinie betrachten. Mir tun die jungen Kolleginnen manchmal sehr leid, und ich bin froh, dass ich mich nicht mehr über mein Äußeres definieren muss. Meine Kinder sollen sehen können, wenn ich sauer, glücklich oder verwirrt bin. Jedes Gesicht erzählt doch seine eigene Geschichte und sollte daher nicht von Schönheitschirurgen geformt werden. Leider leben wir in einer so hysterischen Welt, in der die Frauen sich selbst die Chance nehmen zu sehen, wie sie als ältere Person aussehen würden. Aber ich will das, gern sogar.

In "Mother's Day" gab Garry Marshall Ihnen wieder eine Hauptrolle. Wie kam es dazu?

Eigentlich lagen immer zehn Jahre zwischen den Filmen, die wir zusammen gedreht haben. Diesmal war es kürzer, weil Garry mir die Rolle förmlich aufgedrängt hat. Er hat mir das Drehbuch zu Hause in den Briefkasten geworfen mit einem kleinen Zettel dran, dass eine Absage keine Option sei. Das war typisch für Garry.

Haben Sie als Mama heute eine andere Beziehung zum Muttertag als früher?

Meine Kinder geben mir das Gefühl, dass jeden Tag Muttertag ist. Aber es gibt auch bei uns die Tradition, dass ich am Muttertag ausschlafen kann und die Kinder mir Pfannkuchen und Kaffee ans Bett bringen. So habe ich das früher auch schon bei meiner Mutter gemacht. Auch sie hat sich damals nicht anmerken lassen, dass die Pfannkuchen nicht richtig durch waren.

Die Liebeskomödie "Mother's Day" ist Garry Marshalls letzte Regiearbeit mit Starbesetzung hat Herz, Humor und viel Gefühl.
Die Liebeskomödie "Mother's Day" ist Garry Marshalls letzte Regiearbeit mit Starbesetzung hat Herz, Humor und viel Gefühl.
© PR

Wie balancieren Sie Ihren Alltag als Ehefrau, Mutter, Hausfrau und Schauspielerin?

Das geht ganz gut, ich arbeite ja nicht mehr so viel wie früher. Mittlerweile drehe ich meist nur noch einen Film pro Jahr, in den Sommerwochen, wenn meine Kinder Ferien haben. Ich bin sehr gerne daheim bei der Familie und könnte mir ein anderes Leben gar nicht mehr vorstellen. Wenn ich meine Kinder spielen und lachen sehe, ist das mein größtes Glück.

Die Karriere steht also erst einmal hinten an?

Ich denke, ich habe es mir verdient, zu Hause zu bleiben und weniger zu arbeiten. Ich bin mittlerweile sehr anspruchsvoll geworden, wenn es darum geht, meine Rollen auszusuchen. Mit drei Kindern muss ich jetzt sowieso den ganzen Tag Unterhaltung bieten. Ich schauspielere also auch daheim, nur eben mit Puppen. (lacht)

Hat denn einer Ihrer Sprösslinge schon Ambitionen gezeigt, Mama ins Showgeschäft folgen zu wollen?

Bislang noch nicht. Ich nehme die Kinder zwar oft mit zu den Dreharbeiten, und sie verstehen auch, was ich beruflich mache. Aber ansonsten halten wir das Showbusiness aus unserem Privatleben heraus. Die Kinder sehen nur sehr wenig fern. Sie sollen sich lieber mit kreativen Dingen beschäftigen oder im Garten spielen. Abends nehmen wir uns viel Zeit beim Essen und reden über alles, was am Tag passiert ist, statt vor der Glotze zu hocken.

Sie wirken ziemlich zufrieden mit Ihrem Leben. Stimmt das?

Absolut! Ich war nie gefestigter. Ich lasse mich nicht mehr von äußeren Einflüssen leiten, sondern besinne mich auf meine Intuition und mein Gefühl.

Andreas Renner Gala


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