Iris Berben: "Popcorn-Raschler finde ich anstrengend!"

Iris Berben über nervende Zuschauer im Kino, Küsse vor der Leinwand und ihre große Liebe zum Film

Gewinnt am Ende vielleicht Tom Tykwers 100-Millionen-Dollar-Produktion "Cloud Atlas" die Trophäe als bester Film? Wird Tom Schilling die Lola für seine Hauptrolle in "Oh Boy" in den Händen halten? Am 26. April ist wieder Lola-Zeit. Dann steigt im Berliner Friedrichstadt-Palast die 63. Verleihung des Deutschen Filmpreises (das ZDF überträgt ab 22.15 Uhr). Als Präsidentin der Deutschen Filmakademie enthüllt Iris Berben gemeinsam mit anderen prominenten Laudatoren, wen die über 1400 Filmschaffenden der Republik dieses Mal zu den Besten der Besten gewählt haben.

Wann haben Sie den Zauber des Kinos für sich entdeckt, Frau Berben?

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©Gala

Leider erst relativ spät. Ich war als Kind im Internat, und die strengen Regeln dort ließen Kinobesuche nicht zu. Da ich aber gegen alles rebelliert habe, fand ich - ich muss ungefähr 14 Jahre alt gewesen sein - einen Weg ...

Wer war der Kinoheld Ihrer Jugend?

Als Teenager bin ich in jeden Film gerannt, in dem Eddie Constantine den FBI-Agent Lemmy Caution spielte. Filme wie "Rote Lippen, blaue Bohnen" kennen heute wahrscheinlich nur noch wenige. Aber ich und meine Freundinnen haben wild für Eddie geschwärmt, immer wieder die erste Kinoreihe in Beschlag genommen und in-brünstig Dialoge mitgesprochen.

Seit drei Jahren ist Iris Berben, 62, Präsidentin der Deutschen Filmakademie: 2012 hielt sie die Laudatio auf Preisträger Michael Ballhaus.

Wie häufig gehen Sie heute ins Kino?

So oft wie möglich. Ich mag es gar nicht, mir Filme auf Bildschirmen oder Tablet-Computern anzusehen. Ich brauche die große Leinwand. Ich liebe es, in ein schönes Kino zu gehen, dort mit anderen Leuten zu sitzen und mich ganz auf den Film einzulassen. Es wird dunkel, der Vorhang geht auf, der Bauch kribbelt. Das ist jedes Mal wieder Magie und ein besonderes Vergnügen am Nachmittag.

Warum zu dieser Zeit?

Ich finde es schön, wenn es draußen hell ist und ich dann im dunklen Kinosaal in diese total andere Welt abtauchen kann. Aber ehrlich gesagt genieße ich es auch, dass zu dieser Zeit die Kinos nicht ganz so voll sind. Ein gut gefülltes Filmtheater kann das Nervenkostüm zuweilen ganz schön belasten.

Das heißt konkret?

Popcorn-Raschler und Chips-Esser finde ich im Kino einfach anstrengend. Ich kann dieses Gemampfe und Geknuspere nicht ertragen. Es ist eine Geruchs- und Geräuschbelästigung ohnegleichen.

Gibt es weitere No-Gos im Kino?

Wenn sich Besucher lautstark miteinander unterhalten und meinen, permanent den Film kommentieren zu müssen. Wenn sie mit ihren Mobiltelefonen herumspielen - oder gar während der Vorstellung telefonieren. Das macht mich sprachlos!

Haben Sie früher mal im Kino geknutscht?

Selbstverständlich. Ich sage nur: Autokino!

Die gibt es ja heute in Deutschland fast gar nicht mehr.

In meiner Teenager- und Twenzeit waren sie der ideale Ort, um sich endlich einmal näherzukommen. Es war ja eine ziemlich verklemmte Zeit. Und ich weiß auch noch genau, wie wahnsinnig aufgeregt ich war: Zum einen hoffte ich, dass was passiert - gleichzeitig hatte ich aber auch Angst davor.

Bei Ihnen passierte sicher etwas.

Oh ja, und deshalb kann ich mich leider auch gar nicht mehr an den Film erinnern, der damals lief. Denn am Anfang war ich viel zu sehr mit dem Aufgeregtsein beschäftigt - und später dann mit dem Küssen.

Wann haben Sie Ihren Sohn Oliver das erste Mal mit ins Kino genommen?

Ich glaube, er war sechs oder sieben Jahre alt.

Welcher Film stand auf dem Programm?

"Der Räuber Hotzenplotz" mit dem unvergessenen Gert Fröbe.

Und wie hat Oliver auf die neuen Eindrücke reagiert?

Er wollte Räuber werden.(lacht)

Stehen zuweilen auch gemeinsame Kinoabende mit Ihrem Lebenspartner Heiko Kiesow auf dem Programm?

Natürlich.

Bei vielen Paaren gibt es im Vorfeld wilde Diskussionen darüber, was man sich ansehen will. Bei Ihnen auch?

Nun, Heiko ist Stuntman und deshalb verständlicherweise für Actionfilme zu begeistern. Er hat aber auch Zugang zu ganz anderen Themen bekommen und sich verschiedenen Filmgenres immer mehr geöffnet. Trotzdem versuche ich nicht, meinen Partner in jeden Arthouse-Film zu schleppen, sondern weiß manchmal bereits vorher schon: Dieses Werk schaue ich mir allein an!

Welchen Film haben Sie zuletzt gemeinsam im Kino gesehen?

"Die Wand" mit Martina Gedeck, über eine Frau in der Isolation.

Hat er Ihnen beiden gefallen?

Wir waren uns einig, einen ganz besonderen Film gesehen zu haben.

Welche weiblichen Kinostars haben Sie als Jugendliche bewundert?

Da fällt mir zuerst Elizabeth Taylor ein.

Was war so besonders an ihr?

Sie hat oft faszinierend starke Frauenfiguren gespielt, widersprüchliche, widerspenstige. Und sie hatte so ein unglaublich schönes Gesicht, in das ich versinken konnte. Aber auch Sophia Loren fand ich großartig. Und bei den Männern fällt mir noch James Dean ein. Wer war damals nicht in James Dean verliebt?

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Hat Sie eine Schauspielerin zu Ihrer eigenen Karriere inspiriert?

Nein. Ich wollte lange Zeit Jura studieren und war an dem Beruf und der Branche zunächst überhaupt nicht interessiert. Und das, obwohl ich schon sehr früh erste Berührungen mit der Schauspielerei gehabt habe.

Wann genau?

Meine erste Rolle auf der Theaterbühne hatte ich im Kindergarten. Ich war damals so dünn und fitzelig, wollte aber unbedingt den Räuberhauptmann spielen. Da werden sich meine Eltern schon ihren Teil gedacht haben. Mein zweiter Auftritt war dann in der Schule, wo ich eine Rolle aus "Der Struwwelpeter", meinem absoluten Lieblingsbuch der Kindheit, spielte. Und zwar den Zappelphilipp. Sie sehen: Ich wurde schon damals auf den Punkt besetzt. (lacht)

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