Iris Berben: "Ich kann noch albern sein"

Iris Berben ist die Spezialistin für TV-Rollen mit Tiefgang. Privat mag sie beides: die großen Fragen des Lebens - und puren Spaß

Der Taxifahrer bleibt vor dem Hamburger-ZDF-Studio einfach im Wagen sitzen -

soll sich sein Fahrgast doch selbst helfen! Und die zierliche Frau mit Wollmantel und Sonnenbrille macht es, wuchtet ihre Tasche aus dem Kofferraum. Iris Berben hätte allen Grund, sich über den Flegel zu ärgern. Doch sie bleibt ruhig. Kein wütender Diven-Auftritt. Diese Gelassenheit ist typisch für die 61-jährige Schauspielerin, wie sich im "Gala"-Interview zu ihrem neuen Film "Liebesjahre" (ZDF, 5. Dezember, 20.15 Uhr) zeigen wird.

In Ihrem neuen Film geht es um Verlustängste. Kennen Sie das Gefühl persönlich?

Die elementarste Angst ist sicher, dass meinem Sohn etwas passieren könnte. Wenn ich mit meinem Körper Leben gegeben habe, verteidige ich dieses Leben am intensivsten. Aber natürlich muss ich mit dem Verlust von Familienangehörigen oder Freunden umgehen, die wegsterben. Ich weiß auch, dass meine eigene Zeit knapper wird. Deshalb selektiere ich genauer als früher, womit ich sie noch füllen will. Das bedeutet aber auch die ungeheure Freiheit zu sagen, was ich nicht mehr an mich ranlassen will.

Verzweifelte Tränen

Hilaria Baldwin verkündet Fehlgeburt auf Instagram

Hilaria Baldwin: Fehlgeburt
Hilaria und Alec Baldwin: Für die beiden ist es dieses Jahr der zweite Schicksalsschlag, den sie erleiden mussten.
©Gala

Was ist das bei Ihnen?

Es gibt Situationen, Menschen und Gespräche, die mir meine Energien rauben. Das will ich nicht mehr haben.

Ängstigt Sie der Verlust der Jugend?

Nein, denn ich empfinde mich nicht als alt. Nicht wegen meines Aussehens, sondern weil ich eine brennende Neugier habe. Ich habe Lust, Freude, Albernheit. Ich habe alles, was ich auch als junger Mensch hatte.

Ihre Filmfigur Vera schreibt ihrem Ex jedes Jahr eine Weihnachtskarte. Machen Sie das auch?

Da mein Ex Jude ist und ich Christin, feiert er Chanukka und ich Weihnachten - wir machen daraus ein fröhliches Weihnukka. Wir schreiben uns, wir sehen uns, wir gehen auch essen. Er ist der Vater meines Sohnes. (Gabriel Lewy ist zwar nicht der leibliche Vater von Oliver Berben, zog ihn aber mit Iris Berben auf; Anm. d. Red.) Und er ist mir ein ganz vertrauter Mensch. Ich möchte auf seine Freundschaft nicht verzichten.

Wie reagieren Sie auf Partnerinnen Ihres Ex?

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die mit so einer großen Lockerheit alle Patchwork-Konstellationen hinnehmen. Plötzlich haben sich alle lieb - das liegt mir nicht, dazu bin ich zu besitzergreifend. Ich gehe damit auf eine sehr neutrale Weise um. Ich vermeide die Begegnungen, so oft es geht. Das hat nichts mit einer Geringschätzung dieser dritten Person, sondern mit Respekt von uns beiden als früheres Paar zu tun. Ich bin da ein bisschen altmodisch, fürchte ich. Ich sage jetzt auch nicht, wir fahren alle vier gemeinsam in den Urlaub. Das kann ich nicht.

Familiensinn: Zu ihrem Sohn, Fernsehproduzent Oliver Berben, hat Iris Berben eine enge Bindung. Olivers leiblichen Vater verrät sie bis heute nicht.

Am Ende Ihres Films sieht man ein Kind als Sinnbild der Hoffnung. Inwiefern ist Ihr Sohn das für Ihr Leben?

Oliver, mein Sohn, ist die Antwort auf viele Fragen des Lebens. Wie gut funktioniere ich als Mutter? Wie gut in meinem Beruf ? Wie gut als Mensch? Damit setzt man sich ja immer wieder auseinander. Und wenn ich ihn ansehe, ist das die Antwort. Für mein Leben ist er eine wichtige Spur, die ich hinterlasse. Da gucke ich gerne hin. Andrea Schumacher

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche