Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe: "Irgendwann ist er fällig"

Sein Sohn ist längst erwachsen, doch kürzer zu treten ist für den Fürsten keine Option. Ein Interview über Lust und Last, gescheiterte Lieben – und was er daraus gelernt hat

Alexander zu Schaumburg-Lippe und Sohn Heinrich Donatus

Die neue Schlossherrin weiß zu gefallen. Genießerisch schmiegt sie sich an Alexander zu Schaumburg-Lippe, 57, schaut ihm in die Augen und seufzt tief, bevor sie fest und schnaufend einschläft. Der Fürst ist entzückt. Seit 24 Stunden dreht sich alles um Bellini, eine neun Wochen alte schwarze Labradorhündin. Binnen eines Tages hat sie es geschafft, den Hausherrn und seinen Sohn Erbprinz Heinrich Donatus, 21, komplett um den Finger zu wickeln. Leidenschaftlich diskutieren die Herren über Gassigehen, Futter und auf welchen Pfiff Bellini hört. Klar, dass "Belli" auch beim GALA-Shooting die Hauptrolle spielt. Es ist das erste Mal, dass Vater und Sohn für ein Magazin gemeinsam posieren.

Bedeutet das, dass Sie Heinrich Donatus ab jetzt stärker in die Pflicht nehmen?

Hier auf dem Schloss noch nicht. Ich würde ihn lieber erst einmal draußen in der Welt sehen. Gibt es dafür eine Strategie? Das klingt übertrieben, es ist mehr ein Lebensplan. Er hat sehr erfolgreich seine drei Jahre Militär hinter sich gebracht, nun wird er an einer renommierten Business-Uni studieren und eine wirtschaftliche Ausbildung machen. Er hat die Willenskraft, den Intellekt und das Durchhaltevermögen, um gut abzuschneiden. Ich würde ihn gern als Unternehmer sehen.

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Alexander zu Schaumburg-Lippe und sein Sohn Heinrich Donatus

Dass er in Ihre Fußstapfen tritt, ist klar?

Irgendwann ist er hier fällig. (schmunzelt) Aber er muss nicht morgen antreten, es sei denn, er will es.

Dazu sind Sie selbst auch noch zu sehr im Geschäft.

Ja, ich bin ja noch nicht voll vergreist. (lacht)

Was wäre, wenn er nicht will?

Das wird nicht diskutiert. Das hat mein Vater nicht getan, das habe ich nicht getan, mein Bruder hätte es sicher auch nicht. Das ist eben so. Wer so stark eingebunden ist in die Tradition wie wir, der übernimmt diese Verantwortung.

Ist das ein Traumjob?

Es ist eine sehr schöne Aufgabe. Ich kann mich sehr weitgehend entfalten, im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten viel gestalten. Aber wäre ich auf den freien Arbeitsmarkt gegangen, hätte ich etwas ganz anderes gemacht, im Journalismus oder in der Werbebranche.

Trauern Sie dieser Möglichkeit hinterher?

Nein, mir geht es prima, da gibt es nichts zu trauern. Ich werde nie herausfinden, ob ich ohne all das ein erfolgreicher Mensch geworden wäre.

Was fürs Herz: Der Fürst und Bellini im Innenhof des Schlosses

Worin bestehen die Herausforderungen?

Die Erhaltung dieses Hauses ist eine titanische Aufgabe, das Schloss muss seine eigenen Mittel erwirtschaften. Wie mache ich das? Die Landpartie und der Weihnachtszauber spülen mehr als 100000 Gäste nach Bückeburg und ermöglichen uns, dieses Haus ganz gut in Schuss zu halten. Das erfordert viel Fantasie und Aufwand.

Ist das lukrativ?

Man muss sich immer wieder etwas Neues überlegen. Vergangenen Sonntag haben wir "Lilly’s Café" eröffnet. Dort möchte ich meine Leidenschaft verwirklichen und ein Jazz-Mekka etablieren.

Das ist ein Traditionsbruch.

Dazu muss man bereit sein. Tradition heißt nicht, die Asche zu bewahren, sondern die Flamme weiterzureichen. Das ist ein ständiger Drahtseilakt. Man muss sich bewusst machen, dass alles, was man an Tradition über Bord wirft, für immer weg ist, auch für meine Nachkommen. Das ist eine große

Verantwortung ...

... die in der heutigen Zeit viele Menschen überholt finden.

Traditionspflege ist manchen Leuten schwer zu vermitteln, da muss ich oft heftig debattieren. Zuweilen bekommt man dabei schon den Eindruck, dass gewisse Leute beim Adel ein Feld finden, wo sie risikolos Ressentiments und Vorurteile austoben dürfen, die sie sich sonst nicht leisten können. Unterkomplexes linkes Spießertum, würde ich mal ganz spitz sagen. Zum Glück sind das Ausnahmen.

Sie setzen sich diesen Ressentiments durch Ihre Aktivität in den sozialen Netzwerken aus. Da kommt die alte Affinität zum Journalismus raus.

Ich wollte Journalist werden, seit ich zehn bin. Ich bin mit Politik aufgewachsen, habe am Mittagstisch über Politik diskutiert. Diese Positionen versuche ich mit Entschlossenheit auf meiner Facebook-Seite zu vertreten. Ich möchte was bewegen, mich äußern, Denkanstöße geben.

… und vielleicht doch noch Politiker werden?

Ich werde kein Mandat annehmen. Dafür bin ich nicht dickhäutig genug.

Eine Entscheidung aus rationalen Erwägungen also?

Es existiert zweifellos eine Leidenschaft für Politik. Was habe ich früher rebelliert, die Zeit war so. Wenn man in den Siebzigern nicht ziemlich weit links stand, war man nicht hip. Das war auch dieses Dazugehören-Wollen, gegen die Elterngeneration aufbegehren. Das scheint mir in der heutigen Jugendgeneration nicht mehr en vogue zu sein.

Wie ist Ihr Sohn?

Er ist nicht rebellisch, aber sehr eigenständig, was sein Leistungsdenken angeht. Er setzt sich immer die schwierigsten Herausforderungen und hat bisher alle gemeistert. Er war als erster Deutscher überhaupt auf der britischen Militärakademie Sandhurst. Dann war er der erste Deutsche, der aktiver Offizier im wohl angesehensten Regiment, den Life Guards, war. Damit hat er mit 21 Jahren Geschichte geschrieben, nichts Geringeres als das.

Die Erziehung ist sicher nicht ganz unschuldig daran.

Die Lilly hat ihn sicher toll erzogen, er war ja meistens bei ihr. Sie hat einen tollen Kerl aus ihm gemacht, aber ich glaube, dass vieles auch im Menschen verankert ist. Wenn Teddy sich was vornimmt, auch sportliche Herausforderungen, dann schafft er das. Man wird sehen, was in dem Jungen so steckt. Er ist nie den Weg des geringsten Widerstandes gegangen. Deshalb hat er Rebellion gar nicht nötig. Eher rebellieren andere gegen ihn.

Zu Hause bei den Schaumburg-Lippes

Das macht das Miteinander sicher nicht einfach, oder?

Doch, wir kommen sehr gut miteinander klar. Wir waren gerade eine Woche in Afrika, es gab keine Probleme.

Sie haben auch zwei Töchter. Welche Rolle spielen sie bei der Zukunft des Schlosses?

Bei der Zukunft des Unternehmens wahrscheinlich keine. Aber sie spielen natürlich eine Rolle als Familienmitglieder. Mein Sohn kann gut mit ihnen, hat sie gerade spontan besucht. Das funktioniert. Wir sind eine Patchwork-Familie. Ich verstehe mich ja auch mit Lilly gut.

Wie schaffen Sie das?

Wenn etwas kaputt gegangen ist, sollte man keine schmutzige Wäsche waschen, sondern nach vorne blicken. Wir haben gemeinsame Kinder. Wenn die mitkriegen, dass es Hauen und Stechen gibt, werden sie am meisten darunter leiden und einen Knacks kriegen. Solche Scheidungsneurosen sind keine Folge der Trennung, sondern des Streits.

So ruhig zu bleiben ist bei einer Trennung nicht einfach.

Wir haben uns gegenseitig nichts vorzuwerfen, es hat einfach nicht funktioniert. Ich kann jedem, der sich scheiden lässt, nur empfehlen: Setzt euch hin, bevor ihr einen Rechtsanwalt beauftragt, überlegt euch, was ihr aufs Spiel setzt. Denn in dem Moment, in dem jeder für sich einen Anwalt nimmt, wird dieser Anwalt euch anweisen, Dinge zu tun, die ihr gar nicht tun wollt. Da geht es nur ums Geld. Die Bindungen, die noch vorhanden sind, bleiben auf der Strecke und werden vollkommen zerstört.

Das ist also Ihr Tipp für eine "perfekte Trennung"?

Wer sich in der Lage sieht, an eine gescheiterte Ehe ohne Ressentiments heranzugehen, ist verdammt gut beraten, das so zu machen. Sonst wird man sich hasserfüllt gegenüberstehen und die Kinder müssen sich entscheiden, zu wem sie halten. Das ist eine Last, die man als Erwachsener kaum tragen kann. Als Kind erst recht nicht.

Sind Sie nach zwei gescheiterten Ehen desillusioniert?

Ich wusste, dass es schwierig ist, eine lebenslange Ehe zu führen. Das Scheitern war immer eine Option.

Ist es für Sie schwierig zu unterscheiden, ob eine Frau Sie oder Ihr Ansehen liebt?

Ja, aber das ist mir egal. Das ist, wie es ist. (lacht)

Haben Sie eine Partnerin?

Es gibt keine neue Freundin.

Sind Sie offen für eine neue Beziehung?

Ich suche nicht.

Jetzt ist Bellini erst mal ganz weit vorne.

Genau. (lächelt) Über Nacht habe ichmein Herz für Hunde entdeckt. Mit 57.

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