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Hape Kerkeling "So erhält man sich was Kindliches"

Hape Kerkeling
© ZDF
Er ist dann mal wieder im ZDF: Hape Kerkeling erklärt die Weltgeschichte - augenzwinkernd und unterhaltsam

Wetten, dass das lustig wird?

Nein, es geht jetzt nicht darum, ob Hape Kerkeling die Nachfolge von Wett-Papst Thomas Gottschalk antritt - das ist nach wie ein ZDF-Geheimnis. Doch bis zur offiziellen Kür eines künftigen "Wetten dass …?"-Moderators versüßt uns der 46-jährige Kerkeling im Zweiten die Wartezeit.

Ab diesem Sonntag zeigt das ZDF sechs Folgen "Terra X: Unterwegs in der Weltgeschichte", in denen sich der Scherzkeks auf eine Reise durch die Historie begibt. Im Schweinsgalopp durchreist er geschichtsträchtige Orte wie das alte Ägypten, Mesopotamien und die Azteken-Stadt Teotihuacán in Mexiko. Er tritt als argloser, aber neugieriger Fragesteller auf - in bester "Ich bin dann mal weg"-Manier. Und natürlich schlüpft er in die Rolle von Figuren wie Nero, Kleopatra oder Christoph Kolumbus. An 100 Tagen innerhalb von zwei Jahren war Kerkeling dafür mit Gero von Boehm unterwegs. "Das Reisen war eine Bereicherung", sagt er. Ob er als Nächstes als Kapitän auf dem Show-Flaggschiff des ZDF anheuert?

Hape Kerkeling zurechtgemacht als Königin Elisabeth I. von England. "Terra X: Unterwegs in der Weltgeschichte" startet am 23. Ok
Hape Kerkeling zurechtgemacht als Königin Elisabeth I. von England. "Terra X: Unterwegs in der Weltgeschichte" startet am 23. Oktober um 19.30 Uhr im ZDF.
© ZDF

Ich habe in der Redaktion schon vor einem halben Jahr gewettet, dass Sie "Wetten, dass …?" übernehmen. Wann erfahre ich endlich, ob ich gewonnen habe?

Wenn ich mich richtig erinnere, hat das ZDF gesagt: Solange Thomas Gottschalk "Wetten, dass …?" moderiert, äußert sich das ZDF nicht zur Nachfolge. Und da ich gewissermaßen zum ZDF gehöre, äußere ich mich auch nicht.

Und so ganz unter uns?

Thomas Gottschalk macht noch zwei Sendungen. Angenommen, ich sage jetzt "Ja", dann würde ich ihm ein Ei ins Nest legen, das tue ich nicht. Wenn ich jetzt "Nein" sage, würde ich ihm auch ein Ei ins Nest legen, denn dann geht die Spekulationsdebatte weiter.

Das tut sie so lange, bis das ZDF uns erlöst. Aber bis dahin sind Sie anderweitig beschäftigt. Was haben Sie auf Ihren Reisen durch die Weltgeschichte gelernt?

Ich bin mit der Verarbeitung noch nicht durch. Und ich weiß noch nicht, wie ich das für mich und in mein Leben endgültig einordnen soll. Es ist schon erstaunlich, wie viele Irre die Weltgeschichte leider geprägt haben.

Sie treten auch im Kostüm historischer Größen wie Dschingis Khan und Napoleon auf.

Das ist wohl so bei Menschen, die auf der Bühne stehen, dass diese durchaus gerne in Rollen schlüpfen, seien es Komiker oder Schauspieler. So erhält man sich was Kindliches, was man als Erwachsener sonst verliert.

Insgesamt 100 Tage war Hape Kerkeling auf großer Fahrt, hier in Ägypten.
Insgesamt 100 Tage war Hape Kerkeling auf großer Fahrt, hier in Ägypten.
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Wenn Sie mit einer Persönlichkeit der Weltgeschichte tauschen müssten, wer wäre das?

Ich werde diese Frage nicht beantworten und muss diese Frage nicht beantworten, denn ich bin Nero. Nein, Konrad Adenauer. Der scheint mir von allen noch am vernünftigsten gewesen zu sein.

Und als Adels-Fan haben Sie sicher die Königinnen Victoria und Co. im Visier - so wie damals Beatrix …

Also, besonders gern mochte ich eigentlich Ludwig XIV. Wenn man in diesem Setting ist und in dem Kostüm und sich versucht in diese Situation zu versetzen, ist das die für mich mit reizvollste und stärkste Figur gewesen.

Ob Kanzler, Kaiser, König oder Königin: Hape Kerkeling kann alle spielen! Hier Königin Victoria von England.
Ob Kanzler, Kaiser, König oder Königin: Hape Kerkeling kann alle spielen! Hier Königin Victoria von England.
© ZDF

Ludwig XIV. sagte einst: "Der Staat bin ich!" Im deutschen Fernsehen würde man derzeit wohl eher sagen: "Der Staat sind Sie!" Welche Epoche fasziniert Sie nach ihrer lustigen Feldforschung am meisten?

Die Antike. Weil die aus meinem Blickwinkel alles Positive, was in den Jahrhunderten danach folgte, stark beeinflusst hat. Die Renaissance hätte es wahrscheinlich so ohne die Antike nicht gegeben. Und die Aufklärung wohl auch nicht. Insofern ist die Antike für mich das wichtigste Zeitalter.

Gab es auch eine Figur, die Sie gar nicht mochten? Wo Sie zum Beispiel dachten: "Ach, nee, der olle Marx …"?

Genau der. Rein maskentechnisch war das auch extrem aufwendig. Er ist die Figur, zu der ich am wenigsten einen inneren Zugang finden konnte.

Wollten Sie Hitler spielen? Oder sagen wir: Mussten Sie?

Müssen muss ich gar nichts. Ich musste es nicht und wollte es auch nicht. Das hätte auch nicht gepasst. Wir versuchen, Geschichte mit einem Augenzwinkern zu betrachten, und je weiter historische Ereignisse zurückliegen, desto einfacher ist es, sie mit Distanz zu betrachten. Was das vergangene Jahrhundert betrifft, ist dieser Abstand noch sehr gering. Insofern ist es weitaus schwieriger, dafür eine angemessene Form der Darstellung zu finden. Aber um das noch einmal abzuschließen, sonst bleibe ich Ihnen diese wichtige Antwort schuldig: Wir haben versucht, für die jüngere deutsche Geschichte eine Lösung zu finden. Sie werden es ja sehen.

Lustige Odyssee rund um den Erdball: Hape Kerkeling bei einem aztekischen Ritual in Mexiko.
Lustige Odyssee rund um den Erdball: Hape Kerkeling bei einem aztekischen Ritual in Mexiko.
© ZDF

Kommt eigentlich Ihre Heimat, der Ruhrpott, vor?

Natürlich spielt das Ruhrgebiet eine große Rolle in der Weltgeschichte, denken Sie nur an die industrielle Revolution. Aber da wir uns auf die Essenz konzentrieren mussten …

5000 Jahre Geschichte sind tatsächlich ein echter Batzen für sechs mal 45 Minuten TV. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich hatte zunächst vor, mich durch sämtliche Enzyklopädien zu arbeiten. Aber dann wurde mir klar, dass es ja meine Aufgabe sein wird, in dieser Dokumentation Fragen aufzuwerfen- wie ein Zuschauer und nicht wie ein Historiker. Insofern habe ich davon abgesehen und bin relativ jungfräulich an die Sache heran. Normalerweise bereite ich mich auf alle meine Projekte sehr gut vor. In diesem Falle habe ich mich auch immer wieder überraschen lassen.

Haben Sie eine bestimmte Zielgruppe im Visier? Den Bildungsbürgern erzählen Sie mit den historischen Häppchen ja nichts Neues …

Also, wenn ich mir diese Fragen stellen würde, bei jeder Produktion, die ich mache, würde ich am Ende gar nicht produzieren. Zunächst einmal hat mir diese Arbeit große Freude bereitet, sonst hätte ich es nicht gemacht. Meine Hoffnung ist, dass Jugendliche dazu ermuntert werden, sich mit der einen oder anderen Epoche oder Bedeutung einer historischen Figur näher auseinander zu setzen.

Sie werden also zum Geschichtslehrer der Nation?

Na, ich hoffe nicht, dass ich so wahrgenommen werde. Ich bin ein Suchender und ein Zeitreisender, aber ich werde mir nicht anmaßen, mich hier als heimlicher Historiker oder Geschichtslehrer zu outen. Roland Rödermund

gala.de


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