VG-Wort Pixel

Howie D "Ich will Entertainer sein bis ich uralt bin"


Mit den "Backstreet Boys" hat er mehr als 100 Millionen Tonträger verkauft. Jetzt will Howie D solo durchstarten. Mit Gala.de sprach der Sänger über seine Vielseitigkeit, Fans und gute Ratschläge unter Vätern

Howie D war immer der Unauffälligste bei den Backstreet Boys.

Auch bei den Konzerten der Super-Gruppe "NKOTBSB", die gerade ihre Europatournee beendet hat und nach Australien weitergezogen ist, steht er nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Doch der 38-Jährige ist wahrscheinlich der Vielseitigste unter seinen Bandkumpanen AJ McLean, Brian Littrell und Nick Carter. Neben der Musik ist er auch noch Immobilienmakler und Manager der kanadischen Boyband "Neverest", die gerade versucht, mit ihrem ersten Album "About Us" in Deutschland durchzustarten. Um die besten Chartpositionen müssen sie sich wahrscheinlich mit ihrem Mentor kabbeln, denn er hat sein erstes Soloalbum veröffentlicht.

Ihr erstes Soloalbum heißt "Back To Me". Was bedeutet der Titel für Sie?

Zuerst wollte ich "HD" oder "High Def" als Name fürs Album, das wäre aber zu gestelzt gewesen und so eine Person bin ich einfach nicht. Einer der Tracks auf meinem Album heißt so und irgendwann habe ich festgestellt, dass mir der Titel viel bedeutet. Er beinhaltet das Wort "Back", auch ein Teil der "Backstreet Boys", und "To Me" bedeutet, dass ich zurück zu mir finde, da ich auch als Solokünstler angefangen habe. Der Kreis schließt sich also.

Wie unterscheidet sich der Solokünstler Howie D. vom "Backstreet Boy"?

Man kann auf dem Album definitiv bei den schnelleren Titeln meine Individualität hören. Die gehen eher in die Eurodance-Richtung. Aber die Mid-Tempo-Nummern und Balladen sind absichtlich nicht so weit weg von den "Backstreet Boys", denn ich bin sehr stolz, einer von ihnen zu sein. Anfangs wollte ich was ganz anderes machen, eher in die Latin-Richtung, um auch meine Wurzeln einzubringen. Aber die Leute kennen meine Musik auf Englisch und Spanisch ist auch nicht meine Muttersprache, deshalb wäre es unnatürlicher gewesen.

Warum hat es fünf Jahre gedauert, bis das Album rausgekommen ist?

In der Zwischenzeit sind zwei "Backstreet Boys"-Alben erschienen, wir waren auf Tour. Deshalb musste ich meine Solosachen zurückstellen. Und ich habe schon immer gesagt: Zuerst kommen die Gruppe und dann ich. Denn wenn jeder egoistisch wäre, dann gebe es keine "Backstreet Boys"-Platten. Auch wenn ich Opfer bringen musste, habe ich mich dabei nie unwohl gefühlt. So hatte ich auch Zeit, mir Gedanken zu machen, wie die Platte klingen soll. Ich konnte mich als Solokünstler wiederentdecken, denn wenn man für viele Jahre in einer Gruppe ist, verliert man ein bisschen seiner Individualität.

Haben Sie einen Lieblingstitel auf "Back To Me"?

Ich mag viele, aber die nächste Single "Lie To Me" ist mein Lieblingssong. Viele Fans lieben ihn, weil er den Pop-Rock-Album-Stil, wie "Incomplete" von den Backstreet Boys, hat. "Neverest", die Band, die ich manage, ist im Video zu sehen.

Da haben Sie ganz nonchalant Ihre neuen Schützlinge ins Gespräch einfließen lassen. Was ist der beste Rat, den Sie als Manager jungen Künstlern geben können?

Dass sie sich Zeit lassen sollen, so wie ich das gemacht habe. Denn für die erste Platte, von der dein Erfolg abhängt, hast du alle Zeit der Welt. Danach müssen die zweite und dritte relativ schnell kommen, weil die Leute keine lange Aufmerksamkeitsspanne haben. Wenn du zu lange weg bist, vergessen sie dich einfach. Also, sei deiner Musik treu und nimm dir die Zeit, deine Persönlichkeit zu formen und zu entscheiden, wie dich die Leute wahrnehmen sollen.

Wollen Sie denn irgendwann mit der Musik aufhören und nur noch Manager sein?

Ich trage gern viele verschiedene Hüte. Ich bin sehr kreativ, deshalb ist es schwer zu sagen, ich mache nur das oder das. Ich werde Entertainer sein bis ich uralt bin, und wenn ich beim Singen in einem Stuhl sitzen muss. Meine Erfahrungen mit der Gruppe helfen mir, die anderen Jungs zu managen. Und weil die "Backstreet Boys" ein großer Name sind, öffnet der Türen. Ich liebe es aber auch zu schauspielern und würde mir wünschen, dass meine Schauspielkarriere irgendwann genauso erfolgreich ist, wie meine Gesangskarriere. Und fernab vom Unterhaltungsbusiness interessiere ich mich auch für den Immobilienhandel. Das mache ich gemeinsam mit meinem Bruder.

Gala.de-Redakteurin Ines Weißbach traf Howie D und seine Schützlinge "Neverest" in Hamburg.
Gala.de-Redakteurin Ines Weißbach traf Howie D und seine Schützlinge "Neverest" in Hamburg.
© Gala.de

Und Sie haben Frau und Kind. Wie finden Sie die Zeit für all das?

Ich habe einfach viel Energie. (lacht) Ein Kind zu haben, ist natürlich großartig. Und ich bin froh, dass meine Frau mich unterstützt, nur deshalb kann ich genau das machen, was ich tue. Sie ist das Fundament der Familie.

Wie werden Sie Ihrem Kind in Zukunft erklären, womit Papa sein Geld verdient?

Es ist erstaunlich, er ist erst drei Jahre alt und ich habe schon das Gefühl, dass er es schon versteht. Seitdem er zwei Monate alt war, habe ich ihn schon mit auf Tour genommen. Er stand auch schon mit auf der Bühne und hat in sein eigenes kleines Mikrofon "Hi Ladys" gesagt und Küsse ins Publikum geworfen. Und wenn ich ihm sage, er soll mit dem Hintern wackeln, fängt er an zu tanzen.

Später kann er bei den Mädchen landen, indem er sagt: "Mein Vater ist einer von den Backstreet Boys" …

Ich bezweifle, dass die dann wissen, wer wir sind. (lacht) Sie müssen vielleicht ihre Mütter fragen.

AJ McLean wird bald Vater. Welchen Ratschlag haben Sie ihm gegeben?

Ich habe ihm genau das Gleiche gesagt, was mir Brian mit auf den Weg gegeben hatte. Wenn du ein Kind bekommst, musst du selbstlos werden. Denn durch das Musikbusiness kannst du schon egoistisch werden. Du bist im Rampenlicht, bekommst alles, was du willst. Und ein Kind zu haben zeigt dir, dass sich nicht alles nur um dich dreht.

Aber ist das nicht so ähnlich in einer Band, da muss man auch teilen?

Ja, absolut. Das ist auch eine Art des Teilens. Ein Kind beeinflusst aber vor allem dein eigenes soziales Leben. Ich habe AJ gesagt, dass es Zeiten geben wird, wenn sein Kind alle Pläne, die er macht, über den Haufen wirft. Zum Beispiel wenn es krank ist oder einfach nur schreit. Genau das hatte ich auch: Ich wollte ausgehen und mein Kind musste sich übergeben.

Sie sind mit den "New Kids On The Block auf Tour". Wie unterscheiden sich eigentlich die "Backstreet Boys"-Fans von den "NKOTB"-Fans?

Fans sind Fans. Sie verhalten sich genau gleich. Sie schreien …

… obwohl sie 30 Jahre und älter sind …

Das ist auch der einzige Unterschied, den ich sehe. Die Fans von "NKOTB" sind vielleicht ein bisschen älter als unsere. Aber es gibt definitiv eine Gruppe, die sich überschneidet. Wir vereinen also die Fanbasis.

Haben Sie sich eine Tour mit "NKOTB" eigentlich genau so vorgestellt?

Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was mich erwartet. Ob die Leute überhaupt die Idee mögen, dass wir gemeinsam auf Tour gehen. Als wir aber zum ersten Mal gemeinsam in New York City aufgetreten sind, rasteten die Fans förmlich aus. Von da an haben wir gedacht: Das könnte interessant werden. Und heute kann ich sagen: Die Tour hat alle Erwartungen übertroffen und hat gezeigt, dass wir großartige und loyale Fans haben, ob unsere Musik im Radio gespielt wird oder nicht.

Ines Weißbach

gala.de


Mehr zum Thema


Gala entdecken