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Joko Winterscheidt Auf der Überholspur


TV-Moderator Joko Winterscheidt startet bei ProSieben durch. "Gala" sprach mit dem Shootingstar über sein Leben, seine Vorbilder - und darüber, wofür er sich so richtig schämt

Angefangen hat seine Karriere eigentlich mit Tim Mälzer:

Bei dessen Kochshow "Schmeckt nicht, gibt’s nicht" war Joko Winterscheidt, 33, als Redakteur beschäftigt - bis der Schlaks aus Mönchengladbach selbst moderieren wollte: Er nahm an einem Casting teil und wurde 2005 festes Mitglied im MTV-Team. Vier Jahre später bekam er gemeinsam mit Klaas Heufer- Umlauf die Show "MTV Home". Das junge Publikum feiert das ungleiche Moderatoren-Team seitdem als neue TV-Helden. Ihr Erfolgsrezept: pubertärer Humor, waghalsige Stunts, knallhartes Kräftemessen. Inzwischen arbeitet er für ProSieben und ZDFneo, Unternehmen wie Renault bemühen sich um ihn. Doch was ist dran an diesem Mann, der mit seiner Freundin und der gemeinsamen, knapp zweijährigen Tochter vor den Toren der Hauptstadt lebt? "Gala" wollte es genau wissen und traf ihn zum Interview in Berlin. Ergebnis: Der Typ mit der Nerd-Brille hat viele Facetten - Kumpel, Prince Charming, Anekdotenerzähler. Aber er ist vor allem eins: immer sehr, sehr lustig ...

Zusammen mit Klaas Heufer- Umlauf werden Sie ab Sommer auf ProSieben eine Samstagabend-Show moderieren. Haben Sie keine Angst, Ihre Ecken und Kanten zu verlieren?

Wir werden sicherlich nie wie diese aalglatten Moderatoren, auch wenn wir uns einer breiteren Masse öffnen. Wir müssen einfach aufpassen, dass wir uns nicht verlieren. Das Tolle ist: Ich habe mit Klaas jemanden an meiner Seite, auf den ich mich zu 150 Prozent verlassen kann. Und er umgekehrt genauso. Schließlich sind wir so was wie sehr gute Freunde geworden.

Hat die Entscheidung auch etwas mit Ihrer familiären Situation zu tun?

Natürlich. Ich habe jetzt eine eigene Familie. Außerdem bin ich 33 Jahre alt und habe nicht vor, mich die nächsten fünf Jahre von Eishockeyspielern umfahren zu lassen oder ohne Fallschirm aus Flugzeugen zu springen. Man muss irgendwann überlegen, wo es hingehen soll. Wichtig ist, dass wir uns nicht verbiegen lassen - wir wollen ja weiterhin Spaß haben und an unsere persönliche Schmerzgrenze gehen, um die Leute zu unterhalten.

Wo liegt Ihre persönliche Schmerzgrenze denn?

Die weitet sich immer mehr aus. (lacht) Aber ich habe zum Beispiel wahnsinnige Höhenangst, kann zu Hause noch nicht mal auf einer Leiter Glühbirnen auswechseln. Und ich würde auch nie Bungee springen.

Ihre Fans lieben Sie für die Grausamkeiten, die sie sich gegenseitig antun. Was war privat das Peinlichste, was Sie je gemacht haben?

Ich habe mal in Hamburg in einem Club auf dem Tisch getanzt. Meine Hose hing schon in den Kniekehlen, weil ich für meine Freunde so eine Art Fake-Striptease hingelegt habe. Plötzlich hat ein Kumpel auf meine Unterhose gezeigt - ich dachte, er wolle mir sagen, dass wir die gleiche Unterhose anhaben. Dem war nicht so. Die beiden Knöpfe an meinen Shorts waren auf ... Den Rest denken Sie sich jetzt einfach bitte.

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Gibt es noch etwas, für das Sie sich schämen?

Vielleicht die Graffiti aus meiner Jugend. Ich fand es cool, an die Supermarktwand "Nazis raus" zu sprühen, aber dass ich dafür so ein glitzerndes Weihnachtsspray genommen habe, was man sonst nur als Fenster-Deko benutzt - das war medium-cool.

Apropos Jugend - angeblich sollen Sie ja schon mal mit einem Job in der Autobranche geliebäugelt haben ...

Ja, ich hätte auch als Porscheverkäufer in Düsseldorf enden können. Ich habe lange gesucht, was mir Spaß machen könnte. Und da ich eine große Affinität zu Autos habe, schien mir mit 18 der Beruf des Automobilkaufmanns ideal: Man bekommt während der Ausbildung einen Firmenwagen gestellt. Geil! Ausbildung, und dann noch Porsche fahren? Was will ich mehr? Heute muss ich sagen: Gut, dass dieser Kelch an mir vorübergegangen ist

Ihre Affinität zu Autos scheint ungebrochen - jetzt machen Sie sich für Elektroautos stark. Wie kam es dazu?

Wir wohnen etwas außerhalb von Berlin und haben kürzlich ernsthaft darüber nachgedacht, uns ein Elektroauto zu kaufen. Ich fand das megacool: Man übernimmt Verantwortung, und es ist für den Stadtverkehr großartig. Der Twizy ist cooles Spaßauto - ein Ferrari ist da unauffälliger. Und man hat ein gutes Gefühl dabei: Du kommst nach Hause, bist Auto gefahren und weißt: Ich habe heute nichts Schlimmes gemacht, ich bin CO2-neutral geblieben.

Vorbildlich. Wer war oder ist für Sie ein Vorbild?

Richtige Vorbilder hatte ich eigentlich nie, aber ich fand Blacky Fuchsberger immer großartig - auch heute könnte sich manch einer eine Scheibe von ihm abschneiden, was Pointen oder Timing angeht.

Und Ihr eigener Vater? Inwiefern hat er Sie geprägt?

Meine Mutter ist sehr früh gestorben, und mein Vater hat dann viel gearbeitet. Aber die Abende, die man gemeinsam hatte, waren für mich immer sehr wertvoll. Dieser klassische Satz "Heute machen wir uns einen gemütlichen Abend" hieß: Es gab Chips, Haribo, und es wurde Fernsehen geguckt. Er lag immer auf der Couch, und ich habe mich in sein "Eckchen" gekuschelt, mit dem Kopf auf seiner Hüfte. Und dann haben wir gemeinsam Fernsehen geguckt. Meistens das, was er wollte. Für mich ein bisschen blöd, weil ich lieber Bud-Spencer-und-Terence- Hill-Filme gucken wollte.

Heute führen Sie ein Leben auf der Überholspur. Wo tanken Sie auf?

Die letzten zwei Jahre waren wie ein Rausch - und manchmal fühle ich mich auch so, als ob das Leben wie ein D-Zug an mir vorbeirast. Wenn man so viel arbeitet, fehlt oft die Zeit zu reflektieren. Ein guter Freund hat mir einen wichtigen Rat gegeben: Nimm dir die Zeit, um wieder mal ein ganzheitliches Bild zu bekommen.

Wohin ziehen Sie sich zurück, um eine Auszeit zu nehmen?

Am Wochenende waren wir zum Beispiel in einer kleinen Pension im Spreewald - Spaziergänge, Spielplatzbesuche und Schwimmbad inklusive. Es gibt ernsthaft nichts Größeres als Kinder. Und dementsprechend gibt es nichts Schöneres, als Zeit mit ihnen zu verbringen. Hili Ingenhoven

gala.de


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