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Jasmin Gerat "Spießig ist mein neues Rock'n'Roll"

Jasmin Gerat
© Picture Alliance
Multitasking? Dauermüdigkeit? Kennt Jasmin Gerat zu genau. "Gala" sprach exklusiv mit dem "Kokowääh 2"-Star über die Freuden und Schwierigkeiten im Leben einer alleinerziehenden Mutter

Es ist ein ungemütlicher, nasskalter Wintertag in Berlin. Gerat, 34, ist zu Fuß ins Café Einstein gekommen. Ungeschminkt, im schwarzen Parka und mit Biker Boots. Eben noch hat sie ihre fünfjährige Tochter Sunny Deva mit dem Schlitten zum Kindergarten gebracht. Aber nun geht es erst mal um "Kokowääh 2", ihren neuen Film von und mit Til Schweiger. Wie im ersten Teil spielt Gerat Schweigers Freundin Katharina. Die beiden haben inzwischen ein Baby, das die Beziehung auf eine harte Probe stellt. Eine Lebenslage, die Jasmin Gerat sehr gut kennt ...

Sie sind selbst Mutter, kommt Ihnen die Situation in "Kokowääh 2" irgendwie bekannt vor?

Ich weiß wirklich, wie es sich anfühlt, etliche Male am Tag zu stillen, wie der Körper sich verändert und man einfach so tief erschöpft ist, dass man es nicht mehr schafft, sich zu duschen oder sich sein vollgekleckertes T-Shirt auszuziehen.

Wenn Sie Ihren Beruf als Schauspielerin vergleichen mit Ihrem Job als Mutter, was ist anstrengender?

Seit ich Mutter bin, sind Dreharbeiten für mich wie Urlaub. (lacht)

Sind Sie gerne Mutter?

Es ist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Trotz aller Herausforderungen fühle ich mich sehr beschenkt und finde, mein Leben ist reicher als jemals zuvor.

Wachsen Kind und Karriere einem auch mal über den Kopf?

Das hängt natürlich von der Tagesform ab. Aber an guten Tagen jongliere ich etliche Dinge gleichzeitig quasi mit acht Armen und denke: Wie geil ist das denn! Ich kann mich da wirklich wertschätzen und finde, wir Frauen sind schon magische Geschöpfe.

In "Kokowääh 2" (ab 7. Februar im Kino) kümmert sich Katharina (Jasmin Gerat) liebevoll um Ziehtochter Magdalena, gespielt von Emma Schweiger
In "Kokowääh 2" (ab 7. Februar im Kino) kümmert sich Katharina (Jasmin Gerat) liebevoll um Ziehtochter Magdalena, gespielt von Emma Schweiger
© PR

Ob das Männer in diesem Zusammenhang auch so sehen?

In Bezug auf das Multitasking einer Frau macht es vielen Männern vielleicht auch etwas Angst. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass vor allem große Bewunderung dahintersteckt.

Können Männer mit erfolgreichen Frauen umgehen?

Ich freue mich, inzwischen Männer zu kennen, die gesund und ausgeglichen sind, was das angeht, und ihre Frau völlig natürlich darin bestärken, ihren eigenen Weg zu gehen und Erfolg darin zu haben.

Sie leben vom Vater Ihres Kindes getrennt. Wie planen Sie Ihr Leben als berufstätige, alleinerziehende Mutter?

Wenn man ein gutes Netzwerk hat, der Vater sich liebevoll ums Kind kümmert, fühlt es sich gar nicht so "alleinerziehend" an.

Plagt Sie manchmal das schlechte Gewissen, wenn Sie auf dem Filmset sind und nicht bei Ihrer Tochter?

Nein, warum? Wie erwähnt, habe ich ein tolles Netzwerk für meine Tochter und ihre Bedürfnisse. Ich arbeite wie viele andere Frauen auch. Ob das nun in der Bäckerei oder am Set ist, bleibt sich gleich. Man kann sich auch etwas einreden lassen.

Wie findet Ihre Tochter Ihren Beruf?

Es ist für sie noch sehr abstrakt, was ich beruflich mache. Ich liebe die Momente, in denen ich zu Hause meinen Text lerne und ihn 50-mal wiederhole - sie liegt dann vor Lachen auf dem Boden. Das ist jedes Mal so ansteckend, dass wir uns irgendwann beide auf dem Boden kugeln.

Emma Schweiger ist zehn und steht vor der Kamera. Könnten Sie sich das für Ihre Tochter auch vorstellen?

Jasmin Gerat mit Til Schweiger bei "Wetten Dass...?" Ihm hat sie nicht nur ihren Kurzhaarschnitt sondern auch einen Karrieresprung zu verdanken.
Jasmin Gerat mit Til Schweiger bei "Wetten Dass...?" Ihm hat sie nicht nur ihren Kurzhaarschnitt sondern auch einen Karrieresprung zu verdanken.
© Reuters

Das ist kein Thema für mich. Im Moment will meine Tochter viel lieber Tänzerin oder Polizistin werden. Vielleicht könnte sie dann etwas gegen meine vielen Strafzettel tun!

Sie haben vor einigen Jahren gesagt, dass Ihr Leben inzwischen sehr spießig geworden sei. Wie sieht das konkret aus?

Simpel formuliert: Nach einem Glas Rotwein bin ich betrunken, und spätestens um 22 Uhr bin ich müde. Aber ich fühle mich total wohl dabei. Das ist doch die Hauptsache. Spießig ist mein neues Rock’n’Roll!

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass Sie sich vorher schon genug ausgetobt haben?

Ich habe jedenfalls kaum etwas ausgelassen und glaube in keiner Sekunde, dass ich irgendwas verpasse, wenn ich mit meiner Tochter abends zu Hause bleibe.

Ihre Karriere startete als TV-Moderatorin, aber erst mit dem Kinoerfolg "Kokowääh" sind Sie auch dem Massenpublikum ein Begriff. Haben Sie Til Schweiger diesen Karriereschub zu verdanken?

Den Abend vergesse ich nie, als Til mich nach dem Casting anrief und sagte: "Scheiße, Jasmin, du warst die Beste im Casting, aber dich kennt irgendwie keiner. Was mach ich denn jetzt?" Und ich antwortete: "Du besetzt mich, ist doch klar." (lacht) Ich bin Til unendlich dankbar für seinen Mut. Dieser Moment war ein Geschenk und ein wichtiger Türöffner für mich.

Til Schweiger haben Sie auch Ihren Kurzhaarschnitt zu verdanken, den er Ihnen für "Kokowääh" verpassen ließ und den Sie seither tragen …

Diese Frisur ist einfach praktisch, ich fühle mich dabei aber sehr weiblich, und sie drückt eine besondere Stärke und Klarheit aus. Das mag ich.

Annette Utermark

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