Joy Denalane + Max Herre: "Die Liebe hat sich einfach wieder eingeschlichen"

In Gala spricht Sängerin Joy Denalane über lange Nächte, deutsche Soultexte und das Liebes-Comeback mit Ehemann Max Herre

Joy Denalane

Ein wenig kritisch

betrachtet Joy Denalane die Räume des "Café Moskau" in Berlin. "Hat sich schon verändert", sagt sie. "Früher war ich ein paar Mal hier. Ganz früher! Aber da war das alles etwas - rauer." Und dann erzählt sie über ihre Jugendzeit in der Stadt. Wie sie mit fünf Geschwistern aufwuchs und ihre Brüder sie an den Türstehern vorbei in die Szeneläden hineinschmuggelten, obwohl sie erst 14 war. Heute ist die Berlinerin eine der erfolgreichsten Popsängerinnen des Landes. Soul ist ihr Genre, und den gibt es auch auf ihrer dritten Studioplatte "Maureen", die am 20. Mai erscheint. Produziert hat das Album ihr Ehemann Max Herre, Ex-Frontmann der Hip-Hop-Band Freundeskreis. Das Paar, das sich 1999 bei Aufnahmen für die Single "Mit dir" kennenlernte und zwei Söhne hat, trennte sich Anfang 2007. Seit Mitte 2010 sind sie wieder zusammen.

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Sie sind zweifache Mutter und haben eine Karriere als Sängerin. Wann hatten Sie das letzte Mal Zeit, so richtig um die Häuser zu ziehen?

Vor Kurzem erst, als ich über Ostern mit meinen Söhnen in Stuttgart war, wo ja Max' Eltern leben. Unsere zwei Söhne sind mittlerweile älter, da kriegt man das gut organisiert. Aber es passiert trotzdem eher selten bei mir. In Stuttgart bin ich dann tatsächlich zu einer Art Konzertparty in einen Club gegangen. So bis zwei Uhr.

Zwei Uhr? Das ist doch nicht "richtig um die Häuser ziehen"...

(lacht) Na ja, ich bin auch früher nie so lange unterwegs gewesen. Ich bin einfach ein Morgenmensch. Ich bin sofort voll da, und ich schaffe in dieser Zeit am meisten. Ich habe viele Ideen, viele Fragen und viel mitzuteilen. Dafür fallen mir um zehn Uhr abends die Augen zu.

Wieder zusammen: Joy mit ihrem Ehemann Max Herre kürzlich bei der Echo-Verleihung in Berlin. Das Paar hatte sich Anfang 2007 nach acht Jahren Beziehung getrennt.

Wie sehr ist Ihnen bewusst, dass Sie eine attraktive Frau sind? Setzten sie das manchmal zu Ihrem Vorteil ein?

Ich habe schon das eine oder andere Kompliment von Männern bekommen, aber es geht nicht immer ums Aussehen, vielmehr macht eine gewisse Ausstrahlung attraktiv. Bei Frauen wie auch bei Männern. Komplimente sind ja auch schön, das ist gut fürs Selbstbewusstsein. Aber ich bilde mir nichts darauf ein.

Nach fünf Jahren bringen Sie jetzt ein neues Album heraus. Warum hat es so lange gedauert?

Hat es eigentlich gar nicht. Ich hatte "Maureen" zuerst mit englischen Texten aufgenommen. Es fällt mir schwer, deutschsprachige Lyrics zu schreiben.

Dabei gelten Sie als die deutsche Soul-Queen.

Und dennoch ist für mich Englisch einfach die natürliche Sprache des Soul. Als dann die Platte fertig aufgenommen war, wollte ich trotzdem versuchen, die Stücke mit deutschen Texten noch mal einzuspielen. Ich habe Max und einen meiner Vertrauten, den Regisseur Baris Aladag, gefragt, ob sie mir helfen. Max ist für mich einer der besten Songschreiber in unserem Land. Er konnte nicht sofort, und so lag die Sache erst mal auf Eis. Ich habe die Zeit genutzt und Deutsch, Englisch und vergleichende Literaturwissenschaft an der FU in Berlin studiert. Tja, und jetzt gibt es "Maureen" halt in einer deutschen und einer englischen Version.

Haben Max und Sie sich über die Arbeit an Ihrem Album angenähert? Sie sind ja jetzt wieder zusammen.

Der Kontakt zwischen uns ist durch unsere Kinder nie abgebrochen. Wir haben auch nach der Trennung viel Zeit zusammen verbracht und hatten weiter ein gutes Verhältnis zueinander. Die Liebe hat sich einfach wieder eingeschlichen. Ich könnte jetzt jedenfalls nicht sagen: Bumm, an diesem Tag ist es passiert. Wir sind ja auch schon länger wieder ein Paar. Für uns ist das mittlerweile völlig normal.

Aber die Gerüchte, die in diese Richtung gingen, haben Sie erst vor Kurzem bestätigt. Und gleich darauf sind Sie mit Ihrem Mann bei der Echo-Preisverleihung aufgetreten. Das wirkte wie eine gut überlegte Aktion.

War es nicht. Zu diesem Zeitpunkt ist die Sache halt durchgesickert. Es hat mich selber ein wenig gewundert, dass das so lange gedauert hat. Und wir haben den Echo nicht als "Wir sind wieder ein Paar"-Moment gesehen. Wir haben darüber überhaupt nicht nachgedacht, sondern waren völlig mit der Vorbereitung unseres Auftritts beschäftigt.

Die neue Platte trägt Ihren zweiten Vornamen, auf dem Cover ist Ihr Porträt, die Texte beschäftigen sich überwiegend mit den Themen Trennung und Wiederfinden der Liebe. Haben Sie da Ihre Vergangenheit verarbeitet?

Zum Teil geht es in den Stücken um mich, aber es gibt nicht einen einzigen Song, der komplett meine Gefühlswelt offenlegt. Wenn ich alles von mir erzählen wollte, würde ich das nicht in einem Drei-Minuten-Song unterkriegen.

Die Trennung von Max Herre ist damals ja sehr glimpflich verlaufen - ein Glücksfall?

Ich glaube, ganz viel geht noch mal in der Phase kaputt, wenn sich zwei Menschen entschlossen haben, sich zu trennen. Das ist dann so eine Art freier Fall, wo viele sich schlimme Sachen an den Kopf werfen. Weil man verletzt ist, weil man sich schützen will. Das ist bei uns nicht so gelaufen. Wir haben nicht im Nachhinein schmutzige Wäsche gewaschen.

Und man hat Sie auch nie mit einem anderen Mann an Ihrer Seite gesehen ...

Tja. (lächelt) Schön. Ist doch gut.

Wo lag denn genau das Problem in der Beziehung? Max und Sie wurden ja als das Traumpaar der deutschen Musikbranche gehandelt.

Es stimmt, wir standen vom ersten Tag an in der Öffentlichkeit, und wir waren relativ jung damals, beide um die 25. Es passierte halt alles gleichzeitig: Unsere Karrieren, unsere Kinder - die übrigens absolute Wunschkinder waren -, die Tourneen, die Platten, die Auftritte. Wir mussten so viele Eindrücke verarbeiten, und wir wollten die Herausforderungen und Hürden alle diszipliniert schaffen.

Sie haben sich selbst unter Druck gesetzt?

Ja, wir haben uns richtig vorgenommen, dass es funktionieren muss. Und die Zeit ist irre schnell vergangen. Ich kann es mir nur so erklären, dass man dann schließlich an einen Punkt kommt, an dem man sein eigenes Glück nicht mehr sieht. Das Gute ist so nah vor dir, dass du es nicht wahrnimmst. Stattdessen denkst du: Ja, war das jetzt alles? Gibt es noch etwas anderes im Leben? Ich denke, diesem Gefühl sind wir nachgegangen - und haben dann festgestellt, dass es doch am schönsten ist, wenn wir zusammen sind. (lacht) Gott, jetzt heule ich gleich.

Joy Denalane, hier während ihres Auftritts bei der diesjährigen diesjährigen Echo-Verleihung, hält sich mit Joggen, Reiten und Training im Gym fit. "Ich könnte mich da aber mehr anstrengen", sagt sie.

Wie ist die Situation heute für Ihre Kinder?

Die freuen sich. Klar. Aber weil es sich so nach und nach eingeschlichen hat, war die Veränderung für sie ganz normal. Wir mussten darüber gar nicht groß reden. Die haben das selber gesehen. Und gefühlt.

Wie strikt und wie fordernd sind Sie als Mutter?

Ich bin weder ein Laisser-faire- noch ein Bestrafer-Typ. Ich glaube, man gibt das weiter, was man selber zu Hause erlebt hat. Meine Eltern waren sehr umsorgend, aber sie haben uns auch ziehen lassen. Eine große Stärke. Das spiegelt sich in meiner Erziehung wider. Ich bin Zuckerbrot und Peitsche. Ich bin ganz lieb, doch wenn ich denke, etwas muss erledigt werden, dann sage ich: "Mach es - jetzt!" Und dann gibt es auch keine Entschuldigung.

Wie streng sind Sie bei sich? Sie sehen aus, als ob Sie konsequent ein toughes Fitnessprogramm durchziehen.

Es ist ein Vorurteil, dass Frauen, die mehrere Kinder haben und nicht mehr 20 sind, nicht mehr gut aussehen. Aber: Ja, ich bin viel in Bewegung. Ich jogge. Ich reite, meine Schwester ist Reitlehrerin und hat ein Pferd. Und ich gehe ins Gym. Ich weiß allerdings nicht, wie effektiv das ist, was ich da mache. Ich könnte mich sicher mehr anstrengen ...

Ist es Ihnen als Musikerin wichtig, dass Ihre Kinder ein Instrument lernen?

Mir ist es wichtig, aber nicht weil ich Musikerin bin. Ein Musikinstrument zu lernen ist generell gut für Kinder. Die beiden spielen Klavier - und auch Fußball. Kein Wunder bei ihrem Vater, Max ist ja eingefleischter Stuttgart-Fan.

Wie sind Sie als Mutter am Spielfeldrand, wenn Ihre Söhne kicken?

Ich verstehe wenig von Fußball. Ich glaube, meinem älteren Sohn bin ich manchmal etwas peinlich.

Sie haben diese charmante kleine Zahnlücke. Damit gehören Sie zu dem erlesenen Kreis von Traumfrauen wie Kate Moss, Vanessa Paradis und Georgia Jagger.

Die Lücke war früher sogar noch größer. Als Kind musste ich deshalb eine Klammer tragen. Ich hatte danach so richtige Eins-a-Vorzeigezähne. Doch kaum war die Klammer weg, war die Lücke wieder da, und darüber bin ich heute ganz froh. Ich mag meine Zahnlücke.

Hauke Herffs

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