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Jude Law "Ich bin im richtigen Alter für eine Krise"

Jude Law
© Reuters
Schon mit 30 fühlte sich Jude Law wie 40. Und heute - als 40-jähriger Vater von vier Kindern? "Gala" blickte in die Seele des Stars

Nach knapp zwei Jahrzehnten im Filmgeschäft und unzähligen Einsätzen als Womanizer scheint Jude Law jetzt so gereift, dass man ihm zutraut, glaubwürdig einen Psychiater zu spielen. In Steven Soderberghs neuem Thriller "Side Effects" gerät der Brite in ein gefährliches Netz aus Lügen und Intrigen - als Seelendoktor einer depressiven Gattin eines kriminellen Brokers.

Können Sie beim Thema Depressionen überhaupt mitreden, Mister Law? Haben Sie je ernsthaft darunter gelitten?

Nein, glücklicherweise nicht.

Wie bauen Sie sich denn wieder auf, wenn Sie mal niedergeschlagen sind?

Mir wurde beigebracht, meine dunklen Stimmungen auszuleben. Meine Mutter hat mir immer gepredigt, dass es mindestens so interessant sei, down zu sein, wie richtig gut drauf zu sein. Und je älter ich werde, desto mehr gebe ich ihr Recht.

Wirklich?

(lacht) Ich kann mich eh immer damit entschuldigen, dass ich Schauspieler bin. Also darf ich meine dunkle Seite lustvoll genießen. Wenn ich mich fit und gesund fühle, halte ich solche Stimmungswechsel besser aus. Wenn ich wirklich down bin, hilft mir Sport am besten. Zum Beispiel Joggen, das macht den Kopf frei. Ich brauche immer einen Tritt in den Hintern, um in Schwung zu kommen.

Oder einen starken Kaffee?

Nein, ich trinke keinen Kaffee.

Ach, dabei ist das doch das Lebenselixier von Morgenmuffeln wie Ihnen!

Eigentlich schon. Aber nach Kaffee wird mir immer so heiß, ich werde total nervös und mein Magen rebelliert. Ich hole mir meine Dosis Koffein lieber über Grünen Tee! Und auch Tabletten nehme ich grundsätzlich nicht, nicht mal Aspirin.

Jude Law, ein Gesundheitsapostel?

So clean bin ich nun auch wieder nicht. Ich liebe Whiskey! Ein guter Scotch und englisches Shortbread sind für mich die perfekte Kombination.

Sie sind im Dezember 40 geworden. Hat Ihnen das zu schaffen gemacht?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe mich schon in den letzten zehn Jahren wie 40 gefühlt. Aber das mag daran liegen, dass ich vier Kinder habe und damit schon sehr lange sehr viel Verantwortung trage. Aber beides bereitet mir extrem viel Freude.

Drei Kinder haben Sie mit Ihrer Ex- Ehefrau Sadie Frost. Vor zweieinhalb Jahren haben Sie noch Tochter Sophia bekommen - durch eine kurze Affäre mit dem ModelSamantha Burke ...

Der 40. Geburtstag war eine schöne Gelegenheit zurückzuschauen und festzustellen, dass ich doch schon etwas Wesentliches geleistet habe, auf das ich mit Stolz zurückschauen kann: meine Familie! Jedenfalls war der 40. Geburtstag kein Tiefpunkt für mich. Das Älterwerden funktioniert nun mal nicht, ohne dass man älter wird. Ich bin ein sehr analytischer Mensch und sehe die Tatsache, dass ich im richtigen Alter für eine Midlife Crisis bin, als perfekte Ausrede, um genau darüber nachzudenken. Ich kann jetzt bei allen Problemen eine Midlife Crisis für mich in Anspruch nehmen.

Und woran merken Sie, dass Sie wirklich keine haben?

Weil ich das so oft vermute. Wie oft ertappe ich mich dabei zu denken: "Na, hast du nicht doch eine Midlife Crisis?" Aber die Antwort lautet ehrlicherweise: "Nein. Ich war schon immer so!" (lacht) Wenn’s danach geht, stecke ich seit meinem 25. Geburtstag in einer Midlife Crisis!

Sie sollen sich seit ein paar Wochen außerordentlich gut mit dem 15 Jahre jüngeren Model Alicia Rountree verstehen. Wie stellen Sie sich Ihr Leben mit 50 vor?

Keine Ahnung. Fragen Sie mich das in zehn Jahren! Hoffentlich bin ich dann unglaublich zufrieden. Ich bin ein großer Freund davon, nicht zu sehr an die Zukunft oder die Vergangenheit zu denken. Ich lebe lieber im Hier und Jetzt. Ich musste mir das zwar auch erst antrainieren, aber mittlerweile fühle ich mich richtig gut damit. Und ich freue mich darauf, jetzt eine neue Seite aufzuschlagen und in manchen Bereichen meines Lebens vielleicht eine neue Phase einläuten zu können.

Mariam Schaghaghi


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