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Jennifer Hudson "Alles verloren, aber so viel gewonnen!"

Jennifer Hudson
© Reuters
Jennifer Hudson über ihr Mutterglück und die geplante Hochzeit: Wie sie nach der Familientragödie neuen Lebensmut schöpft

Am Ende des Konzerts auf Barbados

sind die Fans einfach nur gerührt. Jennifer Hudson hat sich niedliche Verstärkung auf die Bühne geholt: Ihr eineinhalb Jahre alter Sohn David jr. brabbelt munter drauflos und kräht dann, begleitet von seiner Mama, ein Kinderlied. Das Publikum jubelt - Jennifer strahlt. Die 29-jährige Sängerin und Schauspielerin ist glücklich wie lange nicht mehr. Dabei durchlitt sie vor zweieinhalb Jahren den Albtraum ihres Lebens: Im Oktober 2008 wurden ihre Mutter, ihr Bruder und ihr kleiner Neffe ermordet. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter, Jennifers Schwager, läuft noch. Doch inzwischen hat sie das Grauenhafte einigermaßen verarbeitet, auch mithilfe ihres Verlobten David Otunga, den sie demnächst heiraten will. Körperlich fühlt sie sich, innerhalb eines Jahres um rund 40 Kilo erschlankt, großartig. Und auch beruflich läuft alles: Gerade erschien ihr Album "I Remember Me"; das Drama "Winnie", in dem sie Nelson Mandelas Ex-Ehefrau spielt, ist abgedreht. So sprudelt Jennifer Hudson beim Gala-Interview in L. A. vor Lebenslust fast über.

Wie sieht Ihr Leben im Moment aus?

Fantastisch! Ich fühle mich wie ein neuer Mensch, nicht nur körperlich. Ich bin jetzt Mutter und habe damit eine neue Rolle. Das verändert alles. Aber mein neuer Look spielt natürlich auch eine große Rolle. Es ist so, als würde ich mich ganz neu entdecken. Ich finde gerade heraus, wer die neue Jennifer ist.

Was haben Sie denn schon herausgefunden?

Dass ich ein Supermodel bin. (lacht) Wirklich, das glaube ich! Ich hatte keine Ahnung, dass ich so viel Aufmerksamkeit auf mich ziehen würde, wenn ich abnehme. Dabei ist es ehrlich gesagt gar nicht so einfach, dünn zu sein. Alle schauen jetzt noch genauer hin. Ich muss mir zum Beispiel genau überlegen, was ich anziehe. Wer bin ich heute? Wie will ich aussehen? Mir geht so viel durch den Kopf - und mein Kopf hat meinen Körper immer noch nicht ganz eingeholt.

Ihr neues Album strahlt viel positive Energie aus, dabei haben Sie ja Schlimmes erlebt. Woher nehmen Sie die Power?

Ich erinnere mich einfach immer wieder an das, was meine Mama und meine Oma mir beigebracht haben. Die beiden waren die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Beide sind nun nicht mehr da, aber sie haben so viel Gutes zurückgelassen. Meine Mutter hat mir immer gesagt, dass ich in allem das Positive sehen muss. Ich höre ihre Stimme noch heute jeden Tag ...

Ihr kleiner Sohn gibt Ihnen doch sicher auch Kraft.

Und wie! David ist ein mitreißendes Kind. Er treibt mich an und sorgt dafür, dass ich jeden Tag ein Lächeln auf dem Gesicht trage. Er ist der Grund, warum ich weitermache. Auf ihn stütze ich mich. Ich sage mir: Du hast alles verloren - aber schau dir genau an, wie viel du danach gewonnen hast! Und wenn ich nach vorne blicke, sehe ich nur Gutes. Meinen Sohn und die Freude, die er mir gibt.

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Wie hat das Muttersein Sie verändert?

Mein kleiner David macht alle Menschen in seinem Umfeld so fröhlich und bringt sie zum Lachen. Er ist jetzt schon ein kleiner Schauspieler und Entertainer. Und alle sagen: "Wahnsinn, der ist genauso wie du. Es ist so, als ob du noch einmal ein Kind wärst!" Es hilft mir, mich in ihm zu sehen. Ich denke dann oft: Das steckt alles in mir? Früher habe ich das gar nicht erkannt. David sorgt auch dafür, dass ich im Gleichgewicht und organisiert bleibe. Wenn ich nur halb so gut die Mutter für ihn sein kann, die meine Mutter für mich war, dann bin ich auf dem richtigen Weg.

Wie war Ihre Mutter denn?

Ich kann mir keine bessere vorstellen. Ich war das größte Mamakind, das man sich nur denken kann. Ob Sie es glauben oder nicht: Ich habe bei ihr im Bett geschlafen, bis ich 15 oder 16 Jahre alt war. Sie war mein Vorbild, sehr still, aber gleichzeitig weise und aufmerksam. Mama hat nicht viel gesagt, aber sie war sehr stark. Ich kann an einer einzigen Hand abzählen, wie oft ich meine Mutter habe weinen sehen. Sie hatte alles im Griff. Wir durften nicht mit dem Bus zur Schule fahren. Sogar als meine Schwester schon an der Uni war, hat uns unsere Mutter zum Unterricht gefahren.

XXL war gestern: Bei ihrem Oscar-Triumph 2007 (für "Showgirls") war Jennifer Hudson noch rund 40 Kilo schwerer. Heute trägt sie
XXL war gestern: Bei ihrem Oscar-Triumph 2007 (für "Showgirls") war Jennifer Hudson noch rund 40 Kilo schwerer. Heute trägt sie Kleidergröße 34.
© Reuters

Klingt wehmütig ...

Na ja, heutzutage gibt es doch kaum noch Mütter, die mit Haut und Haaren am Leben ihrer Kinder teilnehmen. Ich will, dass mein Sohn die gleiche Aufmerksamkeit bekommt, die mir geschenkt wurde. Wenn ich irgendwann mal nicht mehr bin, dann soll er das Gefühl haben, dass noch genug von mir da ist, damit er weitermachen kann.

Sie und Ihr Verlobter David wollen bald heiraten. Haben Sie mit den Hochzeitsplanungen schon begonnen?

Das ist schon erledigt! Alles ist fertig geplant - vom Programm bis zum Kleid. Ich hatte ja keine Ahnung, dass das so viel Arbeit ist, und alles lastet auf den Schultern der Braut. Das ist so unfair! Ständig werde ich gefragt: Wie willst du dieses oder jenes?

Welche Art Hochzeit wird es denn?

Das ist genau der Punkt: Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher. Ich wollte die größte Party der Welt. Doch jetzt, wo die Pläne stehen, bin ich mir auf einmal gar nicht mehr so sicher. Wir werden sehen.

Sie haben mit knapp 30 Jahren schon sehr viel erreicht. Gibt es trotzdem einen großen Traum, der noch nicht in Erfüllung gegangen ist?

Ich wäre gierig, wenn ich gerade jetzt sagen würde, ich will unbedingt noch dieses oder jenes. Ich bin so dankbar für alles, was mir in jüngster Zeit passiert ist, und für das, was ich heute habe. Aber wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann gute Gesundheit und glücklich zu sein. Und dass ich das, was ich heute mache, auch in 30 Jahren noch tun kann.

Anna-Barbara Tietz

gala.de


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