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Judith Rakers "Mein Mann sagt mir oft, dass ich jetzt mal runterkommen muss"

Judith Rakers
© Yves Borgwardt
Mit "Einfach Magisch" präsentiert Judith Rakers ihre erste eigene Unterhaltungsshow. Dabei treten Magier und Prominente mit Zaubertricks gegeneinander an. "Gala" probierte aus, ob sich die Moderatorin bei Karrierefragen in die Karten blicken lässt

Bei der Tagesschau gibt Judith Rakers seit sieben Jahren die seriöse "Frau ohne Unterleib".

Nun wird sie mit "Einfach Magisch" ihre erste eigene große Unterhaltungsshow präsentieren (am 17. Dezember um 20.15 Uhr in der ARD). In Gänze natürlich, und dazu von Kopf bis Fuß in Pailletten gehüllt, lässt sie vier Magier und deren prominente "Zauberlehrlinge" mit Tricks gegeneinander antreten. Dass sie die große Bühne beherrscht, bewies die Moderatorin schon vergangenes Jahr bei ihrer Co-Moderation des "Eurovision Song Contest". Und spätestens seit sie in der Jury von "Der klügste Deutsche" saß, fragt sich das Publikum, was die Rakers wohl noch für Asse im Ärmel hat. Aber lässt sich die 38-Jährige bei Karrierefragen in die Karten blicken? "Gala" probierte es aus, und - Simsalabim! - saß Judith Rakers bei Karin Tietjen, die seit Jahren Tarotkarten auf dem Volksfest Hamburger Dom legt. Tietjen sieht nie fern und hat daher keine Ahnung, wer die hübsche blonde Frau vor ihr ist. Freundlich empfängt sie uns in ihrem gemütlichen Wagen. "Was möchten Sie denn wissen?"

Rakers: Ich würde gern etwas über meine berufliche Laufbahn erfahren, denn ich probiere gerade etwas ganz Neues aus.
Tietjen: Ziehen Sie mal eine Karte! (Rakers zieht den "Herrscher".) Beim Herrscher geht es darum, seine Kräfte zu sammeln. Wenn Sie an etwas Spaß haben, rennen Sie los und machen es. Das ist toll, aber Sie müssen lernen, Maß zu halten.
Rakers:(schmunzelt) Ich muss zugeben - da haben die Karten ins Schwarze getroffen. Meine Arbeit macht mir so viel Spaß, dass ich dazu neige, die Tage komplett damit vollzupacken. Dazu kommt der Nachtdienst bei der Tagesschau, und manchmal sitze ich dann vor dem Terminkalender und sage: Ups, ich habe vergessen, Zeit zum Schlafen zu lassen.

"Gala" besuchte mit Judith Rakers die Kartenlegerin Karin Tietjen in ihrem Wagen auf dem Hamburger Dom.
"Gala" besuchte mit Judith Rakers die Kartenlegerin Karin Tietjen in ihrem Wagen auf dem Hamburger Dom.
© Ole Harland / Susanne Brand

Gala: Wo finden Sie Ausgleich?

Rakers: Mein Mann sagt mir oft, dass ich jetzt mal runterkommen muss. Auch bei neuen Ideen bremst er mich manchmal, und das ist gut so. Und ich finde Ausgleich bei meinem Fuchswallach Carlson. Er ist der beste Personal Trainer der Welt, er macht mich fit und glücklich. (grinst) Ich muss noch nicht mal reiten. Die warmen Nüstern in meinem Gesicht reichen schon, und ich denke: Hier ist Frieden.

Gala: Macht Ihr Mann das klaglos mit?

Rakers: Sie meinen, ob er eifersüchtig ist? (lacht) Nein, er hat Anfang des Jahres auch angefangen zu reiten. Und er liebt es.
(Rakers zieht eine weitere Karte: der "Gehängte".)
Tietjen: Sie laufen gerne mal außer der Norm. Die Schublade ist nicht Ihr Ding. Deshalb ist es für Sie manchmal auch etwas schwierig.

Gala: Stimmt! Seriöse Nachrichten - schillernde Zaubershow: Den Gegensatz erlaubt sich sonst niemand. Was gefällt Ihnen daran?

Rakers: Für mich ist das gar kein Gegensatz. Die neun Millionen Zuschauer, die sich täglich die Tagesschau ansehen, schalten um 20.15 Uhr ja auch nicht den Fernseher aus, sondern schauen sich danach den Krimi an oder die Unterhaltungsshow. Und sie leiden deshalb nicht an einer Persönlichkeitsstörung.

Gala: Bekommen Sie Druck, sich festzulegen?

Rakers: Ja, schon. Aber nur von Kollegen - auf der Straße hat mich darauf noch niemand angesprochen. Ich werde in Interviews oft gefragt, warum ich nicht gefälligst in meiner Nachrichtenschublade bleibe. Das war schon so, als ich vor zwei Jahren als Moderatorin bei "3 nach 9" einstieg. Aber ich bin einfach kein Mensch, der es sich gern darin gemütlich macht. Ich möchte immer wissen, wie es wohl in der Schublade unter mir, neben mir, über mir aussieht. Ich bin zutiefst neugierig und umtriebig.

AbrakaRakers: champagnerfarbenes Abendkleid mit Schößchen und Pailletten, von Basler.
AbrakaRakers: champagnerfarbenes Abendkleid mit Schößchen und Pailletten, von Basler.
© Yves Borgwardt

Gala: Sie sind die einzige Frau in Deutschland, die Seriöses und Show verbindet. Warum ist das so?

Rakers: Ich weiß es nicht. Und ich frage mich, ob Günther Jauch diese Frage auch immer beantworten muss. Er macht für die ARD eine seriöse politische Talkshow und mit dem Quiz auf RTL ganz klar Unterhaltung. Oder Markus Lanz: Talkshow mit Menschen wie Philipp Rösler und dazu "Wetten, dass..?". Wir Frauen lassen uns immer noch viel zu sehr auf eine Rolle festlegen.

Gala: Das Showgeschäft ist von Männern besetzt. Sind wir Deutschen da zu traditionell?

Rakers: Ich glaube schon. Das ist ein gelerntes Muster. Mir fallen jetzt mindestens 15 Männer ein, die "Einfach Magisch" hätten moderieren können, aber nur eine Handvoll Frauen. Fernsehunterhaltung ist männlich dominiert. Ich bin sehr froh, dass die ARD so mutig ist, bei "Einfach Magisch" eine Frau als Gastgeberin zu probieren.
(Tietjen möchte jetzt noch mal genauer in das Tarot schauen und bittet Rakers, weitere Karten zum Thema Job zu ziehen. Als Erstes erscheint die "Königin der Kelche".)
Tietjen: Alles ist im Fluss. Sie mögen offensichtlich nicht stillstehen.

Eindimensionales Schubladendenken ist nichts für Judith Rakers: "Ich möchte immer wissen, wie es wohl in der Schublade unter mir
Eindimensionales Schubladendenken ist nichts für Judith Rakers: "Ich möchte immer wissen, wie es wohl in der Schublade unter mir, neben mir, über mir aussieht."<br>Zweifarbiges Kleid aus Seidenchiffon, von Giambattista Valli. Roter Plateau-Pumps mit Schmucksteinen am Absatz, von Casadei, schwarzer Pumps mit Swarovski-Steinen, von Kennel & Schmenger.
© Yves Borgwardt

Gala: Haben Sie schon wieder etwas Neues im Blick?

Rakers: (überlegt kurz) Im Moment würde ich mich gern wieder etwas tiefer in ein Thema einarbeiten können. Nichts Tagesaktuelles - vielleicht eine Reportage oder Dokumentation zu einem gesellschaftskritischen Thema. Ich weiß, jetzt nach "Einfach Magisch" erwarten alle, dass ich mich in der Show-Schublade herumwälze, aber ich glaube, ich gucke noch mal rechts und links.
(Rakers zieht nun eine Karte für das Bestehende, die Tagesschau. Es ist die "Sechs der Münzen").
Tietjen: In das Bestehende haben Sie sich reinfuchsen müssen. Jetzt zeigen Sie Konturen, aber es war anfänglich schwer.

Gala: Stimmt es, dass es anfänglich schwer war bei der Tagesschau?

Rakers: Ha! Schon wieder ins Schwarze getroffen! Frau Tietjen, Sie sind gut! Und ich dachte immer, Tarot ist Quatsch. Da hatte ich wohl auch die falsche Schublade am Start. Also: Es war tatsächlich anfangs schwierig. Ich musste mir ein Jahr lang mit einer Trainerin das sprecherische Niveau draufschaffen, um bei den Kollegen mithalten zu können: Atemtechnik, Aussprache, Betonung - der ostwestfälische Dialekt musste weg. Das war wahnsinnig harte Arbeit!
(Rakers zieht eine Karte für die neue Herausforderung, die Magiershow. Es ist die "Königin der Münzen". Beim Anblick der Geldmünze sagt sie scherzhaft: "Die gefällt mir gut!")
Tietjen: Die Münzen stehen für Handlung. Es ist hier ganz wichtig zu schauen: Wie lässt sich das an? Und dann Schritt für Schritt zu gehen.

Mal Pause machen - für Rakers ein seltener Luxus. Die 38-Jährige läuft meist auf Hochtouren. 
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                                      Weißer, wadenlanger Lammfell
Mal Pause machen - für Rakers ein seltener Luxus. Die 38-Jährige läuft meist auf Hochtouren. <br>Weißer, wadenlanger Lammfellmantel von Hugo, bodenlanger Tüllrock von Guido Maria Kretschmer. Retro-Schlittschuhe, geliehen bei Theaterkunst Berlin.
© Yves Borgwardt

Gala: Liegt Ihnen das? Oder stürmen Sie lieber drauflos?

Rakers: Eigentlich bin ich eher ein Schritt-für-Schritt-Typ. Aber auf den ersten Schritt stürme ich zu. (lacht)

Gala: Sie haben die "Einfach Magisch"-Show schon aufgezeichnet. Wie ist Ihr Gefühl?

Rakers: Ich habe ein sehr gutes Gefühl! Wir haben eine tolle Show gemacht. Aber in der Tat müssen wir jetzt alle gucken, wie es sich anlässt: neues Konzept, neue Moderatorin, neuer Sendeplatz. Wir müssen abwarten, ob wir im nächsten Jahr den nächsten Schritt gehen können. Der Zuschauer entscheidet.
(Tietjen will nachschauen, welche Gefahren für Rakers lauern. Die Moderatorin zieht die "Sechs der Schwerter")
Tietjen: Neid ist nichts Unbekanntes in Ihrem Leben. Drei Figuren - Sie sind die am Steuer, und das sollten Sie sich nicht aus der Hand nehmen lassen. Sobald Sie den ersten Windhauch spüren, sollten Sie dagegen ansteuern. Vorsicht vor Männern, die versuchen, Sie einzuwickeln, nach dem Motto: Die ist blond und harmlos. Bei Frauen: Obacht vor Stutenbissigkeit!

Gala: Ah, das Klischee "blond und harmlos" - wurden Sie häufig unterschätzt?

Rakers: Ich mag das Thema nicht so, aber die Karten sind ja gnadenlos. (lacht) Also gut: Ja, ich wurde schon häufig unterschätzt. Aber das ist mir wesentlich lieber, als ständig überschätzt zu werden.

Gala: Sind Sie ein rotes Tuch für andere Frauen?

Rakers: Wenn, dann nur für Frauen, die mich nicht kennen. Ich bin selbst nämlich das Gegenteil von stutenbissig. Wenn eine hübsche Frau den Raum betritt, die Ausstrahlung hat, witzig ist und intelligent, dann bin ich begeistert. In meinem Freundeskreis gibt es deutlich mehr Frauen als Männer. Ich finde Frauen großartig!
(Eine letzte Frage hat sie noch auf dem Herzen: Ob sie irgendwann noch mal etwas völlig anderes machen wird. Rakers zieht - es ist die "Zehn der Stäbe".)
Tietjen: Sie sind sehr rational, sammeln in Ruhe Ideen. Erst wenn Sie diesen bunten Strauß hier zusammenhaben, könnte etwas Neues kommen.

Gala: Wo sehen Sie sich denn in 20 Jahren?

Rakers: Das wollte ich ja gerade von den Karten wissen! Die lagen jetzt so oft richtig, dass ich schon ganz ehrfürchtig geworden bin. Ich selbst habe keine Idee von meinem Leben in 20 Jahren. Es gibt noch so viel zu entdecken, und ich habe vor, auf Entdeckungsreise zu bleiben. Anne Meyer-Minnemann

gala.de


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